Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Binnen nur sechs Wochen haben die Bayern-Bosse Klinsmanns Visionen von einem modernen Trainingszentrum den passenden Rahmen verpasst. Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß investierten diesmal nicht nur in Beine, sondern auch in Steine. Blicke hinter die Kulissen des FC Bayern...
+
Binnen nur sechs Wochen haben die Bayern-Bosse Klinsmanns Visionen von einem modernen Trainingszentrum den passenden Rahmen verpasst. Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß investierten diesmal nicht nur in Beine, sondern auch in Steine. Blicke hinter die Kulissen des FC Bayern...

1. FC Bayern

Erste Risse in der Fassade

Der FC Bayern ist in die Welt des Jürgen Klinsmann eingetaucht, nicht jeder Spieler will dem Trainer folgen.

Von SEBASTIAN KRASS

Bei dieser Übung hat Jürgen Klinsmann einen Bewegungsradius wie Bernd Schuster. Zehn Meter hin, 15 Meter zurück, wieder zehn Meter hin - immer ganz nah am Mittelkreis. Nur dass Jürgen Klinsmann in zehn Minuten eine Strecke zurücklegt, wie sie früher Schuster in einer halben Saison gelaufen ist. Klinsmann schreitet nicht majestätisch. Er eilt hin und her, wie ein Koch, der zehn Töpfe gleichzeitig im Auge behalten muss. Er will nichts verpassen.

Denn es gibt viel zu schauen an diesem Donnerstag. Es ist das letzte öffentliche Training des FC Bayern vor dem Bundesligaspiel gegen Hertha BSC Berlin am Sonntag. Und es ist Sommerferienzeit in München. In vier, fünf Reihen drängen sich die Fans um den Platz und kommen aus dem Raunen, Staunen und Jubeln gar nicht heraus. Klinsmann hat Torschusstraining angesetzt. Auf beiden Seiten des Platzes saust eine Flanke nach der anderen hinein. Hier versenkt Zé Roberto einen Ball volley. Klinsmann ruft: "Wahnsinn." Dort nimmt Luca Toni Anlauf. Klinsmann ruft: "Andiamo Bomber." Seine Stimme klingt heiser.Die Szene verrät einiges über das neue Selbstverständnis des Jürgen Klinsmann als Vereinstrainer.

Als er Bundestrainer war, führte sein Assistent Joachim Löw, der ausgebildete Fußballlehrer, das Kommando auf dem Trainingsplatz. Es hat Klinsmann gestört, dass er in der öffentlichen, durch den "Sommermärchen"-Film geprägten Wahrnehmung auf die Rolle des erfolgreichen Motivationskaspers reduziert wurde. "Sämtliche Trainingseinheiten waren zwischen mir und Jogi voll abgestimmt", betonte Klinsmann kürzlich in einem Interview. "Alle Entscheidungen im sportlichen Bereich kamen durch meine Sichtweise der Dinge zustande - die wir dann gemeinsam besprochen haben."

Ignorante Profikicker

Jetzt, beim FC Bayern, will er keine Missverständnisse mehr an seiner Autorität aufkommen lassen. Obwohl er sich einen mannschaftsgroßen Mitarbeiterstab aufgebaut hat, beschränkt er sich nicht auf eine Koordinatorenrolle, sondern gibt Tag für Tag den Chefantreiber auf dem Trainingsplatz. Der Autodidakt will sich als vollwertiger Trainer beweisen.

Der 30. Juni war Klinsmanns erster Arbeitstag an der Säbener Straße. Genau zwei Monate sind seitdem vergangen. Die anfängliche Begeisterung über all die Neuerungen ist verflogen. Der Alltag hat sich eingespielt. Die Spieler fahren morgens zu Dienstbeginn hinunter in die Tiefgarage. Ungestört von Fans und Journalisten tauchen sie ein in Klinsmanns Welt. Erst trainieren sie, dann essen sie zu Mittag. Um 13.15 Uhr müssen zwei bis drei von ihnen sich eine Dreiviertelstunde lang im Medienzeitfenster tummeln. Der Rest soll die Zeit zur so genannten "Persönlichkeitsentwicklung" nutzen, etwa mit Sprach- oder Yogakursen.

An diesem Punkt aber zeigen sich kleine Risse in der Fassade. Klinsmann trifft nämlich mit seinen Ideen bei manchen Spielern auf eine kaum zu erschütternde Fußballer-Ignoranz. Lukas Podolski und Toni Kroos etwa sind mittags "ganz schön müde" und entwickeln ihre Persönlichkeiten am liebsten mit "schlafen und Playstation spielen". Und Luca Toni findet es nach wie vor übertrieben, Deutsch zu lernen. Nachmittags steht dann entweder die zweite Trainingseinheit an - oder der Feierabend. Der Acht-Stunden-Tag, um den so viel Aufhebens gemacht wurde, war nur in der Vorbereitung Alltag. Klinsmann hatte von Anfang an klargestellt, dass er, sobald die Saison richtig läuft, die Präsenzpflicht herunterfahren werde. "Diese Woche haben wir am Dienstag und Mittwoch sehr viel trainiert, dann bleibt man bis halb sechs, sechs", erzählt Bastian Schweinsteiger. "Aber wenn wir nur einmal trainieren, ist man so bis halb drei da."

Jürgen Klinsmann bleibt natürlich länger, auch weil er weiß, dass er noch einige Dinge zu beweisen hat, im Rennen um die Meisterschaft und die Champions League. Doch das sind längerfristige Geschichten. Zuallererst muss er beweisen, dass seine Bayern ein Bundesligaspiel gewinnen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare