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Der Fall Selke

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U20-WM ohne Davie Selke.
U20-WM ohne Davie Selke. © dpa

Die U20 Nationalmannschaft bereitet sich nach dem Ende der Saison auf die WM vor - ohne Davie Selke. Dessen neuer Arbeitgeber RB Leipzig pocht darauf, den acht Millionen Euro teuren 20-Jährigen daheim zu behalten. Ein Kommentar.

Von Jan Christian Müller

An diesem Sonntag, wenn in der Bundesliga die letzte Schlacht geschlagen ist, trifft sich die deutsche U-20-Nationalmannschaft in Frankfurt, um sich auf die WM im Juni im fernen Neuseeland vorzubereiten. Es gehören ein halbes Dutzend Bundesligaspieler zum Kader, der Frankfurter Marc Stendera zum Beispiel und auch der junge Leverkusener Stürmer Julian Brandt. Deren Arbeitgeber sind klug genug zu erkennen, dass das Erlebnis eines derartigen Ereignisses am anderen Ende der Welt sich positiv auf die weitere Karriere auswirken kann. Deshalb nehmen es die Eintracht und Leverkusen in Kauf, dass ihr jeweils größtes Talent ein wenig unausgeruht in die neue Saison startet.

Im Fall von Davie Selke ist das anders. Sein neuer Arbeitgeber RB Leipzig pocht darauf, den acht Millionen Euro teuren 20-Jährigen daheim zu behalten. Einerseits ist das eventuell nachvollziehbar, weil der Stürmer sich in Sachsen integrieren soll und die Zweite Bundesliga schon drei Wochen vor der Bundesliga wieder an den Start geht. Andererseits aber auch bedauerlich und möglicherweise auch kurzsichtig. Denn Selke hat als Turnier-Torschützenkönig der siegreichen deutschen U-19-Nationalmannschaft bei der EM im vergangenen Jahr einen sichtbaren Schub auch fürs Selbstvertrauen erfahren, der seiner Karriere extrem förderlich erschien. Ähnliches bei der U-20-WM gegen Auftaktgegner vom Kaliber Fidschis, Usbekistan und Honduras zu wiederholen und Tore am Fließband zu schießen, bleibt ihm nun versagt. U-20- Bundestrainer Frank Wormuth hat das bedauernd zur Kenntnis nehmen müssen.

Es gehört zu den Anforderungen an einen DFB-Trainer, derartige Unbill hinzunehmen, ohne öffentlich Groll zu äußern. Auch Bundestrainer Joachim Löw ist alsbald gefragt, sich in der ihm gut bekannten Kunst der Diplomatie zu üben. Dienstag wird er den Kader für die beiden Länderspiele am 10. Juni in Freundschaft gegen die USA und am 13. Juni um die EM-Qualifikation gegen Gibraltar benennen. Treffpunkt: Sonntag, 7. Juni in Köln.

Nach dem letzten Bundesligaspiel an diesem Samstag bedeutet das etwa für die Spieler des FC Bayern: Zwei Wochen Urlaub, eine Woche Nationalmannschaft, und dann wieder Urlaub. Im Sinne der Erholung von der Mühsal der Saison ist das nach allgemeiner Expertenmeinung wenig probat. Aber der Fifa-Kalender will es so und nicht anders. Löw dürfte einige hochbelastete Spieler wie Thomas Müller daheim lassen. Und, tja, das wäre mal ein fieser Racheakt an RB Leipzig: Er könnte für Müller einfach Davie Selke nominieren.

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