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Uweseela*

Fingerfund

  • Tanja Kokoska
    VonTanja Kokoska
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Finger gen Himmel: Gegen das offensive Geglaube auf dem Platz scheint sich die Fifa mit ihrem - in diesem Fall ausgeprägten - Regulierungseifer nicht durchsetzen zu können. Von Tanja Kokoska

Vor Turnierbeginn hatte es der Weltverband Fifa den Fußballern untersagt, religiöse (oder auch politische) Botschaften auf dem WM-Rasen zu verbreiten - zum Beispiel auf T-Shirts, die sie beim Jubeln unter ihren Trikots entblößen. Auch wolle man Szenen wie beim Confederations Cup im vergangenen Jahr in Südafrika nicht mehr sehen.

Damals waren die Sieger - die teils strenggläubigen Brasilianer - durch inbrünstiges Beten aufgefallen. Verteidiger Lucio hatte zur Erklärung vorgebracht: "Gott ist der einzige, der mir Kraft gibt. Er kennt die Momente, wenn man traurig ist und alleine auf seinem Zimmer weint", sagte der 32-Jährige.

Gegen das offensive Geglaube auf dem Platz scheint sich die Fifa mit ihrem - in diesem Fall ausgeprägten - Regulierungseifer aber nicht durchsetzen zu können. Erst am Montagabend war zum Beispiel Robinho zu sehen, wie er nach seinem Treffer zum 3:0 gegen Chile beide Arme mit ausgefahrenen Zeigefingern gen Himmel reckte - dorthin, wo er offenbar seinen Kraftspender vermutet.

Ein Mann wie Jim Stjerne wird bei solchen Szenen die Augen in dieselbe Richtung gerollt haben. Der Präsident des dänischen Fußballverbands hatte 2009 eine Protestnote bei der Fifa eingereicht: "Es gibt keinen Platz für Religion im Fußball", schrieb Stjerne. "So, wie wir es nicht erlauben können, dass sich die Politik in den Fußball einmischt, sollte auch die Religion draußenbleiben."

Das Problem ist: Wem die Arme-in-den-Himmel-Reckerei auf den unheiligen Geist geht, gerät rasch in Diskriminierungsverdacht - selbst wenn er mit der Vermutung richtig liegt, dass manch ausgestreckter Fußballerfinger längst zur reinen Pose geworden ist. Dabei stellen sich interessante Fragen: Ist Glauben Privatsache?

Ist es für Lucio in Ordnung, beim Triumph in aller Öffentlichkeit zu beten, aber wenn er nach einer Niederlage im Quartier-Bett mit seinem Schöpfer hadert und die Hände faltet, soll bitte keiner zuschauen? Sind also nur bestimmte Gesten des Glaubens genauso wenig für die Öffentlichkeit bestimmt wie, sagen wir, sich in der Nase zu bohren? Diese Szene - der popelnde Bundestrainer Joachim Löw - ging Anfang der Woche buchstäblich um die Welt. Wer bei Google die Suchbegriffe "Löw" und "Popel" eingab, erntete 1.020.000.000 Treffer, in Videoportalen waren der "ekelhafte Jogi" (Youtube) ein Renner und die Empörung über so viel Privatheit in aller Öffentlichkeit groß: Wie kann der nur, vor all den Leuten?

Löw sollte sich mal wieder eine Kippe anstecken und gelassen erwidern: Keine Freiheit ohne Gleichheit! Der eine streckt seinen Zeigefinger in den Himmel, der andere in die Nase. Wenn Freiheit für das Gebet gilt, dann gilt eben auch: Freiheit für den Popel!

* Uwe Seeler findet Uweseela "lustig".

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