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Cool wie immer: Dagur Sigurdsson.

Handball

Entscheidung in zwei, drei Wochen

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Bundestrainer Dagur Sigurdsson äußert sich erstmals zu Spekulationen über seine Zukunft.

Geht er? Geht er nicht? Diese Fragen bewegen seit fünf Tagen ganz Handball-Deutschland. Seit bekannt geworden ist, dass Noch-Bundestrainer Dagur Sigurdsson über seine eigene Demission nachdenkt, der 43 Jahre Erfolgscoach seinen eigentlich bis 2020 datierten Vertrag zum 31. Dezember dieses Jahres vorzeitig kündigen kann, ranken sich vielerlei Gerüchte um die Zukunft des Isländers. Internationale Topklubs wollten ihn abwerben, hieß es zunächst; selbst über einen Wechsel nach Japan war spekuliert worden. Am Montagmittag äußerte sich Sigurdsson nun erstmals öffentlich. So viel vorweg: Er redete viel – und sagte doch wenig. Eigentlich sei ja ohnehin schon alles zu lesen gewesen, sagte Sigurdsson über seine Zukunft. „Der DHB hat in seiner Pressemitteilung alles gesagt. Mehr habe ich auch nicht dazu zu sagen.“ So ist er halt, der coole, unnahbare Isländer.

Gewohnt emotionslos saß Sigurdsson im schmucklosen Saal Limburg auf dem Podium, vor ihm rund 20 erwartungshungrig ins mittelhessische Wetzlar gereiste Journalisten. Vor dem morgen anstehenden EM-Qualifikationsspiel gegen Portugal (19.00/Sport1) hätte der vielseitig Begabte natürlich am liebsten nur auf sportliche Fragen geantwortet. Über die Schwächen und Stärken der Iberer beispielsweise, die sehr abwehrstark seien, wie er betonte. Aber wer wollte das gestern schon wissen?

Erst auf Nachfragen gab’s etwas Gehaltvolleres. Noch in diesem November sei mit einer Entscheidung zu rechnen, sagte er. Dann bestünde Klarheit und alle könnten sich darauf einstellen. Nach einem Bekenntnis zum Deutschen Handball-Bund klang das nicht. „Ich muss eine Entscheidung treffen“, räumte Sigurdsson ein, „aber dafür habe ich noch zwei, drei Wochen Zeit.“

Der erfolgreiche Unternehmer, Trainer und bald auch Buchautor – seine Biografie „Feuer und Eis“ wird am 8. November in Berlin vorgestellt – war erst im August 2014 beim DHB eingestiegen. Protegiert vom DHB-Vize Bob Hanning führte der ehemalige Vereinscoach der Füchse Berlin den deutschen Handball binnen 24 Monaten zurück in die Weltspitze: WM-Fünfter 2015 in Katar, Europameister 2016 in Polen, dazu der Gewinn der olympischen Bronzemedaille in Rio. Die Vita des Dagur Sigurdsson weckt natürlich Begehrlichkeiten. Im Januar 2017 soll in Frankreich der WM-Sieg her. Mit einem Bundestrainer namens Sigurdsson auf der Bank? „Ich werde sicherlich bei der WM dabei sein“, konterte er, dabei huschte ihm gar ein knappes Lächeln übers Gesicht: „Das steht absolut fest.“ Warum auch nicht. Sollte er die Option bis zum Jahreswechsel ziehen, würde sein Vertrag ohnehin erst zum 30. Juni 2017 enden.

Zieht es ihn nach Paris?

Dem Vernehmen nach soll dann der wohl begehrteste Cheftrainerposten des internationalen Handballs frei werden: Finanzkrösus Paris Saint-Germain, momentan noch von Noka Serdarusic gecoacht, soll angeblich Interesse an Sigurdsson bekundet haben. Die Rede ist von einem Jahressalär in Höhe von 600 000 Euro. Das wäre eine Verdoppelung seiner bisherigen Bezüge beim DHB. Ein verlockendes Angebot, auch sportlich. Sigurdsson hat nie ein Hehl daraus gemacht, einmal die Champions League gewinnen zu wollen. Mit PSG könnte ihm das gelingen.

Darauf angesprochen, flüchtete sich Sigurdsson in Plattitüden: „Es kommt, wenn es kommt.“ Momentan, sagte er dann noch, „liegt kein Angebot auf dem Tisch“, kurze Pause, „über das ich entscheiden muss“. Nicht jetzt, aber vielleicht ja in zwei, drei Wochen.

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