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Nicht mehr Bundestrainer der Triathleten: Faris Al-Sultan.

Triathlon

Faris Al-Sultan und Verband getrennte Wege

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Triathlon-Bundestrainer Faris Al-Sultan hört bei der DTU bereits am 30. September auf.

Diese Trennung kommt nicht überraschend. Die Deutsche Triathlon-Union (DTU) und Bundestrainer Faris Al-Sultan haben sich darauf verständigt, die Zusammenarbeit bereits am 30. September zu beenden. Der aus Frankfurt geführte Verband mit knapp 59 000 Mitgliedern und der Querdenker aus der Ironman-Szene mit Hauptwohnsitz in München gehen damit nach anderthalb Jahren wieder auseinander.

„In den Gesprächen nach der Verschiebung der Olympischen Spiele haben wir auf beiden Seiten festgestellt, dass unsere Vorstellungen über die weitere Zusammenarbeit sehr unter schiedlich sind“, sagte DTU-Sportdirektor Jörg Bügner. Die DTU hatte sich zuletzt auch von politischen Äußerungen des 42-Jährigen distanziert, der nicht nur mehrfach den Umgang der Bundesregierung mit der Pandemie scharf kritisierte („ich schäme mich für eine Bundeskanzlerin, die wider aller Fakten etwas vom Verlust der Liebsten faselt, statt auf die organisatorische und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft hinzuweisen, um sämtliche Probleme mit Vernunft anzugehen“), sondern in einem offenen Brief auch völlig unpassende Vergleiche mit der Nazi-Diktatur anstellte („mit ‚Jawohl mein Führer‘ haben wir schon unsere Erfahrungen gemacht“).

Al-Sultan äußerte sich am Montag nach der DTU-Veröffentlichung über Twitter erneut: „Ich möchte eines klarstellen: Ich wurde nicht gefeuert, weil ich meine persönliche Meinung kundgetan habe.“ Vielmehr habe er der DTU mitgeteilt, „dass ich meine Arbeit nach der Saison nicht mehr fortsetzen werde.“ Nach FR-Informationen ist die Kontroverse um die Nazi-Vergleiche tatsächlich nicht der alleinige Grund für die Trennung.

Der in München aufgewachsene Sohn eines Irakers, der 2005 den Ironman Hawaii gewann und danach den gebürtigen Hessen Patrick Lange als Trainer zu zwei Hawaii-Siegen führte (2017, 2018), ehe er sich für das DTU-Projekt entschied, hat sich am Ende weniger in den Verbandsstrukturen verwirklichen können, als sich beide Seiten das gewünscht hatten. Als die DTU im Beisein des Präsidenten Martin Engelhardt vor der Triathlon-Nacht in Langen am 30. November die Planspiele für die Olympischen Spiele vorstellte, fehlte Al-Sultan bei der Präsentation.

Zuletzt mehrten sich die Missverständnisse: Dem Vernehmen nach hat sich auch die Zusammenarbeit mit den Athleten nicht so entwickelt wie erhofft. Bezeichnenderweise wird die DTU die Position des Bundestrainers bis zu den Olympischen Spielen 2021 nicht besetzen und will sich erst im Anschluss auf der Basis der Ergebnisse und der Erfahrungen des letzten Olympia-Zykluses neu aufstellen. Al-Sultan hatte Medaillen in den Einzeldisziplinen Männer und Frauen in Tokio ohnehin für unrealistisch gehalten, auch der Verband hegt allein für den neuen Teamwettbewerb Hoffnungen auf einen Überraschungscoup wie ihn Jan Frodeno 2008 bei den Spielen in Peking schaffte.

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