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Der Rugby-Sport holt auf in Deutschland.

Rugby-Bundestrainer Ianusevici

Erst der liebe Gott, dann gleich der Schiedsrichter

Im Interview erzählt Rugby-Bundestrainer Peter Ianusevici über den Stellenwert von Rugby in Deutschland und einen besonderen Mannschaftsgeist.

Am Freitag beginnt in Neuseeland die Rugby-Weltmeisterschaft. Die deutsche Nationalmannschaft ist dort nicht vertreten, Bundestrainer Peter Ianusevici spricht über die Gründe.

Herr Ianusevici, am Freitag beginnt in Neuseeland die Rugby-WM. Werden Sie dort sein?

Deutschland ist ja nicht dabei.

Auch nicht als Zuschauer?

Ich bin der einzige hauptamtlich Angestellte im Deutschen Rugby-Verband, ich kann nicht mitten in der Saison einfach wegfahren.

Deutschland hat noch nie an einer WM teilgenommen. Ist Deutschland zu schlecht?

Die Spitzennationen sind Profinationen. Wir haben meist Amateur-Spieler und Amateur-Trainer. Aber es findet eine Entwicklung statt.

Inwiefern?

Im oberen Segment der Bundesliga gibt es zum Teil Profis. Zum Beispiel in Frankfurt und Pforzheim. Unser Ziel ist es, dass auch die Spieler der anderen Teams beruflich integriert bleiben, dass sie zugleich materielle Anerkennung bekommen. Aber es ist schwierig, Sponsoren zu finden, Rugby ist hier noch eine Randsportart.

Noch?

Wir spüren eine große Entwicklung, vor allem beim Siebener-Rugby.

Das müssen Sie erklären.

Wir haben im Grunde zwei Sportarten. Die traditionelle Sportart ist das 15er-Rugby, das auch bei der WM gespielt wird: 15 gegen 15. Parallel gibt es das olympische Rugby, sieben gegen sieben auf dem gleich großen Spielfeld. Das wird erstmals 2016 in Rio olympisch sein. Wir setzen auf das Siebener-Rugby.

Warum?

Es ist sehr leicht verständlich. Beim 15er-Rugby ist es ja immer so ein Problem, die Regeln zu verstehen. Das 15er-Rugby ist auch kampfbetonter, die olympische Disziplin eher ein Lauf-und-Pass-Rugby. Das zieht Zuschauer an.

Wie viele Spieler sind eigentlich in Deutschland aktiv?

Wir haben so um die 11.000 Mitglieder. Wir hatten da in den letzten sechs Jahren eine Steigerung von vielleicht 40 Prozent. Das Internet hat unsere Popularität sehr gesteigert. Eine Hilfe ist auch das Fernsehen. Von der WM werden ein paar Spiele bei Sport 1 live übertragen.

Warum schafft ein winziges Land wie Tonga eine WM-Teilnahme und das große Deutschland nicht?

Tonga, Samoa und die anderen ozeanischen Rugby-Nationen sind beeinflusst von den großen Nationen Australien und Neuseeland. Da spielt jeder Rugby, das ist Tradition.

Eine Tradition gibt es auch in Deutschland. 1872 wurde hier der erste Verein gegründet.

Wir sind eine der ältesten Rugby-Nationen der Welt. Das Problem ist, dass es Entwicklungen gab. Ein Grund ist in der Bewegung um Turnvater Jahn zu sehen, mit der sich die preußische Körperertüchtigung stark ausgebreitet und Rugby verdrängt hat, vor allem an Schulen und Universitäten. In der nationalsozialistischen Zeit waren angelsächsische Sportarten verboten. Damit hat Rugby endgültig seine Kontinuität verloren. Ein neueres Problem war, dass die Werte des Rugbys nicht richtig transportiert wurden. Die Ausschnitte im Fernsehen betonten immer sehr stark die Härte und nicht die großartigen Werte.

Welche Werte?

Im Rugby herrscht ein besonderer Mannschaftsgeist. Das liegt daran, dass der Ballträger immer vorn ist. Die anderen Spieler dürfen nicht vor ihm stehen, auf den Pass warten und Punkte machen. Er muss also immer den Ball mit dem Mitspieler zusammen erobern. Mut ist auch wichtig. Und Disziplin, vor allem gegenüber dem Schiedsrichter. Der kommt bei uns gleich nach dem Lieben Gott.

Das Gespräch führte Christian Schwager.

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