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Chris Froome hat die Salbutamol-Affäre hinter sich gelassen.

Tour de France

Fall Froome überschattet den Tour-Start

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Strecke, Favoriten, deutsche Fahrer - die Tour 2018 im Überblick.

Natürlich geht es nicht nur um Christopher Froome bei der 105. Tour de France, auch wenn dessen Fall zuletzt im Mittelpunkt von Meldungen aus der Radsportwelt stand. Der Brite ist eben auch der Top-Favorit des größten Radrennens der Saison, er ist der Vorjahressieger, der auch in diesem Jahr die Nummer eins auf dem Rücken tragen wird. Froomes Salbutamol-Affäre, die als große Belastung für die Szene über dem ersten Halbjahr der Saison schwebte, gibt es nun also nicht mehr, der Radsportweltverband (UCI) hat die Akte geschlossen.

Die Verwunderung darüber bleibt groß, UCI-Präsident David Lappartient scheint das zu spüren, denn er bat am Mittwoch die Öffentlichkeit darum, alle 176 Fahrer bei ihrer Passage durch Frankreich in Ruhe zu lassen. Es gehe darum, Gerichtsentscheidungen zu respektieren und sicherzustellen, „dass Chris Froome sich wie jeder andere Fahrer bei der Tour sicher fühlen kann“. Das Thema schwelt also weiter und es wird die Tour gewiss auch nach dem Start am Samstag in der Vendée an der Westküste Frankreichs verfolgen.

Das Rennen im Überblick:

Die Strecke
Tourdirektor Christian Prudhomme schätzt das Ungewöhnliche und er mag es nicht, Strecken nach den immer gleichen Mustern zu konstruieren. Sein Credo lautet: „Vergnügen. Geschichte. Spektakel.“ In diesem Jahr kommt er den Sprintern entgegen. So ist die erste Etappe kein kurzes Zeitfahren, sondern eine Flachetappe, deren Sieger als Lohn ins Gelbe Trikot schlüpft. Nach dem Tourstart auf der malerischen Insel Noirmoutier geht es über eine Brücke aufs Festland. Am dritten Tourtag werden im Teamzeitfahren die ersten Weichen gestellt. Einer der Höhepunkte des Rennens steht am 15. Juli auf dem Programm. Auf der neunten Etappe, die in Roubaix endet, geht es, wie beim Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix, knapp 22 Kilometer lang über Kopfsteinpflaster - eine große Herausforderung für die meisten Topfavoriten, die dieses Terrain und seine Tücken nicht kennen.

Insgesamt verteilen die Streckenplaner 3351 Kilometer auf 21 Etappen – acht Flachstücke für Sprinter sind dabei, fünf mittelschwere Bergausflüge und sechs Hochgebirgsetappen, davon drei Gipfelankünfte, zu denen auch Alpe d’Huez gehört (19. Juli). Insgesamt 26 Pässe stehen im Weg, 579 Städte werden passiert, 36 französische Départements und zwei Länder, neben Frankreich noch Spanien. Die Entscheidung dürfte diesmal in den Pyrenäen fallen, die in der letzten Woche im Weg stehen.

Die Favoriten
Froome ist der Fünf-Sterne-Favorit, er hat seine Form beim Giro d’Italia aufgebaut und sie dort mit einem unglaublichen 80-Kilometer-Soloritt in den Alpen untermauert, der ihm letztlich den Sieg brachte. Zuletzt hatte es den Doppelsieg Giro-Tour 1998 gegeben, damals gewann Marco Pantani, dem für die Tour 1998 posthum Epo-Konsum nachgewiesen wurde. Froome pflegt den merkwürdigsten Stil, er fährt oft kopfschüttelnd und unrhythmisch – doch er ist im Gebirge kaum abzuhängen und auch überragend in der am vorletzten Tag geforderten Teildisziplin Einzelzeitfahren. Zudem verfügt er über das stärkste Team.

Sein größter Herausforderer dürfte der Franzose Romain Bardet sein, ein exzellenter Bergfahrer, der aber als schwacher Zeitfahrer gilt. Die Organisatoren kamen ihrem Landsmann insofern entgegen, als ihr einziges Einzelzeitfahren nur 31 Kilometer kurz ist. Bardet schultert die Hoffnungen der Franzosen, deren letzter Gesamtsieger Bernard Hinault war – 1985. Ein Sieganwärter ist Tom Dumoulin. Der Niederländer, Girosieger von 2017, dort in diesem Jahr Zweiter hinter Froome, hat sich im Gebirge stark verbessert. Dort werden zudem der Kolumbianer Nairo Quintana, der Spanier Mikel Landa und auch der Italiener Vincenzo Nibali versuchen, sich von Froome zu lösen. Nibali besitzt als außerordentlich schneller Abfahrer zudem eine besondere Fähigkeit.

Die Deutschen
Elf deutsche Profis sind diesmal in Frankreich dabei. Am aussichtsreichsten starten dort die Sprinter Marcel Kittel (Katusha-Alpecin), André Greipel (Lotto Soudal), John Degenkolb (Trek-Segafredo) und Zeitfahrspezialist Tony Martin (Katusha), der wie auch Marcus Burghardt (Bora-hansgrohe) oder Simon Geschke (Sunweb) für Tagessiege in Ausreißergruppen in Frage kommt. Kittels Sprintzug besteht im Übrigen komplett aus deutschen Fahrern: Außer Martin sind das noch Rick Zabel und Nils Politt aus Hürth.

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