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Seit Juli bei den Detroit Red Wings in der NHL unter Vertrag: der 18-jährige Moritz Seider (links).

Eishockey

Die ersten Früchte

Die Nachwuchsarbeit im deutschen Eishockey wird stetig besser, vom Optimum ist sie aber noch ein ganzes Stück entfernt.

Hin und wieder kramt Franz Reindl die lange Liste heraus, die er vor fünf Jahren beim „Dialogtag im deutschen Eishockey“ an die Wand projiziert hatte. Darauf stehen die Spieler, die die Nationalmannschaft 2026 zu einer WM-Medaille führen sollen. „Ich schaue drauf, ob das, was ich vor Jahren gesagt habe, totaler Käse war“, sagt der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Tim Stützle, John Jason Peterka, die heute 17-Jährigen, die derzeit die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) aufmischen, hatte er schon damals im Kopf: „Wir lagen richtig.“

Reindl war als Verbandschef angetreten, die Nachwuchsarbeit im deutschen Eishockey endlich massiv zu verbessern, um dauerhaft in die Weltspitze vorstoßen zu können. Die Erfolge sind mittlerweile sichtbar: Spieler wie Stützle und Peterka, damals zwölf Jahre jung, haben sich zu herausragenden Talenten entwickelt, die einen ähnlichen Weg gehen könnten wie der ein Jahr ältere Moritz Seider, der im Sommer als sechstbester Spieler seines Jahrgangs in der NHL gedraftet wurde. Aber nicht nur die Toptalente drängen in die Liga und die Nationalmannschaft, auch die Masse junger Spieler, die für höhere Aufgaben geeignet sind, ist gestiegen. Das bewies die DEB-Auswahl mit zahlreichen Neulingen beim Deutschland-Cup in Krefeld mit starken Leistungen. „Die Breite in der Spitze ist größer geworden“, sagt Reindl.

Der Aufstieg der U18- und U20-Nationalmannschaften in die höchste Klasse zeige, dass „wir jetzt viel mehr haben, die in der Liga spielen können“, betonte der DEB-Präsident. Deshalb sei es „an der Zeit“, die Zahl der Ausländerstellen in der DEL zu verringern – bis auf sechs 2026, wie es sein Konzept „Powerplay 26“ schon vor fünf Jahren vorsah. Voraussetzung für eine Reduzierung der Importspieler, von denen derzeit neun pro Klub eingesetzt werden dürfen, war laut Reindl, „dass genügend deutsche Spieler bereitstehen, diese Hausaufgaben sind gemacht.“

Die Verbandsforderung, über die DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel mit den Verantwortlichen der Klubs diskutiert, sei „ein Mosaikstein, kein Allheilmittel“, betont Reindl. Aber: „Wir müssen noch mehr machen als mehr, sonst kommen wir nicht dahin, wo wir hinwollen.“ Auch wenn die Nationalmannschaft 2018 sensationell Olympiasilber gewann und in der Weltrangliste zuletzt schon von Rang 13 auf sieben kletterte, „wir müssen den Weg weitergehen.“

Reindl bringt sich in Position

Ob tatsächlich Stützle, Peterka und Seider 2026 zusammen mit NHL-Superstar Leon Draisaitl, der dann mit 30 ein Senior im Team wäre, Deutschland zu einer WM-Medaille schießen werden, wird Reindl wohl nicht mehr als DEB-Chef erleben. Denn der 64-Jährige will Präsident des Weltverbandes IIHF werden. Der Bronzemedaillengewinner von 1976 bringt sich gerade als Nachfolger des Schweizers Rene Fasel in Stellung.

Noch hat er seine Kandidatur nicht öffentlich gemacht, auch weil noch nicht klar ist, wer gegen ihn antreten könnte. Dem Tschechen Petr Briza, dem Dänen Henrik Bach Nielsen und dem Weißrussen Sergej Gontscharow werden Ambitionen nachgesagt. Bis spätestens 1. Juni muss die Bewerbung schriftlich eingereicht sein. „Diesen Termin“, sagt Reindl schmunzelnd, „haben wir uns notiert.“ (sid)

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