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Trainingsneuheit in der Fitness-Welt. Intensiveres Muskeltraining durch Stomreize?
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Trainingsneuheit in der Fitness-Welt. Intensiveres Muskeltraining durch Stomreize?

Fitness aus der Steckdose?

Ein Erfahrungsbericht in Sachen "Körperkult"Immer neue Gerätschaften und Wunderpillen versprechen den Traumkörper ohne selbst viel dafür tun zu müssen. Ein neuer Trend in der Fitness-Welt: Der Body Transformer. Was das mit Elektrostimulation arbeitende Gerät taugt? Daniel Kömpel von FR online hat sich auf den Weg gemacht und das System selbst getestet.

Von DANIEL KÖMPEL

Angestöpselt an Elektroden - Stromstöße rasen durch den Körper. Sie dringen in jede winzige Muskelfaser ein und stimulieren so den Muskelaufbau. Die Rede ist vom neuartigen Body Transformer-System. Was sich anhört, als sei es einem Science-Fiction-Film entsprungen, ist mittlerweile Realität - in einem Industriegebiet in Frankfurt/Bergen-Enkheim.

Der hier ansässige Fit + Fun Wellness Sportsclub ist der bisher einzige Anbieter des Body Transformer-Systems in Frankfurt - einer deutschen Fitness-Innovation, die Gesundheit auf Knopfdruck verspricht. Das System arbeitet mit Elektrostimulationen. Dabei reizen elektrische Impulse die Nerven, die die Muskelfasern steuern. Der dadurch entstehende Reiz lässt sich die Muskeln zusammenziehen. Durch diese künstliche Kontraktion wird der Muskel wie beim Sport trainiert. Sogar drei Mal so effektiv - verspricht der Hersteller.

Direkt neben dem Fitness-Tempel steht - wie passend - ein Schnellimbiss. Durch die leicht fettigen Scheiben erkennbar, werden dort wenig gesundheitsbewusst Currywurst und Co. verputzt. Vor den beiden Läden steigen zwei Männer von ihren Fahrrädern, die so gar nicht in diese etwas trostlose Industriegegend passen: Etwa Mitte 40, gepflegt und in Anzug und Krawatte, lassen sie die Würstchenbude (in diesem Fall) rechts liegen, und gehen schnellen Schrittes auf den Eingang des Sportstudios zu.

Nur keinen Fast-Food-Sport

Als einziges Studio der Region ist der "Sportsclub" durch TÜV und Ärztekammer zertifiziert. Neben einer gewissen Qualitätsgarantie verspricht das den Vorteil, die Kosten des Trainings zumindest teilweise bei der Krankenkasse absetzen zu können. "Hier wird tatsächlich Gesundheitstraining betrieben", so Inhaber und "Personal Trainer" Kai Ellmauer. "Die Menschen kommen mit einem bestimmten Problem hierher - und wir helfen ihnen dabei, das Problem anzugehen und im Idealfall zu lösen. Wir möchten uns klar von den so genannten Fitness-Discountern abheben, die neben den eigentlichen Trainingsmöglichkeiten kaum fachliche Beratung bieten können."

Wie eine "Muckibude" sieht der Laden auch nicht aus, obwohl auch die obligatorische Hantelreihe und Spiegel die Einrichtung zieren. Die Konterfeis der Trainer schmücken die Wand im Eingangsbereich. Vom Sportarzt zum Physiotherapeut ist alles vertreten, was man in einem Gesundheitsstudio erwarten kann. Das deckt sich nicht ganz mit dem Bild, das man von Geräten wie dem Body Transformer hat. Erinnert es doch unweigerlich an diverse Abnehm-Gürtel aus dem Shopping-Kanal, die suggerieren, dass man eine Traumfigur auch ohne Arbeit erreichen kann.

Dieses Versprechen trifft den Zeitgeist. Menschen sind auf der Suche nach der kurzfristigen Bedürfnisbefriedigung - beim Fastfood wie auch beim Sport. Schnell und mit wenig Einsatz das Maximum herausholen! Am besten mit der Pille, die einem alle Arbeit abnimmt, schön und gesund macht. "Leider wird sich dieses Versprechen nie erfüllen lassen", so Kai Ellmauer. Die einzigen, denen sie wirklich etwas bringen, sind deren Vertreiber - die sich mit den Hoffnungen und Ängsten der Käufer ein dickes Bankkonto auf den Cayman-Inseln ergaunern. Ansonsten muss operiert werden. 100 Millionen Euro geben die Deutschen jährlich für ästhetische Operationen, wie Fettabsaugungen oder Brustvergrößerungen aus, bei zweistelligen Wachstumsraten.

Hinter dem langen Tresen, dessen Rückwände mit "health food", Powerriegeln und Nahrungsergänzungsmitteln in jeglicher Form und Farbe gefüllt sind, begrüßt mich eine freundliche Servicekraft im Sportdress. Vor einer Trainingseinheit am Body Transformer rät sie dazu, noch einen "Carbo" - ein kohlehydrathaltiges Getränk zu trinken, da der Körper dabei sehr viel Energie verbraucht. Der Aufwand scheint etwas übertrieben - für ein 20-Minuten-Training mit am Körper montierten Stromplättchen?

