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Normalerweise ein perfektes Duo, nur diesmal nicht : Dressurreiterin Isabell Werth auf Bella Rose.

Dressur

Erst abgeklingelt, dann abgeräumt

Isabell Werth patzt bei der Deutschen Meisterschaft – und der Chefrichter zweifelte gar an seiner Wahrnehmung

Reinhard Richenhagen ist ein erfahrener Mann, bei großen Dressurturnieren sitzt er als gefragter Experte im Richterhäuschen. Doch was er da am Samstag in Balve sah, ließ ihn doch erheblich an seiner eigenen Wahrnehmung zweifeln. „Ich habe mich gefragt, hast du gestern vielleicht doch zu viel getrunken?“, sagte Richenhagen und gab zu: „Ich musste dreimal hinsehen.“

Was also war geschehen im Dressurviereck von Balve? Keine Geringere als die sechsmalige Olympiasiegerin Isabell Werth hatte den Chefrichter der deutschen Meisterschaften so verwirrt, dass er seinen Augen nicht trauen wollte. Nach einem formidablen Beginn mit ihrem Liebling Bella Rose im Grand Prix Special brachte ein Allerweltsfehler die erfolgreichste Reiterin der Geschichte so aus dem Rhythmus, dass Richenhagen nichts anderes übrig blieb als Werth abzuklingeln. Eigentlich unvorstellbar.

Nach dem Fehler im Angaloppieren aus der Passage war Bella Rose zunächst wie vorgeschrieben korrekt weitergaloppiert, dann fiel sie plötzlich in den Trab, es ging irgendwie alles durcheinander. Werth ließ sie wieder angaloppieren, wendete dann auf der Diagonalen und begann mit Zweierwechseln – anstatt der vorgeschriebenen Traversale. Richenhagen in seinem Richterhäuschen war so verwirrt, dass er sie die gesamte Diagonale durchwechseln ließ, bevor er endlich abklingelte.

Werth nimmt Schuld auf sich

„Ich hatte einen Aussetzer, und dann habe ich mich auch noch verritten“, sagte Werth, die wie immer, wenn irgendwas falsch läuft, alle Schuld auf sich nahm: „Ich habe mich schon bei Bella Rose entschuldigt, ich war leider nicht gut genug für sie.“ Am Ende, fügte sie hinzu, „sind wir eben alle keine Maschinen, wir machen Fehler. Aber ich muss auch zugeben, dass wahrscheinlich die letzte Konzentration gefehlt hat“, sagte Werth.

Bundestrainerin Monica Theodorescu erinnerte kurz an die Auswirkungen, die ein derartiger Fehler haben kann. „Natürlich passiert so etwas einfach mal, aber es kann sehr teuer sein“, sagte die 56-Jährige und bezog sich dabei auf die Tatsache, dass ein Abklingeln auf internationaler Ebene mit einem Abzug von zwei Prozent geahndet wird: „Und zwei Prozent mehr oder weniger können sich für alle blöd auswirken.“ National werden für ein Verreiten nur zwei Punkte abgezogen.

„Spätestens bis Aachen“ will Isabell Werth „meine Gehirnzellen so weit rekultiviert haben, dass ich alle Wege finde“. Das tat sie dann aber schon 24 Stunden nach ihrem ungewohnten Fauxpas: Mit ihrem Wallach Emilio („Gottseidank war ich wenigstens für ihn gut genug“) gewann sie in Balve mit deutlichem Vorsprung die Grand Prix Kür und lag dabei in allen fünf Wertungen in der B-Note für den künstlerischen Eindruck über 90 Prozent – einmal gab es sogar 96 Prozent.

Beim Chio im Juli in der Aachener Soers will Werth unbedingt auch mit Bella Rose wieder ganz oben stehen: „Mit ihr bin ich immer in einem ganz besonderen Flow.“ Wie man in Balve deutlich sehen konnte. dpa

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