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Riesenfreude über Platz zwei und drei: Markus Eisenbichler (l.) und Stefan Leyhe.

Skispringen

Entspannt in den Weltcup

Nach der Vierschanzentournee haben Eisenbichler, Leyhe und Co. kaum Zeit für Erholung. Das deutsche Team führt die Nationenwertung an.

Stephan Leyhe musste lange überlegen. Doch so recht wollte dem 27-Jährigen nicht einfallen, was er denn nun mit sich und diesem so überraschenden dritten Platz bei der 67. Vierschanzentournee anfangen sollte. Ausgelassen feiern? „Es ist ja keiner mehr da“, sagte Leyhe Schulter zuckend.

In der Tat: Die Rauchwolken des abschließenden Feuerwerks über dem Stadion von Bischofshofen hatten sich kaum verzogen, da eilten die deutschen Skispringer schon in ihre unweit jenseits der Grenze gelegenen Domizile davon. Nur Leyhe nicht, der Wahl-Schwarzwälder blieb notgedrungen eine Nacht, ehe er den Kollegen in Richtung Heimat folgte. So sind die Realitäten. Zeit ist ein kostbares Gut in diesen Tagen. Schon am Freitag ist man wieder auf der Schanze gefragt. Dann lädt Tournee-Champion Ryoyu Kobayashi im Val di Fiemme zur Revanche.

Erstes Doppelpodest seit 1991

Wobei das deutsche Team diese Gelegenheit ja relativ entspannt angehen kann. Die Nationenwertung des Weltcups weist den Deutschen Skiverband seit dem emotionalen Abend von Bischofshofen als Nummer eins aus. Und auch bei der Tournee blieb das deutsche Team seinem Prinzip treu: Mindestens einer kommt immer in Richtung Spitze durch. Und wenn es nicht die hochdekorierten Kräfte wie Richard Freitag oder Andreas Wellinger sind, dann eben Eisenbichler und Leyhe, die dem deutschen Team das erste Doppelpodest seit 1990/91 bescherten als Jens Weißflog und Dieter Thoma Bischofshofen als Nummer eins und drei der Tournee verließen.

Alleine nach ganz oben reichte es halt nicht. „Ein anderer war viel besser, das müssen wir anerkennen“, sagte Bundestrainer Werner Schuster. Ryoyu Kobayashi schwebte mit seinem nun wohl wegweisenden Sprungstil weit über der gesamten Konkurrenz. Markus Eisenbichler war ihm zwar gleich dreimal nahe gekommen, doch mehr als kitzeln konnte er den 22-jährigen Senkrechtstarter aus Fernost letztlich auch in Bischofshofen nicht. „Gerade hier hat er es in der Hand gehabt“, sagte Bundestrainer Werner Schuster, „man muss zur Kenntnis nehmen, dass er noch nicht reif ist für seinen ersten Sieg.“ Auch bei Stephan Leyhe machte der Österreicher noch ein bisschen fehlende Überzeugung aus: „Er ist momentan auf Platz vier einbetoniert. Er soll mal schauen, dass er auch mal einen Sieg macht.“ Eisenbichler selbst hatte schon nach Kobayashis Demonstration in Innsbruck verbal die Waffen gestreckt. „Es ehrt mich, dass ich zweimal mit ihm mitkämpfen konnte“, sagte er, „aber was er macht, das ist einfach der Wahnsinn.“

Bei der internationalen Konkurrenz klang das schon ungleich forscher. Allen voran beim Österreicher Stefan Kraft, der sich trotz seines Totalabsturzes in Garmisch-Partenkirchen (49.) mit gleich drei Podiumsplätzen eindrucksvoll in der Weltspitze zurückmeldete. Und der rot-weiß-rote Hoffnungsträger blies prompt zum Angriff auf den neuen Szenestar. „Wenn mir eine Bombe gelingt“, sagte er, „dann weiß ich, dass ich auch ihm mal zehn Punkte abnehmen kann.“ Mit anderen Worten: Im Gesamt-Weltcup ist der bemerkenswert stabil auftretende Kobayashi in diesem Winter kaum zu packen, doch vor allem beim WM -Heimspiel im Februar in Seefeld will es Kraft in jedem Fall wissen.

Mit derartigen Kampfansagen will man sich im deutschen Lager derzeit noch nicht befassen. Bundestrainer Werner Schuster setzt auf die Kraft des schlagkräftigen Kollektivs. So will er die nächsten Weltcups im Val di Fiemme, Zakopane und auch in Sapporo nutzen, um die Sorgenkinder Richard Freitag und Andreas Wellinger wieder zurück in Richtung Spitze zu führen. Viel Arbeit also, auch jetzt schon, in den freien Tagen nach der Tournee, wie auch Schuster ahnt.: „Es ist leider nicht so, dass ich jetzt zwei Tage in die Karibik fahren könnte.

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