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EM-Gastgeber gerettet

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Der polnische Sportminister möchte die EM 2010 in Polen und der Ukraine nicht gefährden.
Der polnische Sportminister möchte die EM 2010 in Polen und der Ukraine nicht gefährden. © ap

Wenige Stunden vor Ablauf des Ultimatums ist der Konflikt beigelegt: Der polnische Fußballverband soll schriftlich zugeben, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Nach tagelangem Streit herrscht in Polen wieder "Fußball-Frieden" - und die Fans können endlich aufatmen. In letzter Minute haben die Regierung und der Fußballverband PZPN nach ihrer heftigen Auseinandersetzung eine Einigung erzielt und damit drohende Sanktionen des Weltverbandes FIFA abgewendet.

Durch die Kompromisslösung hat Polen eine Suspendierung vermieden, sagte FIFA- Präsident Joseph Blatter am Montag. Wie die FIFA in einer Presseerklärung mitteilte, soll der umstrittene PZPN-Verwalter Robert Zawlocki schnellstmöglich wieder abberufen werden.

Vor dem Ablauf des Ultimatums am Montag um 12.00 Uhr habe die FIFA Schreiben der polnischen Regierung und des nationalen Fußballverbandes erhalten, die eine "positive Entwicklung" andeuten.Damit steht auch der Austragung der WM-Qualifikationsspiele Polen gegen Tschechien (11. Oktober) und die Slowakei (15. Oktober) nichts mehr im Wege. Die FIFA hatte wegen der Einmischung der Regierung mit einer Suspendierung des Verbandes gedroht. Der Weltverband will allerdings die Entwicklung in Polen weiterhin aufmerksam beobachten.Das heiße Thema soll beim Treffen der FIFA-Exekutive am 23/24.Oktober nochmals diskutiert werden.

Zawlocki war am vergangenen Montag eingesetzt worden, gleichzeitig wurde die alte PZPN-Führung mit Präsident Michal Listkiewicz an der Spitze suspendiert. Sportminister Miroslaw Drzewiecki hatte das radikale Vorgehen mit rechtswidriger Tätigkeit und fehlender Bereitschaft des Verbandes zur Bekämpfung der Korruption begründet.

Die UEFA drohte mit der Aberkennung der EM 2012

FIFA und UEFA lehnen diese Maßnahmen als einen Eingriff der Regierung in die Autonomie des nationalen Verbandes ab. Die UEFA drohte zugleich mit der Aberkennung der Europameisterschaft 2012, die Polen als Co-Gastgeber mit der Ukraine ausrichten soll.

Nach Angaben des Sportministeriums sieht der erreichte Kompromiss die Verpflichtung des Ressortchefs vor, spätestens am Dienstag den Antrag auf Abberufung des umstrittenen Verwalters zu stellen. Zudem soll die suspendierte PZPN-Spitze wieder ins Amt eingeführt werden.Der Fußballverband gab im Gegenzug Unregelmäßigkeiten in seiner Tätigkeit zu. Die Fehler sollen unter Kontrolle einer unabhängigen Kommission "schnellstens" abgestellt werden. Am 30. Oktober soll die Wahl des neuen PZPN-Präsidenten stattfinden. Um dieses Amt bewerben sich unter anderen zwei weltbekannte Ex-Nationalspieler: Zbigniew Boniek und Grzegorz Lato.

Der polnische Fußball wird seit Jahren durch Schmiergeldskandale erschüttert. Seit 2005 wurden mehr als hundert Funktionäre, Schiedsrichter und Spieler unter Korruptionsverdacht verhaftet. In den vergangenen Jahren hatte die Regierung zweimal versucht, die Kontrolle über PZPN zu verstärken. Die meisten polnischen Medien unterstützten das harte Vergehen des Sportministers gegen den Verband. Der Publizist der größten polnischen Qualitätszeitung "Gazeta Wyborcza", Michal Pol, bezeichnete den Kompromiss als "totale Kapitulation". Das Blatt bezeichnete die FIFA als die "mächtigste, reichste und am meisten korrumpierte Sportorganisation der Welt".

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