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Skeptisch: Ferraris Teamchef Maurizio Arrivabene.

Formel 1 USA

Ferrari hat sich selbst geschlagen

Sebastian Vettel hat im WM-Kampf gegen Lewis Hamilton kaum noch eine Chance - das haben sich der Heppenheimer und Ferrari durch eigene Fehler eingebrockt.

Aufgeben ist für Sebastian Vettel keine Option. Nach einigen Patzern und Rückschlägen werde es jetzt zwar „schwierig“ mit dem Kampf um die WM gegen Lewis Hamilton, aber zum fünften Titel in der Formel 1 will der Ferrari-Star seinem Rivalen aus England auch noch nicht gratulieren.
„Wir werden weiter kämpfen und uns wehren“, sagte Vettel vor dem Großen Preis der USA (Sonntag, 20.10 Uhr/RTL). Und: „Wir haben nichts mehr zu verlieren.“ Stimmt. Weil das Streben nach der erlösenden Krönung ja eigentlich schon so gut wie verloren ist.

Vettel reist mit 67 Punkten Rückstand nach Austin, Hamilton kann damit bei nur noch vier ausstehenden Rennen bereits in Texas die Titelverteidigung für Mercedes perfekt machen und nach Titeln mit dem legendären Juan Manuel Fangio gleichziehen. Selbst Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene geht von einer „Mission Impossible“ aus. Doch wie konnte es dazu kommen?

Texas liegt Hamilton

Vettel galt im Sommer als Favorit auf den Titel, sein Ferrari war erstmals seit Jahren das schnellste Auto im Feld. Doch irgendwann ging offenbar etwas kaputt, Vettel und Ferrari leisteten sich schier unerklärliche Fehler und Patzer. Und ein Hamilton lässt sich eben nicht zweimal bitten, in den letzten sieben Rennen hat der 33-Jährige 168 von 175 möglichen Punkten eingefahren – nur in Belgien gewann er nicht. Außerdem ist er ein echter Austin-Experte: In Texas hat Hamilton zuletzt vier Mal in Serie triumphiert.

„Lewis hat mit sechs Siegen aus den letzten sieben Rennen bewiesen, welche Extraklasse er besitzt“, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff über seinen Erfolgsgaranten: „Er ist sowohl auf der Strecke als auch abseits davon ein kompletterer Fahrer denn je zuvor.“

Vettel hingegen leistete sich zu viele Fehler, die ihm wichtige Punkte gekostet haben. Besonders bitter war sein Ausfall beim Heimspiel in Hockenheim, als der 31-Jährige als Führender auf nasser Piste abflog. Oft wirkte Vettel übermotiviert, auch in Aserbaidschan, Frankreich, Italien und zuletzt in Japan wollte er zu viel auf einmal. Hinzu kamen einige Strategie-Patzer von Ferrari, der interne Machtkampf zwischen Arrivabene und Technikchef Mattia Binotto scheint nicht spurlos an der Scuderia vorbeizugehen.

Und so wird es wohl auch im vierten Anlauf nichts mit dem erhofften ersten Titel in Rot für Vettel. Allerdings schaffte auch ein gewisser Michael Schumacher erst in seinem fünften Ferrari-Jahr den Sprung auf den Thron mit den Italienern, der Rest ist Geschichte.

„Es braucht Talent und Entschlossenheit, ansonsten erreichst du gar nichts. Michael Schumacher war so, und Sebastian Vettel sieht ihm sehr ähnlich“, sagte Arrivabene, der weiter an deutsch-italienische Erfolge glaubt: „Vettel wird früher oder später mit Ferrari Weltmeister werden.“
2018 fällt die große Party aber ziemlich sicher noch aus. (sid)

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