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Unter Beobachtung: Das Moskauer Doping-Analyselabor.

RUSADA-Skandal

Ende des Geduldsspiels in Sicht: WADA-Experten in Moskau

Nach zwei ergebnislosen Visiten sollen die Experten der Welt-Anti-Doping-Agentur am Donnerstag endlich den Zugang zu den brisanten Doping-Daten im Moskauer Labor erhalten.

Das unwürdige Geduldsspiel um die Aushändigung der Doping-Dateien aus dem Moskauer Analyselabor an die Welt-Anti-Doping-Agentur könnte endlich ein Ende finden.

Die WADA-Experten sind nach zwei ergebnislosen Visiten nun erneut am Mittwoch in Moskau eingetroffen, um die Daten zu sichern. James Fitzgerald, Sprecher der Welt-Anti-Doping-Agentur, bestätigte die Ankunft des dreiköpfigen Teams: „Sie freuen sich darauf, morgen mit ihrer Arbeit zu beginnen.“

Kreml-Sprecher Dimitri Peskow hatte zuvor betont, dass es eine grundsätzliche Verständigung über die Übergabe mit der WADA schon vor Ablauf der gesetzten Übergabefrist (31. Dezember) gegeben habe. Verzögert sei der Vorgang durch „bestimmte Unstimmigkeiten in Bezug auf die Datenspeicherungsgeräte“ worden. „Ich würde sagen, dass diese Fragen nicht wesentlich waren, sie sind eher logistischer Natur gewesen“, meinte Peskow.

Die Original-Daten des „Laboratory Information Management System“ (LIMS) benötigt die WADA, um die Ergebnisse einer ersten Auswertung - die Agentur hatte eine LIMS-Kopie vor Monaten von einem Whistleblower zugespielt bekommen - zu bestätigen: Danach sollen 9000 Doping-Proben aus den Jahren 2011 bis 2015 auffällig gewesen sein und von rund 4500 Sportlern stammen. Erst auf Grundlage der Orginal-Daten können juristisch abgesichert individuelle Verfahren gegen russische Athleten eingeleitet werden. Am systematischen Doping in Russland und der Manipulation von Doping-Proben bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotchi waren auch staatliche Organisationen beteiligt.

Falls die Übergabe der Labor-Daten an die WADA-Experten wieder scheitern sollte, droht eine erneute Sperre der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA und damit stark eingeschränkte Startmöglichkeiten auf internationaler Ebene für die Sportler des Landes. Bis zum 30. Juni muss Russland zudem noch die Analyse der ebenfalls im Moskauer Labor lagernden Doping-Proben ermöglichen.

Als Affront und Schikane wurde die seit Jahren immer wieder von Russland verzögerte Herausgabe der Daten und Proben weltweit kritisiert und die WADA für Zugeständnisse attackiert. Der Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur, Travis Tygart, bezeichnete es als „Katz- und Maus-Spiel“. Auch die deutsche Nationale Anti-Doping-Agentur hatte sich der Kritik an der nicht kompromisslosen WADA-Diplomatie angeschlossen.

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