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Ekelhaft vorbereitet

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In Baku erfolgreich in die WM gestartet: Hamza Touba.
In Baku erfolgreich in die WM gestartet: Hamza Touba. © imago

Bei der Weltmeisterschaft in Baku wehren sich die Boxfunktionäre gegen Korruptionsvorwürfe. Insider vermuten eine gezielte Kampagne gegen das Boxen nach olympischen Regeln.

Von Karin Bühler

Seit Montag steigt das Adrenalin der Amateurboxer im Ring: in Baku haben die Weltmeisterschafts-Kämpfe begonnen. Aber auch hinter den Kulissen ist in der Hauptstadt von Aserbaidschan die Aufregung unter den Boxfunktionären gestiegen, seit der britische Fernsehsender BBC behauptet, ein Geschäftsmann aus Aserbaidschan habe den Box-Weltverband (Aiba) durch eine Zahlung an die World Series Boxing (WSB) mit 6,5 Millionen Euro bestochen und als Gegenleistung zwei olympische Goldmedaillen bei den Sommerspielen in London verlangt.

Die Stimme von Jürgen Kays jedenfalls wird am Telefon immer lauter, als er seine Empörung über die Korruptionsvorwürfe zum Ausdruck bringt. „Das ist eine perfide Art von gewissen Leuten, die versuchen, aus persönlichen Gründen Sand ins Getriebe zu streuen. Es ist eine Art Retourkutsche“, ereifert sich der Präsident des Deutschen Boxverbandes (DBV). Der pensionierte Polizeihauptkommissar aus Lengerich in Westfalen ist Mitglied des Exekutiv-Komitees der Aiba.

DBV steht hinter der Aiba

Der über Jahrzehnte hinweg korrupte Weltverband bemüht sich seit der Abwahl des despotischen Präsidenten Anwar Chowdhry und nicht zuletzt auf Druck des Internationalen Olympischen Komitees seit der Amtsübernahme des Taiwanesen Chin-Kuo Wu im Jahr 2006 um mehr Transparenz und umfangreiche Modernisierungen. Skandale und neue Korruptionsvorwürfe sind das letzte, was die Aiba brauchen kann, die sich allerdings trotz aller Integritätsbeteuerungen in dem Usbeken Gofur Rachimow noch immer einen Vizepräsidenten leistet, der laut Polizeidokumenten mit organisierter Kriminalität und Drogenhandel in Verbindung steht.

Am Samstag, beim Kongress des Weltverbandes in Baku, erzählt Kyas, hätten sich alle Mitgliedsländer einstimmig und ausdrücklich gegen die Vorwürfe aus dem BBC-Report verwahrt. Auch der DBV stehe zu einhundert Prozent hinter der Aiba. „Das ist eine Schmutzkampagne, die sich gegen das olympische Boxen insgesamt richtet“, behauptet Kyas.

Eine Kampagne, die seiner Meinung nach „von langer Hand ekelhaft vorbereitet“ wurde von ehemaligen und inzwischen allesamt suspendierten Boxfunktionären wie dem früheren Aiba-Vizepräsidenten Paul King aus Großbritannien, dem ehemaligen Präsidenten des rumänischen Boxverbandes und dem suspendierten US-Funktionär Jeff Benz.

Durch das neue Zählsystem sei eine Manipulation der Kämpfe schon aus rein technischen Gründen gar nicht mehr möglich, meint Kyas. Die Aiba hat inzwischen eine Untersuchungskommission eingesetzt, um die Vorwürfe aufzuklären.

Die WSB, eine Liga mit zwölf Teams, in der Amateure ohne Kopfschutz und mit freiem Oberkörper boxen, ist eine der Neuerung, mit der die Aiba das olympische Boxen populärer machen will. Ab November startet in den Leipzig Leopards erstmals eine deutsche Staffel in dieser Liga. Marco Schulze, der Generalmanager der Leopards, weiß von einer Summe, die von einem privaten Investor aus Aserbaidschan an die WSB geflossen ist – als Anschubfinanzierung, als Kredit, sagt er. Das ja. Aber dass dafür in London Goldmedaillen versprochen wurde, hält er für abwegig, weil weder Punktemaschinen noch Punktrichter Manipulationsspielraum ließen.

„Die olympischen Kampfrichter, die ich kenne, würden eher aus dem Anzug springen“, sagt Schulze. Schließlich wüssten sie, dass sie nach den Skandalen von früher unter genauer Beobachtung stehen. Eine gezielte Kampagne, um dem olympischen Boxsport zu schaden, kann sich Schulze aber durchaus vorstellen – initiiert aus dem Umfeld des Profisports.

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