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Ganz nah dran: Michael Hoffmann (links) mit Handball-Nationalspieler Patrick Wiencek.

Handball

Der etwas andere Spielerberater

Michael Hoffmann über die Betreuung von Fußballern, Handballern und Reitern in Zeiten der Corona-Krise.

Wir haben einen etwas anderen Ansatz“, sagt Hoffmann gleich zu Beginn des Gesprächs: „Wir wollen die Sportler über die Karriere hinaus begleiten.“ Das war auch der ursprüngliche Ansatz gewesen. Hoffmann kommt nicht direkt aus dem Sport, sondern aus der Wirtschaft, war selbst Unternehmer, dann viele Jahre Präsident des Luft- und Raumfahrtstandortes Bremen (Aviabelt, heute Aviaspace). Dabei hat er die Interessen von 100 Unternehmen vertreten. Vor vier Jahre erfüllte er sich dann seinen Traum, Sportler zu betreuen.

Kontakte hatte er in der Vergangenheit schon reichlich geknüpft – zu Fußballern, Handballern, aber auch Reitern. Zum Beispiel Sandra Auffarth, die bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio Silber mit der Mannschaft im Vielseitigkeitsreiten gewann. Auch die Weltklassehandballer Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Holger Glandorf gehören zu seinen Klienten. Genauso wie der einstige Werder-Star Andreas Herzog, der die israelische Nationalmannschaft trainiert. Oder auch Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg, den Manager des Drittligisten KFC Uerdingen. Und Ex-Werder-Keeper Sebastian Mielitz.

Hoffmann stellte nach der Eröffnung seiner Agentur schnell fest, dass er nicht nur ein Berater für die Zukunft der Sportler sein konnte. Das kollidierte zu sehr mit den Interessen der vorhandenen Berater der einzelnen Athleten. Seitdem bietet er das komplette Paket an. „Ich glaube, es gibt keine Agentur, die in so vielen verschiedenen Sportarten unterwegs ist“, sagt der 43-Jährige. Das mache die Arbeit auch besonders spannend und in diesen Zeiten noch herausfordernder. „Jeden Sportler trifft diese Krise anders. Es gibt die Athleten, die schon ausgesorgt haben, die abgesichert sind oder die zumindest eine Perspektive haben. Aber es gibt auch die Athleten, die sich sogar überlegen müssen, ob sie ihren Sport so professionell überhaupt noch weiter ausüben können“, erklärt Hoffmann und prophezeit: „Mal abgesehen vom Fußball werden viele Sportarten großartige Talente verlieren, weil die lieber den sicheren Weg wählen und sich für ein Studium oder eine Berufsausbildung entscheiden werden.“

Denn viele Klubs müssten, wenn sie die Krise überhaupt überleben, an den Gehältern sparen. Und in vielen Sportarten würde ohnehin nicht so üppig bezahlt. Das habe sich in den vergangenen Jahren zwar verbessert, vor allem im Handball, „doch ich rechne damit, dass diese positive Entwicklung erst mal vorbei ist“, sagt Hoffmann und fügt noch an: „Das ist echt bitter, denn diese Jungs leisten wahnsinnig viel.“

Weniger Geld ab Sommer

Immerhin habe er mit seinen Klienten stets besprochen, was nach einem Karriereende kommen könnte. Möglicherweise ist das jetzt eine Hilfe. „Ich denke schon, dass meine Sportler sehr gut klarkommen werden“, sagt Hoffmann. Aber es sei nun auch Geduld gefragt. Dabei nennt er das Beispiel Sebastian Mielitz. Der Keeper, der von 2005 bis 2014 für den SV Werder gespielt hat, steht seit Sommer 2017 beim dänischen Erstligisten SönderjyskE unter Vertrag. Im vergangenen Herbst wollten die Dänen den am 30. Juni 2020 auslaufenden Kontrakt vorzeitig verlängern. „Wir haben das erst mal abgelehnt, weil Sebastian gute Möglichkeiten hatte, im Winter in die Bundesliga zurückzukehren“, erzählt Hoffmann: „Im Januar gab es dann entsprechende Angebote. Doch SönderjyskE wollte Sebastian im Abstiegskampf nicht verlieren und verhinderte einen Wechsel. Das war auch völlig okay für uns.“ Schließlich gab es für Mielitz nun die Option, im Sommer ablösefrei gehen zu können. Doch in der Corona-Krise ist die Perspektive eine andere: Ab dem 1. Juli steht der 30-Jährige ohne Arbeitgeber da. Und Profis in seiner Gehaltsklasse, von der sich die Topstars längst Lichtjahre entfernt haben, werden sehr wahrscheinlich künftig für weniger Geld spielen müssen. Es wird auch nicht so einfach, einen neuen Verein zu finden. „Aktuell liegen solche Gespräche total auf Eis“, sagt Hoffmann: „Da müssen wir jetzt alle durch. Wir werden da aber schon Lösungen finden.“

Karriereende auf der Couch

Ein anderes Beispiel ist Andreas Herzog. Der Österreicher ist nach seinen vielen erfolgreichen Jahren als Profi bei Werder und zwischendurch beim FC Bayern finanziell unabhängig. Außerdem läuft sein Vertrag als israelischer Nationaltrainer noch ein Jahr. „Andreas muss nicht auf Teufel komm raus irgendetwas Neues machen“, sagt Hoffmann: „Trotzdem wäre es ihm zu wünschen, dass er sich auch mal als Klubtrainer beweisen darf – am besten in der Bundesliga.“ Der 51-jährige Herzog wurde zwar immer mal wieder als Kandidat gehandelt – vor allem auch in seiner Heimat Österreich –, aber letztlich nicht ausgewählt. In diesem Sommer dürfte es schwierig werden. Viele Klubs werden wohl ihren Trainer behalten, um durch einen Rauswurf nicht unnötig Geld zu verbrennen.

Ein ganz spezieller Fall ist Holger Glandorf. Dem 36-jährigen Handball-Weltmeister von 2007 droht ein Karriereende auf der Couch, wenn in dieser Saison nicht mehr gespielt wird. Denn im Sommer ist definitiv Schluss auf dem Hallenboden, dann wechselt Glandorf in die Geschäftsstelle seiner SG Flensburg-Handewitt. An diesem Plan war natürlich auch sein Berater Michael Hoffmann beteiligt. Der Gedanke an die Karriere nach der Karriere dürfte künftig bei vielen Sportlern noch intensiver werden.

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