American Football

„Da fehlt ein schlüssiges Konzept“

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Die Frankfurt Universe halten die Pläne eine verkürzte Footballsaison ab September zu spielen für unausgegoren. An Teamtraining ist noch lange nicht zu denken.

Der American Football Verband Deutschland (AFVD) will auch in diesem Jahr eine Saison in der German Football League (GFL) und seinen anderen Lizenzklassen durchziehen. Das gab er am Freitagabend auf seiner Homepage bekannt. Beginnen würde die auf der Beletage dann von 22 auf elf Wochen verkürzte Spielzeit vermutlich am ersten Septemberwochenende; der ursprünglich für den 10. Oktober in der Frankfurter Fußballarena im Stadtwald vorgesehene German Bowl könnte am 14. November stattfinden.

Absteiger soll es keine geben. Allerdings könnten sich Zweitligisten als Meister ein Aufstiegsrecht erspielen. Den Klubs, die aufgrund der erschwerten Situation wegen der Coronavirus-Krise lieber auf die Teilnahme am Spielbetrieb verzichten, sollen daraus keine Nachteile entstehen. Modus und Gruppeneinteilungen sind noch festzulegen. „Verband, Liga und Vereine arbeiten an einer Umsetzung“, heißt es in der Mitteilung.

Beim Vorjahreshalbfinalisten Frankfurt Universe sieht man das Vorhaben kritisch. „Ich halte das für eine halbgare Idee“, sagt Geschäftsführer Daniel Zeidler. Zwischen den Vereinen herrsche ein starkes Ungleichgewicht. Die einen würden bereits mit ihren Importspielern trainieren, andere, wie die Hessen, ließen ihre 14 Ausländer angesichts drohender Einschränkungen nicht einfliegen und wissen nicht, wann und unter welchen Bedingungen ihre Einreise möglich sein würde. Sollte man sich darauf einigen, nur mit Einheimischen zu spielen, hätten diejenigen das Nachsehen, die ihre Ausländer bereits vor Ort haben und bezahlen.

Mindestens vier, eher sechs Wochen gemeinsames Training sind laut Universe-Headcoach Thomas Kösling nötig, um ein schlagkräftiges Team zu formen. Doch jedes Bundesland hat seine eigenen Regeln, was die Freigabe der Sportstätten angeht. „Wir waren im April eher mit Bewegungstherapie beschäftigt und damit, den Teamgeist zu beschwören.“ Die Spieler habe man nicht zusätzlich zu ihren virusbedingten Sorgen im Privaten oder im Berufsleben belasten wollen. „Jetzt werden wir die Sache langsam öffnen und den Leuten etwas anbieten“, sagt Kösling.

Einen 50er-Kader in Fünfer-Kleingruppen üben zu lassen, sei aber kaum sinnvoll und „sehr weit weg von Football“. Zudem lassen sich Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen bei dem Vollkontaktsport mit „viel Schweiß, Blut und Tränen“ schwer umsetzen. Lösungen, wie sie die Deutsche Fußball Liga oder die Basketball-Bundesliga für sich erarbeitet haben, seien in der GFL nicht machbar. „Wir haben es nicht mit Profis zu tun“, die man wochenlang von der Öffentlichkeit isolieren könnte, betont Kösling. Die Spieler gehen mehrheitlich einem anderen Beruf nach und könnten sich keine längere Auszeit leisten. Manchen ist es von ihren Arbeitgebern verboten, am Teamsport teilzunehmen.

Voraussetzung für einen ordentlichen Trainings- und Spielbetrieb sei deshalb, dass das Kontaktverbot gekippt wird. Angesichts der gerade wieder gestiegenen Ansteckungsrate hält Zeidler aber genau das in der näheren Zukunft für wenig realistisch. Das sieht sein Geschäftsführerkollege Alexander Korosek ähnlich: „Heute schon zu sagen, was im September ist, wäre Glaskugellesen.“

Das betrifft auch die Stadionfrage. Wie viele Zuschauer dürften einem Spiel beiwohnen, da allein Teams und Trainer etwa 150 Personen ausmachen? Wie viele würden überhaupt kommen, statt lieber den für sie kostenlosen Livestream anzusehen? „Einige Stadien kosten viel Geld“, betont Zeidler und hat dabei die eigene Spielstätte am Bornheimer Hang im Blick. Andere Klubs, darunter Hessen-Konkurrent Marburg Mercenaries oder Rekordmeister Schwäbisch Hall Unicorns, hätten in dieser Hinsicht bessere Bedingungen und seien nicht so stark auf die Fans angewiesen.

Auch Zeidler würde in diesem Jahr gerne das Ei fliegen sehen. Aber eine Saison, die den Namen und ein Finale wie den German Bowl verdient, sieht er nicht. „Das, was da jetzt öffentlich ist, erscheint mir als Schnellschuss. Da fehlt ein schlüssiges Konzept.“

Glaubt man Stimmen aus der Szene, könnte das daran liegen, dass zehn GFL-Vereine den Verband mit einem Positionspapier unter Druck und den vergangenen Freitag als Deadline dafür setzten, eine Entscheidung über den Spielbetrieb zu fällen. Die Klubs sollen allesamt betont haben, auch ein Jahr Pause in finanzieller Hinsicht zu überstehen.

Ob die Universe bei welchem Modus auch immer mitspielen würde, darüber trifft Korosek noch keine Aussage. „Es gibt einfach zu viele offene Fragen.“ Man kläre jetzt erst mal intern in der Liga, was gehen könnte, und werde dann sehen, inwiefern die eigenen Sponsoren das mittragen. „Das ist alles sehr komplex. Und bleibt spannend.“

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