Das neuartige Trainingssystem ist seit rund fünf Jahren auf dem Markt. Gesundheitliche Nachteile sind bisher keine bekannt. Die Liste der versprochenen Vorteile dagegen liest sich wie die eines Zaubertranks: Linderung von Rückenbeschwerden, deutliche Minderung von Blasenschwäche und Orangenhaut, genereller Muskulaturaufbau, Ausgleich muskulärer Dysbalancen (Überbelastung bzw. Unterentwicklung bestimmter Muskelgruppen), Straffung des Bindegewebes und entschlackende Wirkung auf das Lymphsystem. Da das System ohne Strecken der Muskelfasern arbeitet und die Gelenke nicht belastet, ist es zudem ideal zu Reha-Zwecken bei Muskelverletzungen geeignet. Daher findet das Gerät auch im Profisport-Bereich mehr und mehr Fürsprecher - auch um den Muskelaufbau um das vielleicht entscheidende Prozentchen zu beschleunigen.

An die Stecker, fertig, los

All diese Verheißungen im Hinterkopf bin ich zu vollkommener Genesung bereit. Ob das Gerät auch etwas gegen meine Erkältung tun kann? Also umziehen, rein in das Sportdress und los geht´s. Jedenfalls fast. Zuerst müssen in einer etwas langwierigen Prozedur die Bänder mit den Elektroden passgenau angelegt und vorher die darunter liegende Kleidung mit einem Bestäuber befeuchtet werden. Instinktiv denke ich, dass Wasser und Strom keine gute Kombination ist, aber Kai Ellmauer, der mich als "Personal Trainer" begleitet, sieht aus, als wisse er was er tut. Dass er gesundes Training nicht nur propagiert, sondern auch selbst betreibt, lässt sich unschwer seinem Körperbau ablesen.

Nachdem alles perfekt sitzt, und ich mir ein wenig wie ein Stormtrooper aus Star Wars vorkomme, werden die ersten Stromstöße durch meinen Körper gejagt. Ich stehe in der Grundhaltung mit hüftbreiten, leicht gebeugten Beinen und abgewinkelten Armen hinter der Steuerkonsole, mit der ich nun mit etlichen bunten Kabeln verbunden bin. Eine Region nach der anderen wird über farblose Drehregler an der Konsole aktiviert, bis ich vollkommen unter Strom stehe. Fünfsekündige Ruhephasen wechseln sich mit kurzen Reizintervallen ab, in denen ich auf Anleitung bestimmte Übungen absolviere. Ich bin überrascht: Außer, dass es mir schwerer fällt als gedacht, den Anweisungen zu folgen, werde ich von dem Strom automatisch in eine sehr aufrechte Position gepresst. Außerdem spüre ich deutlich, dass meine Problembereiche am Rücken und meiner ehemals gezerrten Schulter stärker gefordert werden als andere Regionen.

Dieses subjektive Empfinden wird von Studien der Universität Bayreuth und der Sporthochschule Köln bestätigt. Muskuläre Intelligenz nennt sich das Prinzip, bei dem unterentwickelte Regionen, aufgrund ihres höheren elektrischen Widerstandes, besonders trainiert werden und so eine ausgewogene Haltung fördern. Auch die Wirksamkeit gegen Rückenleiden und Inkontinenz sind nachgewiesen. Bis zu 90 Prozent der Probanden stellten im Versuch der Kölner Studie eine Besserung der Rückenbeschwerden fest. Ein gewisser Effekt bei Muskelaufbau und Kraftausdauer gilt ebenso als empirisch bewiesen. Schlecht schneidet das Gerät allerdings beim Fettabbau ab. Laut Sportwissenschaftler Professor Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln benötigt die Muskulatur hierfür Sauerstoff, sogenanntes aerobes Training. Diesen bekommt er beim Training mit dem Body Transformer allerdings nicht, so dass der Effekt gegen null streben dürfte.

Nach etwa 15-minütigem Training bin ich tatsächlich etwas außer Puste. Auf alle Fälle spüre ich deutlich, dass beinahe meine gesamte Muskulatur stark beansprucht wurde. Ich fühle mich irgendwie aufrechter - erschöpft und entspannt zugleich. Nach etwa zehn Minuten Cooldown werde ich von den Bändern und Kabeln erlöst - und mein T-Shirt ist nicht mehr nur vom aufgesprühten Wasser feucht.

Nützlich oder nutzlos?

Stellt dieses System tatsächlich das Fitnesstraining der Zukunft dar? Es ist schließlich nicht jedermanns Sache, sich zu Trainingsbeginn an eine Maschine anzustöpseln. Auch wirken die Übungen eher belustigend - insbesondere in der Cooldown-Phase, in der man unweigerlich, aufgrund der unkontrollierten Muskelzuckungen, zur Belustigung der anderen Studiobesucher beiträgt. Dazu wirkt auch der Preis von etwa 20 Euro pro Termin für den Einen oder Anderen eher abschreckend. Bei zwei empfohlenen Trainingseinheiten pro Woche, sind schnell bis zu 200 Euro im Monat ausgegeben.

Gutverdienende, gestresste Manager, die in der Mittagspause möglichst effizient an ihrem Körper arbeiten möchten, fallen daher am ehesten in die Zielgruppe. Mit einer gesunden Auffassung von Sport, den man bewusst ausübt und nicht nur als weiteren störenden Termin im Kalender wahrnimmt, hat das sicher nicht viel gemein. Doch immer noch besser, als gar keinen Sport zu betreiben. Schnell ist man schließlich frustriert, wenn sich bei "normalen" Trainingsmethoden aufgrund von Zeitmangel kein Erfolg einstellet.

Seine Existenzberechtigung hat das System allerdings bei den angesprochenen Krankheitsbildern, Knieverletzungen und Haltungsschäden. Ich kann guten Gewissens empfehlen, es einfach mal am eigenen Körper zu testen. Schließlich nutzen auch mehr und mehr Profis, wie etwa die Klitschko-Brüder, das Gerät. Doch in einen Klitschko wird man ohne Einsatz von Zeit und Schweiß auch durch den Body Transformer nicht "verwandelt".

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