Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Skeptischer Blick auf den Geißbock: Volker Finke.
+
Skeptischer Blick auf den Geißbock: Volker Finke.

Managerwechsel in Köln

Fehlstart mit Querstreifen

Volker Finke beginnt seinen Dienst als Manager beim 1. FC Köln, und er nimmt sich die drei Affen zum Vorbild.

Von Karlheinz Wagner

Als noch eine Viertelstunde Zeit war, bevor Volker Finke seine Antrittserklärungen abgeben würde, kam ein Crew-Mitglied des Geißbockheims in den von einem Dutzend TV-Kameras, noch mehr Fotografen und noch mehr Reportern beinahe überbevölkerten Raum, der üblicherweise für Feierlichkeiten zur Verfügung steht. „Wat ist denn hier los?“, fragt der Mann im breiten Kölsch mit Blick auf das ganze Medienvolk, „ist dat Champions League?“ Und auch wenn bei dieser ungläubigen Feststellung ein leichter Stolz herauszuhören war – nein, das kann man nun wirklich nicht sagen. Der 1.FC Köln steht auf Platz 16 der Tabelle und der nächste Bezugspunkt zu Champions League-Sphären ist der Umstand, dass am Samstag der große FC Bayern zum Gastspiel in Köln vorbeischaut.

Und damit ist das Hauptproblem schon skizziert, das auf Volker Finke wartet. Er, der Erfinder des SC Freiburg und als System-Trainer der Urvater all der Rangnicks, Klopps und Tuchels, tritt seinen Dienst in Köln als Sportdirektor-„Azubi“ in einer schwierigen Phase an: Die Mannschaft lahmt, was beim 0:3 in St. Pauli schockierend deutlich zu sehen war; es gibt interne Querelen im Team; Trainer Frank Schaefer, auf Profiebene noch unerfahren, hat so seine Probleme, den Umgang mit den Unruhestiftern richtig zu justieren und das Ausmaß der Erwartungen, die mit Finkes Amtsantritt verbunden sind, erreicht jene irrationalen Höhen, die bis vor einiger Zeit noch einzig der Name Christoph Daum auszulösen vermocht hatte.

Das ist die Situation. Und doch ist es so, dass – noch bevor Finke seinen Schreibtisch fertig eingeräumt hat – der FC nach den nächsten beiden Spielen gegen München und Mainz gut und gerne auf Platz 18 abgerutscht sein könnte. Finke weiß das, und das macht seine Regierungserklärung in Köln nicht einfacher. Er sieht genau so aus, wie man ihn aus seinen Freiburger Tagen in Erinnerung hat, plus ein paar Jahre vielleicht und ohne Brilli im Ohr, und selbst der Reißverschluss-Pulli könnte aus jenen Tagen stammen, in der das Freiburger Fußball-Modell Fahrt aufnahm. Er spricht viel, auch das kennt man, nimmt sich Zeit für seine Antworten, lächelt viel und variiert letztlich vor allem sein Eröffnungs-Statement: „Ich bin überrascht über das große Interesse; ich bin doch verantwortlich für die Dinge hinter der Mannschaft: Personalkonzept, Spielidee, spielerische Ausrichtung und welche Spieler man dafür braucht – eigentlich habe ich so viel Aufmerksamkeit nicht verdient.“

Interne Querelen

Das ist die inhaltliche Blaupause für alles Weitere: Dem Trainer werde er 100 Prozent den Rücken stärken, stets Ansprechpartner sein und eben jene Unterstützung anbieten, die er in Freiburg all die Jahre gehabt habe; er, Volker Finke, werde nicht alleine dem 1.FC Köln eine Spielidee verpassen, aber ein Fußball der attraktiver und erfolgreicher ist, als zur Zeit – das darf es doch schon sein. Und schließlich: im Hintergrund arbeiten – das sei ja das Interessante an der Aufgabe und der Unterschied zur Arbeit eines Trainers: „Ich muss nicht jede Woche hier oben sitzen und erklären, warum wir verloren oder nicht höher gewonnen haben.“ Als ihn jemand fragt nach seinen Erfahrungen in Japan, wo er die letzten zwei Jahre gearbeitet hat, fällt Finke was ein: Er demonstriert mit seinen Händen die japanische Weisheit von den Affen, die nichts sehen, nichts hören und nichts sagen. Dass die Perspektive, für die Finke steht, ganz prekär davon abhängt, dass der 1.FC Köln punktet und in der Liga bleibt, bremst spürbar seinen Elan beim Blick in die Zukunft bei diesem Klub, bei dem die längst widerlegte und auch von Finke gesagte Formel – „Der FC muss einfach in der Bundesliga spielen!“ – lange Zeit die Entwicklung einer Fußball-Kultur ersetzt hat.

Sein Arbeitstag begann übrigens mit einem klassischen Fehlstart: Weil wegen eines defekten Faxgerätes die für einen Wechsel erforderlichen Unterlagen nicht rechtzeitig in der DFL-Zentrale angekommen waren, platzte der Transfer von Eric-Maxim Choupo-Moting vom Hamburger SV: Ab Seite drei waren auf den Papieren nur noch Querstreifen zu erkennen. Immerhin will die DFL den Fall überprüfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare