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Ziehen im Pulk über das Gelände der ehemaligen Bundesgartenschau: Nordic Walking heißt das schnelle Gehen mit den langen Stöcken.
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Ziehen im Pulk über das Gelände der ehemaligen Bundesgartenschau: Nordic Walking heißt das schnelle Gehen mit den langen Stöcken.

Fast so schön wie Skilanglauf

  • Friederike Tinnappel
    VonFriederike Tinnappel
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Nordic Walking hat in unseren Breiten noch ein gewisses Imageproblem, ist aber ein ernsthaftes sportliches Training

Hunde ziehen den Schwanz ein, Jogger schlagen einen Haken, Radfahrer weichen auf die Wiese aus. Wenn Klaus vom Hövel (64) mit seiner Nordic Walking-Gruppe über das Gelände der ehemaligen Bundesgartenschau zieht, sorgt das immer noch für Aufsehen und Ausweichmanöver. Lautes Stöckeklappern auf den Wegen, dann plötzlich schert die Gruppe aus, marschiert über den Rasen, teilt sich, findet wieder zusammen. Damit niemand verloren geht, kreist vom Hövel "wie ein Schäferhund durch den Park".

15 Nordic Walker sind an diesem Abend unterwegs. Und weil sie nicht alle das gleiche Tempo drauf haben, hat sich die Gruppe schnell in mehrere Untergrüppchen geteilt, der hoch gewachsene Klaus, der seinen Trainer und Namensvetter um mindestens einen Kopf überragt, vorne weg. Fast 50 Jahre hat er im Öffentlichen Dienst geschafft, im nächsten Jahr geht er in Rente. Dann will er von der spanischen Grenze aus zum Wallfahrtsort Santiago de Compostela wandern. Mit Nordic Walking hält er sich bis dahin fit. Klaus gehört zu den wenigen Männern, die mit Stöcken übers Buga-Gelände pilgern. Der 50-jährige Gerd bleibt ihm dicht auf den Fersen: "Nordic Walking bringt den Kreislauf in Schwung", sagt er und drückt den rechten Stock in schulbuchmäßiger Schräglage in den Boden.

Wie beim Skilanglauf kommt es beim Nordic Walking ganz entscheidend auf den richtigen Stockeinsatz an. Nicht nach oben, sondern nach vorne soll sich der Walker mit den Stöcken drücken und wenn der Arm nach hinten schwingt, öffnen Geübte für einen kurzen Moment die Hand. "Das ist die Venenpumpe" erläutert Klaus vom Hövel, die den Kreislauf noch einmal zusätzlich beschleunigt. Der 64-Jährige gehört zur Spezies nimmermüder AusdauerSportler, läuft Marathon und ist viel mit dem Rad unterwegs.

Nordic Walking ist für ihn "ein Sprung der Evolution", etwa so, als ob man statt eines Zweirades, plötzlich mit einem Vierrad ausgestattet sei, ein richtiges Ganzkörper-Training, bei dem angeblich 600 Muskeln gleichzeitig beteiligt sind. Nicht nur die so oft untrainierten Arme kommen beim Nordic Walking zum Einsatz - auch die Bauchmuskulatur, obwohl man sie nicht spürt.

In Finnland hat sich Nordic Walking längst etabliert, iIn Deutschland hat die Sportart "ein Imageproblem". Das ist was für Leute mit orthopädischen Problemen, Übergewicht oder einer Herz-Kreislauf-Schwäche, lautet das gängige Vorurteil. Dabei ist Nordic Walking, wenn man es mit viel Power macht, auch etwas für Langläufer und Biathleten. Und dann gibt es bei dieser nordischen Sportart ein weiteres Problem: Die Stöcke wollen nicht so recht in die sommerliche Landschaft passen.

"Wo sind denn die Skier?", wurde eine Teilnehmerin an der Bushaltestelle angemacht. Sie hatte ihre eigenen Stöcke mitgebracht. Andere bekommen "die Wunderdinger", wie Klaus vom Hövel sie nennt, vom Verein gestellt. Federleicht und aus Carbon gefertigt, sollten sie die richtige Länge (Körpergröße mal 0,7) haben. Die Hände schieben sich durch eine spezielle Schlaufe, die dafür sorgt, dass man den Stock nach der Venenpumpe sofort wieder im Griff hat.

Vor allem Frauen, die vorher gewalkt sind, haben inzwischen die Variante mit dem Stock entdeckt. Ebenso wie das traditionelle Walken schont Nordic Walking die Gelenke, der Puls bleibt im grünen Bereich, ein roter Kopf wie nach einem Dauerlauf kommt so gut wie nicht vor.

Außer den Stöcken, für die man schon 80 Euro rechnen muss, sind keine besonderen Anschaffungen erforderlich. Man schlüpft in die üblichen Sportklamotten und auf geht's. Dass man sich dabei im Freien bewegt und miteinander schwätzen kann, sind zwei weitere Vorteile des schnellen Stockwanderns, das Klaus vom Hövel nach über einer Stunde mit einem zünftigen Stretching beendet.

Auf eigene Faust sollte man Nordic Walking allerdings nicht versuchen, warnt der Trainer. Auf alle Fälle erstmal einen Workshop besuchen, um die Technik zu lernen und dann am besten ein paar mal mit der Gruppe und einem Trainer losziehen, um den Bewegungsablauf korrigieren zu lassen. Dann kann man auch alleine losziehen - wenn man sich traut.

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