1. Startseite
  2. Sport
  3. Sport A-Z

Fahrig turnt nicht in London herum

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Katja Sturm

Kommentare

Kopfüber nach London: Philipp Boy.
Kopfüber nach London: Philipp Boy. © dpa

Ex-Europameister Matthias Fahrig wird Olympia verpassen - weil er beim Wettkampf in Frankfurt zu viele Fehler macht. Keinesfalls perfekt turnt auch Philipp Boy. Der Mehrkampf-Vizeweltmeister ist dennoch zufrieden, weil er seinen Körper besiegt.

Ex-Europameister Matthias Fahrig wird Olympia verpassen - weil er beim Wettkampf in Frankfurt zu viele Fehler macht. Keinesfalls perfekt turnt auch Philipp Boy. Der Mehrkampf-Vizeweltmeister ist dennoch zufrieden, weil er seinen Körper besiegt.

Irgendwo auf den Treppenstufen zwischen den bonbonfarbenen Plastiksitzen der Frankfurter Ballsporthalle hatte Matthias Fahrig sich ein einsames Plätzchen gesucht. Dort kauerte der 26-Jährige, den muskulösen Rücken gebeugt, den dunklen Lockenkopf tief gesenkt, und versuchte, mit dem fertig zu werden, was er in diesem Moment ahnen, ja wissen musste: dass das Flugzeug Richtung London ohne ihn abheben wird.

Die tröstenden Worte, die ihm die Kunstturnkollegen gerne hätten zukommen lassen, der aufmunternde Klaps seines Hallenser Heimtrainers Uwe Ronneburg – all dem war der ehemalige Europameister aus dem Weg gegangen, als er vom langen Podium des Sprungtischs heruntergestiegen war. Vom Strahlen, das den Wildfang des Deutschen Turner-Bundes (DTB) sonst immer umgibt, war keine Spur mehr zu sehen.

Fehler am Boden, Pauschenpferd und am Sprung

Unmissverständlich hatte Cheftrainer Andreas Hirsch vor dieser zweiten Olympiaqualifikation erklärt, dass er gewillt sei, neben drei Mehrkämpfern noch zwei Spezialisten mit Final- oder gar Medaillenchancen zu den Spielen mitzunehmen. Er betonte, dass er diese Fahrig eher am Boden als am Tisch einräumte, da dem deutschen Meister ein zweiter hochkarätiger Sprung mit einer Schwierigkeit von 7,0 fehlt.

Der mit außerordentlicher Sprungkraft gesegnete Fahrig brachte jedoch am Samstag vor etwa 3500 Zuschauern in einer den Atem raubenden Hitze erneut weder das eine noch das andere ohne Fehler durch. Er stürzte am Boden, fast auch am Sprung, stieg zudem am Pauschenpferd ab. So war es keine Überraschung, dass Hirsch einen Tag später seinen Namen nicht nannte, als er den Vorschlag verkündete, der dem Deutschen Olympischen Sportbund zur Nominierung vorgelegt werden soll.

Fahring ist nicht mal Ersatz

Fabian Hambüchen, der nach seinem nationalen Titelgewinn in Düsseldorf trotz ungeplanten Sitzens auf dem Pauschenpferd auch diesmal mit 89,90 Punkten gewann, sowie der nachfolgende Philipp Boy (88,40) und der nach, wie er sagte, „dummen Fehlern“ diesmal nur fünftplatzierte Barren-Europameister Marcel Nguyen (86,05) galten als gesetzt.

Begleitet werden sie von dem Stuttgarter Sebastian Krimmer (87,50) und dem Hannoveraner Andreas Toba (86,95). Fahrig, der in Athen dabei war, Peking aber wegen einer aus disziplinarischen Gründen erfolgten Suspendierung verpasste, ist als Siebter nicht mal Ersatz, sodass er die kommenden Tage im Leistungszentrum Kienbaum frustriert als „Vorbereitung für nichts“ ansieht.

Streicheleinheiten für Boy

Auch Philipp Boy hatte vor Wochenfrist Zweifel geäußert, das Ticket zu den Spielen lösen zu können. Beim Mehrkampf-Vizeweltmeister aus Cottbus lag dies aber an seinem Gesundheitszustand. Seit Saisonbeginn kämpft der 24-Jährige mit Problemen, zog sich zudem in Düsseldorf eine Kapselverletzung am Fuß zu.

Am Montag tauchten auch noch starke Rückenschmerzen auf, die sogar den Verdacht einer Bandscheibenschädigung aufkommen ließen. Der bestätigte sich nicht, die Blockade oder Entzündung im Iliosakralgelenk wurde mit Schmerzmitteln beruhigt und sei, wie die Schmerzen an den anderen Körperstellen, „tolerabel“, sagt Boy. Über Therapieformen will er nicht näher Auskunft geben. „Alles legal“, betont der Europameister nur, der zuletzt zudem psychisch stark angeschlagen schien. So besuchte Hirsch den in Hambüchens verletzungsbedingter Abwesenheit dominierenden Mehrkämpfer der DTB-Riege in den vergangenen 14 Tagen mehrmals.

Ein paar Streicheleinheiten, die Boy das Gefühl geben sollten, dass man bei ihm sei, gepaart mit einer gründlichen Analyse seiner Programme waren die Intention. In den Übungen wurden Elemente entsorgt, mit denen Boy eher Abzüge riskiert als Punkte gewinnt. Die Wirkung blieb nicht aus: Sichtlich erleichtert präsentierte er sich in der Ballsporthalle, wirkte trotz zweier Stürze nicht nur in sportlicher Hinsicht deutlich gefestigt und gewann dem Zwicken des Körpers sogar etwas Positives ab: „Dann bleibe ich konzentriert. Denn wenn es mir gut geht, hole ich gerne den Spieler aus mir heraus.“

Auch interessant

Kommentare