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Der da hat gewonnen: Der zweitplatzierte Ukrainer Alexej Kasjanow freut sich mit Zehnkampf-Europameister Pascal Behrenbruch.
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Der da hat gewonnen: Der zweitplatzierte Ukrainer Alexej Kasjanow freut sich mit Zehnkampf-Europameister Pascal Behrenbruch.

Leichtathletik

Estnischer Leistungsschlaf

„Wenn man mich sauer macht, beantworte ich das mit Leistung.“, stichelt Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch in Richtung des Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Die neue Freiheit unter Erki Nool hat ihm gut getan: Behrenbruch wird souverän Europameister.

Von Susanne Rohlfing

Die Finnen mögen weit fliegende Speere. Deshalb mögen sie wohl auch Pascal Behrenbruch. Als der deutsche Zehnkämpfer der Konkurrenz in seiner Paradedisziplin endgültig davonzog, muss sich das Publikum auf den Rängen des Olympiastadions von Helsinki an die großen Leistungen eigener Athleten mit diesem Sportgerät erinnert haben. Es erwachte kurz aus seiner Kältestarre an diesem an Winter erinnernden Junitag und spendete Applaus. Behrenbruchs Speer war besonders schön geflogen, auf 67,45 Meter, weiter als bei jedem seiner Kontrahenten.

Die eigentliche Überraschung war, dass Behrenbruch seine Bestleistung im Stabhochsprung auf 5,00 Meter schraubte, die Kugel auf noch nie erreichte 16,89 Meter stieß und einen insgesamt sehr konstanten Zehnkampf ablieferte. Was bedeutete: EM-Gold.

Es war der erste Sieg bei dieser EM für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und zugleich die erste deutsche EM-Medaille im Zehnkampf seit Bronze durch Christian Schenk vor 22 Jahren in Split. Zudem stellte der 27 Jahre alte Athleten von der LG Eintracht Frankfurt mit 8558 Punkten eine Bestleistung auf. „Jetzt kann keiner sagen, dass ich etwas geschenkt bekommen habe“, befand er, wohl ahnend, dass Kritiker bemängeln könnten, die Konkurrenz bei einer EM könne im Olympiajahr ja nur zweitklassig sein.

Hinter Behrenbruch reihten sich der Ukrainer Alexej Kasjanow (8?321) und der Russe Ilja Schkurenjow (8?219) ein. Norman Müller aus Halle an der Saale kam mit 8?003 Punkten auf Platz sieben, der Ulmer Mathias Brugger war verletzt ausgestiegen.

Behrenbruch war als einziger Zehnkämpfer der drei deutschen London-Starter nach Helsinki gereist. Weil er sich die Chance auf eine Medaille nicht entgehen lassen wollte. Das Verhältnis zwischen ihm und dem Verband gilt als schwierig bis zerrüttet. Ein bisschen aufmüpfig war Behrenbruch schon immer, aber im vergangenen Herbst eskalierte die Situation, als der DLV den Frankfurter nach seinem siebten Platz bei der WM in Daegu aus dem Top-Team für London warf.

Behrenbruch zog seine Konsequenzen und ging nach Estland. In Tallinn trainiert er bei Erki Nool, dem Olympiasieger von 2000, und dessen Ex-Coach Andrej Nazarow. In Richtung DLV sagte Behrenbruch: „Wenn man mich sauer macht, beantworte ich das mit Leistung.“ Vor allem im Stabhochsprung, Nools einstiger Sahne-Disziplin, hat der Rebell von der Arbeit in Tallinn profitiert. Zudem verlor Behrenbruch Gewicht, sein neuer Trainer hatte mehr Spritzigkeit gefordert. Der Deutsche fühlt sich wohl bei Nazarow und Nool. Sie nörgelten nicht an ihm herum, erzählte er. „Sie gehen auf meine Wünsche ein.“ In Helsinki erlaubten sie ihm, am zweiten Wettkampftag erst zwei Stunden vor dem Hürdenlauf aufzustehen. Unter DLV-Aufsicht hätte er da längst gefrühstückt haben müssen, sagte Behrenbruch. „In Deutschland wurde ich immer angeschissen.“ Im reiche es nun mal, eine halbe Stunde vor Wettkampfbeginn auf dem Platz zu sein. „Dann läuft es am besten. Sonst schlafe ich ein auf dem Platz.“ In Helsinki war Pascal Behrenburch hellwach.

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