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«Fed-Express» entgleist: Berdych schlägt Federer

Der «Fed-Express» ist entgleist: Titelverteidiger Roger Federer ist nach einem Holperstart nie richtig in Fahrt gekommen und wie in Paris auch bei den 124. All England Championships schon im Viertelfinale ausgeschieden.

London. Der «Fed-Express» ist entgleist: Titelverteidiger Roger Federer ist nach einem Holperstart nie richtig in Fahrt gekommen und wie in Paris auch bei den 124. All England Championships schon im Viertelfinale ausgeschieden.

Der Traum vom siebten Wimbledonsieg ist geplatzt, mit dem der Dominator den legendären Rasen-König Pete Sampras einholen wollte. Ausgerechnet Tomas Berdych machte dem 16-maligen Grand-Slam-Rekordchampions mit einem 6:4, 3:6, 6:1, 6:4-Erfolg in 2:35 Stunden einen Strich durch die Rechnung. Jener Tscheche, der ihm schon 2004 einen großen Traum verdorben hatte, als er ihn bei Olympia in Athen aus dem Wettbewerb warf.

French-Open-Sieger Rafael Nadal ließ sich von einem verpatzten Start nicht schocken. Der Champion von 2008 aus Spanien setzte sich in der Neuauflage des Finals von Roland Garros 3:6, 6:3, 7:6 (7:4), 6:1 gegen den Schweden Robin Söderling durch. «Robin hat viel Druck gemacht; es war sehr schwer auch zu Beginn des zweiten Satzes. Aber dann lief es», sagte Nadal, der in der Vorschlussrunde den Schotten Andy Murray erwartet, der Jo-Wilfried Tsonga aus Frankreich mit 6:7 (5:7), 7:6 (7:5), 6:2, 6:2 besiegte. «Erst am Ende habe ich wirklich gut gespielt», sagte der Lokalmatador, der 74 Jahre nach Fred Perry den prunkvollen Pokal zurück nach Britannien holen soll.

«Das war ein frustrierendes Match», sagte Federer. Als Berdych seinen zweiten Matchball mit einem zentimetergenauen Passierball vollendete, senkte er den Kopf, gratulierte kurz und verabschiedete sich mit einem kurzen Gruß an die 14 971 Zuschauer so früh wie zuletzt 2002 vom «heiligen Rasen». «Ich konnte nicht so spielen, wie ich wollte. Der Rücken hat geschmerzt und auch die Beine taten weh. Ich brauche dringend eine Pause», meinte Federer später und zog seine weiße Baseballmütze noch tiefer ins Gesicht.

Der Dominator hatte seine Magie schon zu Beginn des Turniers verloren, als er gegen den Kolumbianer Alejandro Falla erstmals einen 0:2-Satzrückstand aufholen musste. Der «Fed-Express» stampfte danach weiter, locker in Fahrt kam er aber nicht. «Das ist nicht der Federer, den wir kennen. Das Timing stimmt nicht und er macht zu viele leichte Fehler», sagte BBC-Kommentator Boris Becker.

Dabei war der ungewöhnlich unsicher und ungenau spielende Federer gewarnt. Schließlich hatte Berdych die Serie von acht verlorenen Partien am Stück erst vor drei Monaten in Miami durchbrochen. «Aber wenn man nicht frei spielen kann, klappt vieles eben nicht», meinte der Verlierer, der nun zwei Wochen Urlaub macht bevor es auf der US-Hartplatztour weitergeht. Dann soll die Bein-Verletzung, die ihm schon in Halle zu schaffen gemacht habe, auskuriert sein.

Berdych bestätigte seine Topform. Schon in Roland Garros hatte er erstmals den Einzug in ein Grand-Slam-Halbfinale geschafft - so wie jetzt in Wimbledon als erster Tscheche seit Ivan Lendl 1990. «So schwer war es noch nie, ein Match zu beenden», sagte Berdych, der überwältigt fortfuhr: «Es war unheimlich toll in diesem Stadion zu spielen, gegen diesen Spieler und auch noch zu gewinnen.»

Triumphierend ballte er die Faust nach dem größten Sieg seiner Karriere, dem nun ein Erfolg gegen Novak Djokovic folgen soll. Der Serbe, der 2008 in Australien seinen bislang einzigen Major-Titel geholt hat, setzte sich auf dem kleinen Center Court mit 6:3, 6:2, 6:2 gegen Yen-Hsun Lu aus Taiwan durch. Der Schützling von Schüttler-Trainer Dirk Hordorff hatte im Achtelfinale den amerikanischen Vorjahres-Finalisten Andy Roddick ausgeschaltet, konnte an seine gute Leistung aber nicht anknüpfen.

Roger Federer verschwand derweil in den Katakomben des Center Courts und schlich enttäuscht in die Umkleide - vorbei an den Siegerfotos der vergangenen Jahre, die wie eine zusätzliche Demütigung auf ihn gewirkt haben mögen. Hinzu kommt am Montag der nächste Rückschlag, wenn er in der Weltrangliste, die er 285 Wochen angeführt hat, nur noch auf Position drei geführt wird - so schlecht wie zuletzt im November 2003. (dpa)

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