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Noch einmal den Ball im Blick: Jörg Roßkopf.
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Noch einmal den Ball im Blick: Jörg Roßkopf.

Jörg Roßkopf

"Erstaunlich viele Titel"

Jörg Roßkopf greift am Wochenende zum letzten Mal in einem Pflichtspiel zum Tischtennisschläger. Der Europameister von 1992 spricht im FR-Interview über seine Tischtenniskarriere und die Zukunft als Bundestrainer.

Herr Roßkopf, wird die Bundesligapartie heute Abend in Hanau wirklich Ihr Abschiedsspiel sein?

Ich hoffe es. Wenn wir zwei Spiele gewinnen, brauche ich am Sonntag in Saarbrücken nicht mehr zu spielen. Aber das wird schwierig: Wir haben in der Vorrunde mit 0:3 gegen Fulda verloren. Ansonsten spiele ich danach noch Schaukämpfe, offizielle Spiele wird es keine mehr geben.

Außer wenn in der nächsten Saison Hanau in Not sein sollte.

Da müssten sich schon zwei Leute verletzen. Offiziell bin ich die Nummer fünf, aber ich habe keine Lust, noch mal zu spielen.

Was werden Sie in dem Fall am meisten vermissen?

Ich hoffe, nicht viel. Ich bin ja noch als Trainer dabei. Klar, als Profispieler hat man ein relativ angenehmes Leben. Mit Druck umzugehen, ist kein Problem für mich, deshalb hat mir das immer viel Spaß gemacht. Ich habe den Abschied ja auch lange genug rausgezögert. Doch in meinem Alter gibt es nicht mehr viele Spieler: Jörgen Persson hört auch auf, dann gibt es nur noch Jan-Ove Waldner, und der tut sich manchmal keinen Gefallen mehr damit.

In welchem gesundheitlichen Zustand verabschieden Sie sich?

Wenn ich morgens aufstehe, tut mir relativ viel weh. Ich hoffe, das wird jetzt besser. Seit Jahren habe ich solche Knieschmerzen, dass ich wenig für die Sprungkraft machen kann. Meine Schulter und meinen Ellbogen, die doch sehr in Mitleidenschaft gezogen waren, habe ich ja durch zwei Operationen restaurieren lassen.

Warum kann man im Tischtennis trotzdem so lange mithalten?

Die, die noch dabei sind, haben eine sehr gute Ausbildung genossen. Wir haben fast genauso viel Stress gehabt wie heute die jüngeren Spieler, aber wir haben auch mal Pause gemacht und unseren Körper so vorbereitet, dass er all dem standhalten kann.

Dabei spielt die Athletik eine immer größere Rolle.

Das ist eigentlich ein Vorteil für die jüngeren Spieler. Dass trotzdem so viele ältere noch dabei sind, ist ein gewisses Armutszeugnis für den Tischtennissport. Aber sie sind eben motiviert. Ein Primorac trainiert noch genauso viel wie ein Boll oder Süß. Wenn ich noch international spielen würde, könnte ich das sicher auch noch.

Zumal Sie ja als besonders diszipliniert gelten.

Da ich nicht so das begnadete Talent war für den Tischtennissport, musste ich viel über Disziplin und Training machen. Ich glaube, dass die richtige Einstellung wichtiger ist als das Talent. Am besten hat man beides: Waldner etwa besitzt das begnadete Gefühl und hat trotzdem unglaublich viel trainiert in der Jugendzeit. Nur so ist er der beste Spieler geworden.

Müssen die deutschen Spieler deshalb unter Ihnen als Bundestrainer härter trainieren?

Die Spieler müssen schon mehr machen. Von hinten klopfen immer mehr Nationen an und machen den Deutschen ihren bisherigen Platz streitig. Die Dinge, auf die ich in meiner Karriere Wert gelegt habe, muss man bei Nationalspielern voraussetzen können.

Auch die Schule früh zu verlassen, wie Sie das getan haben?

Ich habe damals nach der Elf aufgehört, um ganz auf die Karte Tischtennis zu setzen. Auch wenn die Karriere durch Verletzungen ganz schnell beendet sein kann: Wer diese Chance hat, sollte sie nutzen. Man kann ja nach zwei, drei Jahren sehen, ob es klappt.

Welcher verpassten Chance trauern Sie hinterher?

Natürlich hätte ich gerne einen WM-Titel im Einzel geholt. Aber ich bin sehr zufrieden mit meiner Karriere, aus meinen Möglichkeiten habe ich das absolute Maximum herausgeholt. Eigentlich erstaunlich, dass so viele Titel dabei rumgekommen sind.

Darunter der bei der WM 1989 mit Steffen Fetzner. Was hat dieses Doppel besonders gemacht?

Dass wir Tag und Nacht zusammen trainiert, gespielt, gelebt haben. Wir waren beide in Düsseldorf, haben uns nie gestritten und uns perfekt ergänzt.

Auch mit Timo Boll haben Sie lange zusammen gespielt.

Wir haben großen Respekt voreinander. Gut, dass durch ihn Tischtennis perfekt präsentiert wird. Ich hoffe, dass er noch lange weiterspielt, sich noch steigern und ich ihm Kleinigkeiten zeigen kann - bei einem solchen Talent können es nur Kleinigkeiten sein.

Von wem haben Sie profitiert?

Ich hatte immer Leute um mich, die mich nach Erfolgen schnell wieder auf den Boden zurückgeholt haben. Es ist wichtig zu wissen, dass ein Team 100-prozentig hinter einem steht. Vorbilder habe ich nicht gebraucht, ich wusste immer, was ich machen musste.

Und sind bis heute der populärste Spieler hierzulande. Warum?

Im eigenen Land einen WM-Titel zu holen in einer Sportart, die vorher jahrzehntelang am Boden lag, da erinnern sich die Leute dran. Heute wäre das nicht anders, wenn die Deutschen zwei Goldmedaillen bei der WM und Olympia 2012 holen würden.

Doch Tischtennis scheint sich immer mehr zu verkaufen , um wieder populärer zu werden.

Im Tischtennis wird viel Geld umgesetzt, die Spieler verdienen gutes Geld, derzeit läuft alles gut. Das einzige Problem sind die Medien, da kannst du verändern, was du willst - wenn die nicht wollen, wollen sie nicht. Wieso ist Skispringen so viel in den Medien gewesen? Es ist eine langweilige Sportart, die wenige betreiben. Aber RTL hat gezeigt, dass aus jeder Sportart was zu machen ist.

(Interview: Katja Sturm)

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