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Sein Wort hat im Tennis Gewicht: Roger Federer. 

Gleichstellung

Federer denkt laut – und stößt auf breite Zustimmung

Frauen und Männer sollen künftig unter einem Dach Tennis spielen.

Das Echo war laut, es war eindeutig – und es fiel auch genau so aus, wie Roger Federer das wohl erwartet hatte. Scheinbar beiläufig hatte der Grand-Slam-Rekordsieger aus der Schweiz am Mittwoch seinen Gedanken über die Zukunft einer geeinten Tenniswelt freien Lauf gelassen – Frauen und Männer unter einem Dach, also in einem Verband vereint, das solle, das müsse doch die Zukunft sein, philosophierte der Schweizer auf Twitter.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. „Eine Stimme, Frauen und Männer zusammen, das ist schon lange meine Vision“, twitterte etwa Tennis-Ikone Billie Jean King (76), einst Mitbegründerin der Frauen-Vereinigung WTA. Selbst Rafael Nadal, noch vor nicht allzu langer Zeit skeptisch, wenn es um einen gemeinsamen Verband ging, sprang Federer zur Seite: Es wäre „großartig, aus dieser weltweiten Krise mit der Einheit des Männer- und Frauentennis“ hervorzukommen.

Federer tat, als sei ihm in diesen Tagen ohne Turniere ein Geistesblitz gekommen. „Bin ich der einzige, der sich fragt, ob jetzt nicht die Zeit wäre, dass sich das Männer- und das Frauentennis zusammenschließen?“, schrieb er. Antwort: Ist er nicht. Ein Zusammenschluss der Verbände WTA und ATP (Männer) wurde hinter den Kulissen schon länger diskutiert, Federer aber dürfte nun Schwung in die Angelegenheit bringen. Keiner findet so viel Gehör, wenn es um Belange des Tennis geht.

Wegen der Corona-Krise pausieren WTA- und ATP-Tour offiziell vorerst bis zum 13. Juli, auch das Frauen-Turnier in Montreal (ab. 10 August) ist freilich schon abgesagt. Der Sport könne aus diesen schwierigen Zeiten „mit zwei geschwächten Verbänden oder einem starken Verband“ herausgehen, schreibt Federer nun. Dagegen sei es für den Fan viel zu kompliziert, wenn es in Zukunft weiter verschiedene Weltranglistensysteme, Logos, Webseiten und Turnierkategorien gebe.

„Es ist der richtige Anstoß zur richtigen Zeit“, betonte Dirk Hordorff, international bestens vernetzter Vizepräsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), im Gespräch mit dem SID. „Ich habe die Hoffnung, dass Egos beiseite gelegt werden, dann kann es klappen“, ergänzte er. Wie groß seine Hoffnung ist, darüber wollte er allerdings nicht spekulieren: „Es wird spannend zu sehen sein, wie es weitergeht.“ Spannend, weil sehr viele Interessen unter einen Hut gebracht werden müssen.

Ungerechte Geldverteilung

Um die Tenniswelt zu einen, ist es nicht allein mit einem Zusammenschluss WTA und ATP getan. Auch der Weltverband ITF veranstaltet seine eigenen Turniere, darüber hinaus auch den Fed Cup (Frauen) und den Daviscup (Männer). Enormen Einfluss auf die Szene und den Turnierkalender haben außerdem die vier Grand-Slam-Turniere. Und schließlich ist da noch Federer, der mit seiner Agentur Team8, die auch Alexander Zverev betreut, den Kontinentalvergleich names Laver Cup organisiert.

Tatsächlich ist die Gelegenheit günstig, Zuständigkeiten und vor allem die Verteilung der Einnahmen besser zu regeln. Der neue ATP-Chef Andrea Gaudenzi ist offen für Gespräche, sein Kollege Steve Simon von der WTA wohl ebenfalls. Gaudenzi „hat erkannt, dass die Zersplitterung des Tennis für die insgesamt viel zu geringen Einnahmen verantwortlich ist“, sagt Hordorff. Derzeit habe „der Kreislauf ein Loch, die Zersplitterung und die ungerechte Verteilung der Gelder sind die Kernprobleme. Es ist eine katastrophale Konstruktion.“ (sid)

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