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Fairplay

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Von: Frank Hellmann

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Timo Werner freut sich nach seinem verwandelten Elfmeter.
Timo Werner freut sich nach seinem verwandelten Elfmeter. © REUTERS

Mit seiner dreisten Schwalbe verpasst Timo Werner eine große Chance, den Fairplay-Gedanken hochzuhalten. Ein Kommentar.

Timo Werner hat bis zu diesem Samstagabend als ein Strahlemann des Leipziger Höhenflugs gegolten. Jung, forsch, schnell, witzig. Einer, der nicht nur irgendwann zum Nationalspieler, sondern auch zu Schwiegermutters Liebling taugen müsste – so viel Freude strahlte der Fußballer aus, seitdem ihn das sächsische RB-Projekt aus den Fängen der schwäbischen Erdrückung befreit hat. Ein Toptalent, das wieder auf dem richtigen Weg schien. Nun ist nicht genau klar, was die dreiste Schwalbe mit dem erst 20-jährigen Stürmer machen wird; fest steht, dass der blonde Angreifer eine große Chance verpasst, den Fairplay-Gedanken hochzuhalten.

Nur mal angenommen, Miroslav Klose wäre 20 Jahre jünger und in besagter Szene irgendwie ins Straucheln geraten – hätte der Rekordtorjäger der deutschen Nationalmannschaft in solch einer Szene ganz am Anfang eines Spiels, nach nur 19 Sekunden, auch dermaßen wirre Ausflüchte gesucht? Wohl kaum. Und doch wäre es nicht gerecht, nun allein Werner an den Pranger zu stellen.

Die Roten Bullen haben nur bewiesen, dass sie mit all den anderen 17 Konkurrenten mindestens auf Augenhöhe sind, wenn es darum geht, mit allen Mitteln den Erfolg zu erzwingen. Schwalben sind ein Teil des bisweilen halt ziemlich verlogenen und verkommenen Geschäfts. Und nicht nur sie.

Genau eine Woche zuvor fuhr ein gewisser Javier Martinez in München-Fröttmaning den langen Arm aus, um die Kugel im Topspiel gegen Leverkusen daran zu hindern, zum 2:2 ins Netz zu flutschen. Für den FC Bayern stand damals gegen die Werkself viel auf dem Spiel, und die öffentliche Aufregung um Martinez’ Täuschungsmanöver fiel deshalb eine Kategorie kleiner aus, weil den Betrüger niemand befragte. Oder befragen konnte, denn der Baske spricht selten bis gar nicht. Und auch ungern Deutsch.

Die Schiedsrichter sind nicht zu beneiden, wenn sie zum einen in dem schnellen Schlagabtausch alles mitbekommen sollen, zum anderen auch noch in Sekundenbruchteilen entscheiden sollen, welchen Akteur sie in die moralische Verantwortung zwingen. Was nun genau in der WM-Arena in der Kommunikation schieflief, wird kaum mehr zu ermitteln. Fakt ist, dass Bastian Dankert jetzt schon zweimal schlimm reingefallen ist. Einmal auf Leon Andreasen, als dieser in Köln ein Handtor erzielte, das Hannover 96 letztlich nicht vor dem Abstieg rettete. Nun auf Timo Werner, der in Leipzig hoffentlich nicht gegen Schalke jenen Elfmeter herausholte (und verwandelte), der den Brauseklub zum Meister macht. Nicht nur der Rostocker Referee wird heilfroh sein, dass für genau solche Szene bald der Videoschiedsrichter kommt. Es ist nämlich überfällig.

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