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Bei Gent-Wevelgem war Alexander Kristoff (rechts) zu strak für John Degenkolb (Mitte), der knapp geschlagen Zweiter wurde.

Flandern-Rundfahrt

Heißer Tanz mit Flanderns Schönster: Degenkolb und Politt könnten überraschen

Bei der 103. Ausgabe der Flandern-Rundfahrt könnten John Degenkolb und Nils Politt überraschen, Favoriten sind andere.

John Degenkolb und Nils Politt wollen sich als Spielverderber in Szene setzen, doch zu den echten Sieganwärtern bei der Flandern-Rundfahrt gehören die beiden deutschen Klassikerexperten nicht. Wenn „Flanderns Schönste“ am Sonntag (ab 10.15 Uhr/Eurosport) schon zum 103. Mal zum heißen Tanz über giftige Hellingen und kräftezehrendes Kopfsteinpflaster bittet, sind die deutschen Radprofis nur Außenseiter.

Bei Degenkolb, der zuletzt mit Rang zwei bei Gent-Wevelgem neues Selbstvertrauen nach seinem Kettenmissgeschick bei Mailand-Sanremo schöpfte, geht der Blick sogar schon hin zu seiner großen Klassikerliebe am 14. April. „Ich schaue schon mit einem Auge auf Paris-Roubaix, dort habe ich die emotionalsten und schönsten Momente meiner Karriere eingefahren“, sagte der Thüringer, denn: „Ich gehe nicht als Favorit in die Flandern-Rundfahrt.“

Genießen wollen beide den inoffiziellen belgischen Nationalfeiertag dennoch auf ihre eigene Art, denn so sehr die begeisternde Atmosphäre an der Strecke motiviert, die 267 km zwischen Antwerpen und Oudenaarde werden vor allem schmerzhaft. 17 kurze, aber steile Steigungen (Hellingen) stellen sich den Radprofis in den Weg, dazu fünf Passagen über Kopfsteinpflaster (Kasseien).

Politt (25) gilt dabei als Kandidat für einen Überraschungscoup. Der Kölner hat sich von Jahr zu Jahr gesteigert und scheint inzwischen reif für ein Spitzenergebnis. „Vielleicht ist das seine große Chance, dass ihn keiner auf der Rechnung hat“, mutmaßte Ex-Profi Fabian Wegmann im Podcast von cyclingmagazine.de. Denn: „Er hat gezeigt, dass er ganz vorne mitfahren kann. Die Power hat er.“

In den Vordergrund schiebt sich Politt aber lieber nicht, er fühlt sich als Außenseiter wohl. „Klar könnte ich sagen, ich will in die Top Ten, aber diese Rennen sind einfach nicht vorhersehbar“, sagte der Profi aus dem Team Katusha-Alpecin. Gleichwohl, betonte Politt, habe er „über den Winter nochmal einen Sprung gemacht.“ Seine Schlussfolgerung für die „Ronde van Vlaanderen“: „Ich bin selbstbewusst.“

Aber auch Politt schielt ähnlich wie Degenkolb bereits auf Paris-Roubaix, die Königin der klassischen Eintagesrennen. Die sogenannte „Hölle des Nordens“ liege ihm „noch einen Zacken besser“, sagte Politt, für den der Etappensieg bei der Deutschland Tour im letzten August ein Schlüsselerlebnis war. „Die Hoffnung wird größer, die auf ihm ruht“, sagte Wegmann.

Degenkolb (30) kennt das Gefühl großer Siege, fühlt sich aber auf dem mittelalterlichen Pflaster Nordfrankreichs wohler als auf dem Kurs über die berühmte Mauer von Geraardsbergen, den Oude Kwaremont und Paterberg. „Wir haben eine starke Mannschaft“, sagte der Profi über sein Team Trek-Segafredo mit dem dänischen Vorjahreszweiten Mads Pedersen, in dessen Dienst er sich womöglich stellen wird.

Der Kreis der Favoriten ist relativ überschaubar, „eine Handvoll Leute“, glaubt Degenkolb. In Olympiasieger Greg van Avermaet, Wout van Aert und Oliver Naesen gehören drei Belgier dazu. Auch der dreimalige Weltmeister Peter Sagan (Slowakei) ist natürlich ein Siegkandidat, und neben der starken Quick-Step-Mannschaft gehört Cross-Weltmeister Mathieu van der Poel (Niederlande) dazu. (sid)

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