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Felix Neureuther: Zukunft wird sich zeigen.

Ski alpin

Felix Neureuther deutet Abschied an

Es verdichten sich die Anzeichen auf ein baldiges Karriereende von Felix Neureuther.

Das Thermometer zeigte eisige minus neun Grad an, doch Felix Neureuther war ganz warm ums Herz. Über 45.000 bierselige Österreicher lagen ihm, dem Piefke aus Partenkirchen, beim Partyrennen in Schladming zu Füßen und feierten ihn wie einen ihrer Helden. „Die Leute sind irre“, sagte Neureuther nach seinem achten Platz mit glasigen Augen, „ich weiß nicht, warum der eine oder andere mich hier mag. Aber ich liebe sie auch!“

„Einzigartig“ sei es gewesen, unter dem orkanartigen Jubel der Fans die völlig vereiste Planai hinunterzujagen, meinte Neureuther, die Zuneigung der Zuschauer „geht einem schon sehr nahe, sehr tief ins Herz.“ Er sei „extrem dankbar, dass ich so etwas erleben darf.“ Und wer ihm zusah, wie er Kusshände in Richtung Tribüne warf, sich vor dem Publikum verneigte und mehrfach mit der Faust aufs Herz klopfte, der wurde den Eindruck nicht los: Es dürfte das letzte Mal gewesen sein.

Neureuther wollte diese Interpretation weder bestätigen noch dementieren. „Ich bin seit einiger Zeit sehr am Kämpfen“, sagte er, „mein Körper spricht mit mir schon seit Längerem.“ Und seine in 16 Jahren Weltcup geschundenen Knochen, der ewig zwickende Rücken, das zuletzt schwer verletzte Knie, der unlängst gebrochene Daumen – sie alle schreien geradezu nach dem Ende. Kommt es schon jetzt, nach der WM im schwedischen Are (5. bis 17. Februar)?

Diskussion zur Unzeit

Bevor er sich abschließend zu seiner Zukunft äußere, „werde ich noch die Weltmeisterschaft fahren und dann wird es sich zeigen“, sagte Neureuther, „ich werde sicher bald eine Entscheidung treffen, wie es mit mir weitergeht, und das dann bekannt geben.“ Bis zum Saisonhöhepunkt wolle er sich jetzt aber „nur aufs Skifahren konzentrieren“.

Das Gerücht, dass sich der 34-Jährige verabschieden könnte, hatte am Dienstag zunächst die österreichische Kronenzeitung in Umlauf gebracht – ohne Quellenangabe und sehr zum Ärger von Alpinchef Wolfgang Maier. „Das ist ein Käse“, sagte er, „was die Kronenzeitung interpretiert, dafür können wir nichts“. Über die emotionalen Szenen im Ziel, wo Neureuther zahlreiche Konkurrenten so innig umarmte, als würde er für immer gehen, sagte Maier: „Ich wüsste nicht, dass er sich verabschiedet hat.“

Für Maier und den Deutschen Skiverband (DSV) kommt die Diskussion so kurz vor der WM zur Unzeit. Obwohl das deutsche Team nach mehreren Verletzungen arg dezimiert ist, hat es in Are große Ziele – auch mit Neureuther. Topfavorit mag im Slalom wie immer Marcel Hirscher sein, der in Schladming in überlegener Manier seinen 68. Weltcup-Sieg holte. Doch er blicke „sehr zuversichtlich zur Weltmeisterschaft“, sagte Neureuther: „Die Brutalität“, wie sie Hirscher aktuell auszeichne, „die hole ich mir noch.“

Davon ist auch Cheftrainer Mathias Berthold überzeugt. Klar, die 3,23 Sekunden Rückstand auf Hirscher in Schladming seien „natürlich eine Katastrophe“, meinte er, aber: „Es fehlt nicht viel, dann sieht das gleich wieder ganz anders aus.“ Neureuther werde „sicher parat sein, auch vom Kopf her.“

Er sei davon überzeugt, ergänzte Berthold mit Blick auf den WM-Slalom am 17. Februar, „dass der Felix beim nächsten Rennen ziemlich geil auftreten wird.“ Ob es auch Neureuthers letztes Rennen sein wird, blieb an diesem emotionalen Abend offen. (sid)

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