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Fettarmes Essen macht dick, sagen Fachleute.
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Fettarmes Essen macht dick, sagen Fachleute.

Ernährung

Fettarmes Essen macht fett

  • VonKarl-Heinz Karisch
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Immer mehr Fachleute bezweifeln, dass eine fettarme Ernährung gesund ist. In den USA fordern nun Wissenschaftler das Gesundheitsministerium auf, seine Essens-Empfehlungen zu stoppen.

"Wie macht Ihr Amerikaner es nur, immer so schlank zu sein", fragt die pummelige Engländerin Pamela Piggott (Juliet Mills) ihren Filmpartner, gespielt von Jack Lemmon, in der Billy-Wilder-Komödie "Avanti, Avanti!"

Es wird heute viele überraschen, aber 1972, als der Film herauskam, galt das mit dem Schlanksein der US-Amerikaner noch. Doch seitdem ist nichts mehr, wie es war. Denn Ende der 70er Jahre gaben US-Mediziner die neue Parole aus, mehr Kohlehydrate wie Brot und dafür möglichst fettarm zu essen. Und seitdem werden nicht nur US-Amerikaner immer fetter und fetter. Denn auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und andere schlossen sich den offenbar verhängnisvollen Empfehlungen an.

Einen massiven Angriff auf die angeblich gesunde fettarme Ernährung haben jetzt der Epidemiologe Paul Marantz und Kollegen vom Albert Einstein College of Medicine in New York gestartet (American Journal of Preventive Medicine). Sie forderten das US-Gesundheitsministerium auf, seine Ernährungsempfehlungen einzustellen, weil sie mehr schadeten als nutzten. "Diese Empfehlungen haben sich negativ auf die Gesundheit der Bevölkerung ausgewirkt, vor allem auf die bereits epidemische Fettleibigkeit", warnt Professor Marantz.

Die von ihm jetzt vorgelegten Daten zeigen einen Zusammenhang zwischen fettarmer Ernährung und zunehmender Fettleibigkeit. Die falschen Diät-Empfehlungen führten natürlich nicht zwangsläufig zur Erkrankung, erläutert der Mediziner, aber die Daten legten den Schluss nahe, dass es eine realistische Wahrscheinlichkeit dafür gebe.

Dass eine fettarme Ernährung gesund sein könnte, wird seit Jahren von immer mehr Experten bezweifelt. Positive Gegenbeispiele sind die so genannte Mittelmeerdiät - sie enthält bis zu 60 Prozent Fett - oder auch die Essgewohnheiten der schlanken Franzosen, die durchaus fett speisen, aber deshalb auch kleinere Portionen zu sich nehmen.

Die Empfehlung darf also ruhig lauten, wieder mehr selbst zu kochen und zu essen, was einem schmeckt. Wenn man es nicht schon verlernt hat nach all den Light-Produkten und Ernährungstipps.

Die Auswirkungen der US-Empfehlungen

In den USA hatte das Komitee, das die Empfehlungen für das US-Gesundheitsministerium ausarbeitet, seine rigorosen Empfehlungen bereits im Jahr 2000 abgeschwächt. Der Schwerpunkt auf der Wenig-Fett-Empfehlung habe die Verbraucher offenbar dazu verführt, anzunehmen, eine fettarme Ernährung sei generell gesund. "Dieser Glaube hat zu einem übermäßigen Verzehr von Kohlehydraten (Mehlprodukte, Kartoffeln, Zucker) mit den negativen Folgen für das Körpergewicht geführt", räumte das Komitee ein.

Wenn demnächst neue Empfehlungen herausgegeben werden, müssten sie höchsten wissenschaftlichen Standards genügen, fordert Marantz. "Als Mediziner muss es unsere erste Pflicht sein, den Menschen nicht zu schaden", sagt er. "Wir erwarten das von Pharmafirmen, bevor sie Medikamente auf den Markt bringen." Das aber werde in den bisherigen Empfehlungen zur Ernährung nicht eingehalten, sie beruhten weniger auf wissenschaftlichen Erkenntnissen als auf Vermutungen.

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