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Die Gedanken umkreisen den Berg: Felix Neureuther.

Ski alpin

Felix Neureuther vertraut auf sein Skigefühl

Felix Neureuther bereitet sich in Are auf das wohl letzte große Rennen seiner Karriere vor.

Felix Neureuther ist endlich in Are angekommen, und im Grunde genommen könnte er bester Laune sein. Der kaputte Daumen? Alles gut, „keine Schiene, kein Tape mehr“. Das Knie? „Zwickt nicht mehr.“ Der Rücken? „Ich komme in der Früh wieder normal aus dem Bett.“ Und den Kopf, zwischenzeitlich durch ein Schleudertrauma beeinträchtigt, „kann ich auch wieder nach links und rechts bewegen“. Kurzum: „Ich fühle mich wieder als Athlet und nicht mehr als fahrendes Wrack“, behauptet Neureuther.

Es gibt allerdings auch ein großes Aber vor dem wohl letzten großen Rennen in der Karriere von Felix Neureuther: Er ist wenige Tage vor dem Slalom am Sonntag wohl weit davon entfernt, wie vor zwei Jahren in St. Moritz am letzten Tag der WM eine (Bronze-)Medaille aus dem Hut zu zaubern. Neureuther ignoriert das aber lieber und sagt: „Bei Aksel und bei Kjetil waren die Vorzeichen auch alles andere als gut.“ Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud gewannen trotz körperlicher Handicaps Silber und Gold in der Abfahrt.

Die Theorie klingt prima

Es ist kein Geheimnis, dass Neureuther nicht ausreichend trainiert hat in den vergangenen Monaten, Wochen und Tagen. Vor der Anreise nach Schweden übte er in Leutasch in Tirol, doch durch eine Erkältung waren auch diese Einheiten beeinträchtigt. Vor allem aber ist Neureuther bei der Abstimmung des Materials, bei der Suche nach dem richtigen Setup tatsächlich nicht so weit gekommen, wie er hätte kommen müssen. Doch all das, behauptet er, ist ihm jetzt wurscht.

„Es waren viele Störfaktoren dabei die letzten Wochen“, sagt Neureuther, betont aber zugleich: „Alles abgehakt, es ist WM, die Uhren stehen auf null.“ Seine Defizite will er ausgleichen mit der richtigen Einstellung: „Du musst am Start die richtige Körpersprache haben“, so wie Svindal und Jansrud. Vor allem aber will sich der 34-Jährige auf Bewährtes verlassen: „Für mich persönlich ist das Hauptziel, diesen jungen, alten Neureuther auszupacken.“

Anders formuliert: Neureuther will sich auf Neureuther verlassen, Neureuther vertraut auf sein Skigefühl. Er und sein Servicemann haben zudem beschlossen, dass sie beim Material „auf das Altbewährte“ zurückgreifen, „das in den letzten Jahren funktioniert hat, damit ich mich auf das Wesentliche konzentrieren kann“. Das heißt: Neureuther hat den Panikknopf gedrückt. Er lässt sich mit Auslaufmodellen auf ein Rennen ein, in dem die Konkurrenz jünger und gesünder und besser ausgestattet ist.

In der Theorie klingt das alles prima. „Nicht am Start Gedanken machen, sondern mit Freude am Skifahren, mit einem Lächeln am Start stehen und dann zweimal gnadenlos einen runtertreten, und dann schaut‘s ganz gut aus“ – so fuhr der gereifte, auch der alternde, vor allem aber der erfolgreiche Neureuther. Doch der mittlerweile gealterte Neureuther wirkt nun in Are beileibe nicht so, als ob er mit der Rückbesinnung den heiligen Gral entdeckt hätte.

Das Training am Montag, berichtet er, sei „sehr positiv gewesen, da waren Schwünge dabei, wie sie ausschauen sollen, das muss ich stabilisieren“. Viel Zeit bleibt dafür nicht mehr, auch wenn Neureuther treuherzig und tapfer versichert: „Das Gefühl kommt schon auch zurück.“ Die nächsten Tage, ergänzt er, „werden schon noch entscheidend sein“ bei der Suche nach dem jungen, alten Neureuther und dessen Gespür für Ski und Schnee.

Wenn er die alte Erfolgsformel wieder finde, sagt Neureuther, „kann man schon auch ein Stück weit mit mir rechnen“. Wenn. Es bleibt ein großes Aber. (sid)

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