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Handball-Bundestrainer Christian Prokop jubelt.

Debatte um Handball-Bundestrainer

Ende der Diskussion

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DHB-Sportvorstand Kromer spricht Christian Prokop sein volles Vertrauen aus, auch im Namen seiner Kollegen. Doch die vorangegangene Diskussion hinterlässt Spuren bei den Beteiligten.

Axel Kromer ist kein Mann, der dauerhaft in der Öffentlichkeit steht. Der Vorstand Sport des Deutschen Handball-Bundes (DHB) ist eher der Mann in der zweiten Reihe, die Positionen im Rampenlicht werden im deutschen Handball von anderen Protagonisten besetzt. Gestern änderte sich das, bei der Europameisterschaft in Wien trat Kromer aus dem Schatten heraus. Der nach den Strukturen des Verbandes verantwortliche Mann wollte die Debatte um Bundestrainer Christian Prokop beenden und wählte deshalb Formulierungen, die in ihrer Klarheit keinen Interpretationsspielraum lassen. „Natürlich gehen wir mit Christian Prokop Richtung Olympia“, sagte Kromer am Tag vor dem letzten Hauptrundenspiel der EM am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF) gegen Tschechien. Vor dem 34:22-Erfolg gegen Österreich am Montag war eine Diskussion entflammt, ob der Bundestrainer möglicherweise schon vor der im April anstehenden Olympia-Qualifikation ausgetauscht werden könnte.

Bob Hanning hatte den Anstoß mit der Aussage gegeben, dass die Mannschaft im Duell gegen Österreich zeigen müsse, „was sie mit ihrem Trainer“ mache. Zwar ruderte der DHB-Vizepräsident anschließend verbal zurück und fühlte sich falsch interpretiert, aber die Aussage war gefallen und befeuerte die Frage, ob Prokop der richtige Mann für den Posten sei. „Ich möchte die Chance nutzen, um zu erklären, dass es intern nie eine Diskussion gab, ob Christian der richtige Trainer ist“, sagte Kromer nun. Das Verpassen des Halbfinales durch die unglückliche 24:25-Niederlage gegen Kroatien hatte zuvor dafür gesorgt, dass ehemalige Nationalspieler hinter vorgehaltener Hand oder wie Daniel Stephan, einstiger Welthandballer, ganz offiziell die Fähigkeiten von Prokop angezweifelt hatten.

Kromer fühlte sich deshalb bemüßigt, vielleicht sogar durch die öffentlich geführte Debatte gezwungen, ein klares Statement für den Bundestrainer abzugeben. Dies tat er unter anderem mit einem Hinweis auf die Spieler. „Wir haben gnadenlos überzeugte Spieler erlebt“, sagte Kromer. Die hatten sich mit ihrer Leistung gegen die Österreicher und mehr noch mit ihren Aussagen danach für Prokop stark gemacht. Während der 60 Minuten bewiesen sie mit einer konzentrierten Vorstellung gegen den Co-Gastgeber der EM, dass sie nach dem Verpassen des Medaillentraums kein Motivationsproblem haben. Johannes Bitter, der als Torwart eine überragende Leistung zeigte, sagte in Richtung der Debatte um Prokop: „Wer nach den Spielen hier in Wien irgendwas infrage stellt, der hat den Handball nicht wirklich verstanden.“ Hendrik Pekeler legte verbal nach. „Wenn man vom Halbfinale spricht und es nicht erreicht, ist klar, dass es kritische Stimmen gibt. Aber auf der Trainerposition brauchen wir keine Veränderung“, sagte der Abwehrchef.

Prokop kannte die Aussagen seiner Spieler noch nicht, als er mit der öffentlich entstandenen Debatte um seine Person konfrontiert wurde. Der 41-Jährige wich der Thematik nicht aus, er stellte sich und wehrte sich gegen die Kritik. „Wenn ich das höre, ist das nicht schön, weil das einfach Quatsch ist“, sagte Prokop: „Nach so einem Spiel wie gegen Kroatien würde das ja im Umkehrschluss bedeuten, wenn man als deutscher Trainer mit einer deutschen Mannschaft gegen Kroatien nach einem harten Fight verliert mit einem Tor, dass man wie selbstverständlicher in Frage gestellt wird. Das ist schon sehr hart.“ Prokop, eigentlich in seinen öffentlichen Aussagen sehr zurückhaltend und vorsichtig, positionierte sich klar, und gab Einblick in sein Seelenleben. „Ich kann es nicht verheimlichen, dass ich Nachrichten bekommen habe, wo Freunde nachfragen, was da los ist. Das kann ja nicht sein. Dann ist man schon ein bisschen nachdenklich und unruhig. Es ist keine schöne Situation“, sagte der Bundestrainer.

Kromer beendete die Diskussion nun. Mannschaft und Trainer haben gegen Tschechien und im Spiel um den fünften Platz am Samstag in Stockholm die Möglichkeit, mit Erfolgen und überzeugenden Auftritten dafür zu sorgen, dass sie nicht mehr entflammt.

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