1. Startseite
  2. Sport
  3. Sport A-Z

Die fantastischen Vier

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Hammerhart. Betty Heidler aus Frankfurt will in Berlin bei der Leichtathletik-WM ihren Titel verteidigen.
Hammerhart. Betty Heidler aus Frankfurt will in Berlin bei der Leichtathletik-WM ihren Titel verteidigen. © ddp

Die Hammerwerfer Betty Heidler, Katrin Klaas, Andrea Bunjes und Sergej Litwinow fühlen sich für WM gerüstet. Von Reinhard Sogl

Von Reinhard Sogl

Bis zum vergangenen Mittwoch waren auf dem beengten Sportgelände am Herzogenhorn zwei Wochen lang nur die Jugendfußballer des SC Freiburg "in der Schusslinie" (Bundestrainer Michael Deyhle) der besten deutschen Hammerwerferinnen. Vor dem abschließenden Trainingslager vor der WM vom 15. bis 23. August in Berlin der für die LG Eintracht Frankfurt startenden Gewichtewerferinnen in Kienbaum ist es dagegen der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV).

Zwischen den Kraft-Exerzitien im Schwarzwald und den Schnelligkeitseinheiten in der Abgeschiedenheit der brandenburgischen Kaderschmiede hätten sich Betty Heidler, Katrin Klaas, Andrea Bunjes und als Hahn im Korb Sergej Litwinow wie die meisten anderen deutschen WM-Starter gern beim finalen Formtest am kommenden Sonntag in Wattenscheid präsentiert, "aber bei der DLV-Gala will man uns nicht haben, Hammerwerfen der Frauen mit der Weltmeisterin ist beim letzten großen Wettkampf vor der WM nicht drin, warum auch immer", sagt die Goldmedaillengewinnerin von 2007. Der Sarkasmus über die wieder praktizierte Diskriminierung ist in Betty Heidlers Worten nicht zu überhören.

Ziel ist die Titelverteidigung

Dass der Hammer ein Anhängsel ist, wird den starken Frauen und Männern nicht nur täglich beim Anblick ihres Sportgeräts bewusst. Seit Jahren beklagen sie die Ignoranz durch Verband und Öffentlichkeit, zuletzt ärgerten sie sich über fehlende Fernsehbilder von ihrem Wettkampf bei der Deutschen Meisterschaft in Ulm, wo die fantastischen Vier aus Frankfurt Spitzenweiten erzielten. Richtig sauer aber ist die Gruppe von Michael Deyhle, wenn sie an die verpassten Chancen im Hinblick auf die WM im Olympiastadion denkt. "Einen Heimvorteil habe ich nur dann, wenn ich auf der Anlage auch einen Wettkampf machen kann. Das wurde uns schon im Vorjahr zugesichert, dann aber gestrichen", mosert Deyhle, der am nächsten Mittwoch auf einen Trainingstest in der WM-Arena hofft.

Doch auch ohne bevorzugte Behandlung sieht die Frankfurter Hammer-Gruppe sehr zuversichtlich dem Saisonhöhepunkt entgegen. "Wir sind gut im Fahrplan. Wenn es so positiv weitergeht, dann müssen die Ergebnisse in Berlin stimmen. Wir sind nicht unbescheiden: Eine Medaille und alle anderen im Finale ist das Ziel", umreißt Deyhle die Vorgabe. Betty Heidler präzisiert beim Medientreff, dass das Edelmetall Gold sein soll: "Ziel ist die Titelverteidigung, Punkt." Rückkehr ehemals gesperrter Dopingtäterinnen wie Weltrekordlerin Tatjna Lysenko hin oder her.

Für die gebürtige Berlinerin ist die WM in ihrer Heimatstadt von der Bedeutung her gleich hoch wie Olympia in Peking im vergangenen Jahr, wo die Mitfavoritin als Neunte das Finale der besten Acht verpasst hatte. Die Pleite habe sie verarbeitet und "den Spaß wiedergefunden". Der Druck, als Weltmeisterin Besonderes beweisen zu wollen, lähmte Körper und Geist. Dank neuer Lockerheit, stabilerer Technik und verbesserten Zubringerwerten traut sie sich jetzt auch einen neuen Deutschen Rekord zu, optimalerweise bei der WM. Denn einen Heimvorteil sieht das offizielle WM-Gesicht, das sich so gut wie gar nicht in die PR-Kampagne des Organisationskomitees eingebunden fühlt, ja doch: "Dass die WM in Berlin ist, motiviert mich ganz besonders."

Auch interessant

Kommentare