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2008 war erfolgreich, aber auch strapaziös: Irina Mikitenko.
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2008 war erfolgreich, aber auch strapaziös: Irina Mikitenko.

Marathon

Die ewige Hatz

Die Marathon-Weltbeste Irina Mikitenko gönnte sich kaum Ruhe - und muss jetzt für den Silvesterlauf in Trier absagen.

Vanessa, süße drei, stellt sich auf die Zehenspitzen, als ihre Mutter die Laufschuhe schnürt. "Mami, ich will mit!", kräht sie. Irina Mikitenko, Deutschlands erfolgreichste Marathon-Läuferin und die größte Hoffnung für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin, schüttelt den Kopf: "Das geht nicht. Aber die Oma kommt gleich und passt auf dich auf." Für die 36- Jährige sind nicht die 42,195 Kilometer die wahre Herausforderung - sondern der Alltag zu Hause im hessischen Freigericht.

Bis zu 230 Kilometer Training in der Woche, der Haushalt, die zwei Kinder Vanessa und Alex (14), die PR-Termine, die Rennen und die Trainingslager außerhalb der Schulferien. "Alleine hätte ich keine Chance: Alexander ist Papa, Manager, Trainer, Koch und Masseur", sagt sie über ihren Mann, der als Metallarbeiter im Schichtdienst auch noch einen Acht-Stunden-Tag hat. Als die beiden 1996 als Spätaussiedler aus Kasachstan kamen, rannte Mikitenko jedes Wochenende für ein paar hundert Mark bei Straßenläufen.

Ein fester Termin war dabei immer der Silvesterlauf in Trier, wo es im Konfettiregen und zum Rhythmus von Sambatrommlern zum großen Stelldichein der laufenden Prominenz kommt. Doch Mikitenko ist diesmal nicht mittendrin und nicht dabei: Wegen einer fiebrigen Erkältung der ganzen Familie über die Weihnachtstage musste die Jahresweltbeste über die Marathon- und 10 000-Meter-Distanz schweren Herzens absagen - nachdem zuvor schon Vorjahressiegerin Sabrina Mockenhaupt und Jan Fitschen verletzungs- und krankheitsbedingt hatten passen müssen. "Wir lassen uns die Stimmung nicht vermiesen", sagt Organisator Berthold Mertes. Doch Mikitenko sollte eigentlich sein Zugpferd sein. Denn sie gewann den Marathon in Berlin und London und kassierte Anfang November in New York als Siegerin der World-Marathon-Majors-Serie die höchste Gage ihrer Karriere: 500 000 US-Dollar. Als Wendepunkt ihrer Laufkarriere will sie den Coup aber nicht werten.

"Ach, eigentlich ist alles gleichgeblieben." Der Tagesablauf habe ich kaum geändert. "Trainieren, arbeiten, Kinder großziehen." Zweimal am Tag macht Mikitenko das, was mehr als 20 Millionen Deutsche allerdings weitaus langsamer tun: laufen. Bei ihr läuft alles nach einem ausgeklügelten Plan ab - nicht nur im Höhentrainingslager in St. Moritz, wo sich die Athletin mit Steigerungs- und Tempoläufen, Kraft- oder Intervalltraining quält. Sogar ihre hartnäckige Rivalin Mockenhaupt spricht anerkennend über die Trainingsumfänge der aktuell besten Deutschen.

"Mein Vater sagt immer: Ich fahre mit dem Auto nicht so viele Kilometer wie du läufst", meint die für den TV Wattenscheid startende Rekordhalterin. Alle fünf, sechs Wochen braucht sie neue Schuhe. In den Wäldern um Freigericht kennen die Jogger schon das nur 1,62 Meter große und 48 Kilo leichte Energiebündel.

Samstags, wenn Mikitenko zumeist ihr Höchstpensum von 35 Kilometer abspult, radeln Alexander oder Alex mit, weil sie Getränke und bei Regen und Kälte auch mal trockene Klamotten braucht. "Manchmal ist das schon anstrengend", sagt ihr Filius. Der Stolz über seine Mutter strahlt nicht nur aus seinen Augen, er hängt auch im Treppenhaus des ausgebauten Einfamilienhauses, handgemalt: "London + Berlin, du bist die Beste." Alexander Mikitenko sagt: "Eigentlich müssten wir mehr alle zusammen was machen. Aber ins Schwimmbad gehen oder so, das ist nur im Trainingslager drin." Seine Frau streift die Trainingsjacke über und seufzt. "Die Kinder kennen es nicht anders. Sie wissen: Bei uns gibt's kein Wochenende." Manchmal kommen schon Gedanken auf wie dieser: "Wieso machst du das alles, wieso bist du nicht wie andere, normale Mütter?" Dann gibt sie der Kleinen einen Abschiedskuss und trabt los, die Hauptstraße entlang, bis die Dämmerung sie verschluckt. Die nächsten Höhepunkte warten schon: Am 26. April rennt sie wieder in London. Und am 23. August 2009, ihrem 37. Geburtstag, steht der WM-Marathon in Berlin an. Das soll dann in doppelter Hinsicht ein Feiertag werden. dpa/hel

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