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Zum letzten Mal in Berlin: Die Duisburger Spielerinnen (von links) Annemieke Kiesel, Fatmire Bajramaj, Kathrin Längert und Elena Hauer jubeln mit dem DFB-Pokal.
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Zum letzten Mal in Berlin: Die Duisburger Spielerinnen (von links) Annemieke Kiesel, Fatmire Bajramaj, Kathrin Längert und Elena Hauer jubeln mit dem DFB-Pokal.

Frauen-Pokalfinale

Ende der Effekthascherei

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der Frauenfußball ist stark genug, um ein eigenständiges Pokalfinale auszuspielen, auch wenn der Abschied aus Berlin vielleicht weh tut. Köln ist der Favorit für die Nachfolge. Von Frank Hellmann

Es klang schon arg nach Effekthascherei, was Andy Wenzel da in sein Stadionmikrofon brüllte. "Es ist an der Zeit, allen Spielerinnen kräftig zu danken, dass sie es da unten aushalten." Dass der Marktschreier im Dienste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beim Frauenfinale zwischen dem FCR Duisburg und Turbine Potsdam den Aktiven im Sauwetter beistand, war zwar aller Ehren wert, doch dem Anlass eines Endspiels unter DFB-Hoheit nicht würdig.

Klang ja fast so, als würden dekorierte Nationalspielerinnen das erste Mal im Freien nass und müssten dafür mit Sonderapplaus belohnt werden. Der misslungene Versuch der Stimmungsmache war nur ein weiterer Beleg dafür, dass es der richtige Weg ist, den DFB-Pokal weiblicher Prägung in eine Position der Eigenständigkeit zu überführen. Mit eigenem Stadion, eigenem Termin und eigener Atmosphäre. "Wir wollen den nächsten Schritt gehen", sagt Hannelore Ratzeburg, zuständige DFB-Vizepräsidentin.

Seit 1981 dienen die Frauen als Muntermacher fürs Männerfinale. Doch auf die Vorspiel-Rolle reduziert zu werden, wird ihrem rasant gewachsenen Wert nicht mehr gerecht - und dafür bot die 25. Auflage in Berlin ein paar hübsche Belege.

Als sich beispielsweise am Samstagnachmittag die drei Duisburger Torhüterinnen warmliefen, war das Olympiastadion für den gemeinen Zuschauer noch gar nicht geöffnet. Und als um 16.30 Uhr angepfiffen wurde, waren weniger Menschen im Oval als in schlimmsten Zeiten von TeBe oder Tasmania.

Und was bitteschön sollen 1250 Schlachtenbummler jedes Teams an Stimmung verbreiten? "Wir hätten ja 5000 Karten verkaufen können", insistiert Duisburgs Trainerin Martina Voss, "aber die bekommen wir ja nicht." Deshalb ist es wohl nur so zu ertragen, wie es ihre Torjägerin Inka Grings aus Erfahrung tut: "Im Rausch solch eines Spiels kriege ich gar nicht mit, wie viele Zuschauer da sind."

Standort im Westen gesucht

Den Wegzug aus der Hauptstadt sehe sie mit "einem lachenden und weinenden Auge", wenn nun ein neuer Standort her müsse, dann "bitteschön einer im Westen." Auch Martina Voss, gebürtige Duisburger, plädiert für ihre Region, "da ist die Begeisterung für den Fußball riesengroß, da gibt es die meisten kickenden Mädels."

Dem Wunsch wird wohl Folge geleistet: Dem Vernehmen nach gilt Köln vor Leverkusen als Topkandidat für die Berlin-Nachfolge. Ausgerechnet Frauenfußball-Hochburg Frankfurt bliebe dann bei der zunächst probehalber bis 2011 erfolgenden Vergabe außen vor, nachdem der Bewerberkreis bereits auf Frankfurt, Gelsenkirchen, Köln, Leverkusen und Wolfsburg reduziert wurde.

Die DFB-Oberen wollen sich nicht den Vorwurf der Vetternwirtschaft gefallen lassen, schließlich ist Frankfurts Arena im Stadtwald gleich neben der Verbandszentrale schon bei der Frauen-WM 2011 zum Königsstandort gekürt worden.

"Köln hat ein wirtschaftlich erstklassiges Konzept präsentiert", sagt DFB-Präsident Theo Zwanziger nicht ohne Grund, "wir müssen nur abwägen, ob wir es sofort riskieren, in ein Stadion mit 50.000 Zuschauer zu gehen." Spielerinnen wie Linda Bresonik glauben, die Befüllung gelinge "nie und nimmer"; andere sind da optimistischer - entsprechende Marketingmaßnahmen vorausgesetzt.

Eine Hintertür lässt Zwanziger offen: "Wenn wir feststellen, dass die Zeit nicht reif ist, können wir auch wieder zurück nach Berlin." Wahrscheinlich ist das aber nicht. Offiziell soll die Causa am 12. Juni im DFB-Präsidium entschieden werden. Direktionsleiter Willi Hink und Generalsekretär Wolfgang Niersbach werden eine Empfehlung für die Abstimmung erarbeiten.

Es wäre keine Überraschung, ginge Köln daraus als Sieger hervor. Dann müsste man für die Frauen nur noch einen neuen Schlachtruf ersinnen. "Köln, Köln - wir fahren nach Köln" klingt erst mal ungewohnt. Aber vielleicht fällt einem was Originelleres ein. Andy Wenzel kann ja mal nachdenken.

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