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Die Neuseeländer dürfen sich auch mal über ein Tor freuen.

Neuseeland

Eishockey in Mittelerde

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Über einen Deutschen, der einst nach Neuseeland ging – und dort nun Eishockey-Nationaltrainer ist.

Dass Neuseeland wirklich das andere Ende der Welt ist, zeigt sich an den Uhrzeiten. Von Deutschland zwölf Stunden entfernt, das Maximum. Wenn man sich mit Andreas Kaißer zum Skypen oder Telefonieren verabredet, muss man nur klarstellen, bei wem p.m. und bei wem a.m. gemeint ist. 8 Uhr (Deutschland) gleich 20 Uhr (Neuseeland). Am Ende des Gesprächs wünscht Deutschland dann „einen schönen Abend noch“ und Neuseeland „einen erfolgreichen Arbeitstag“.

Dass ein Deutscher dort unten landet, ist ja schon außergewöhnlich. Bei Kaißer, 47, hatte es mit dem Beruf zu tun. Er hatte Industriekaufmann gelernt, war Personalfachwirt. 2003 wurde er arbeitslos. Einen neuen Job fand er nicht in Deutschland, sondern in Neuseeland, dort betreibt er Personalanalyse. („Human Ressources. Wie sagt man auf Deutsch?“ Genau so inzwischen). Das ist sein Beruf, davon lebt er.

Eishockey ist seine Leidenschaft. Er hat beim EHC Klostersee im Nachwuchs gespielt, und schon als 14-Jähriger wurde er in die Trainerarbeit eingebunden. Kaißer machte Trainerscheine beim Bayerischen Eissportverband, er war auch mal Gasttrainer in Kanada. Ein richtiger Spieler war er nie.

Als er nach Neuseeland kam, nach Auckland, hat er geschaut, ob man hier etwas mit Eishockey machen kann. So nebenbei. Und tatsächlich wurde ein Trainer gesucht. So stieg Andreas Kaißer aus Grafing beim Aucklander Team Botany Swarm ein. Er brachte sogar einen guten Spieler mit: „Meine Frau hat zwei Söhne. Einer ging mit nach Neuseeland.“ Georg Huber, ausgebildet in Klostersee und Erding, wurde zu Charlie Huber, er nahm die neuseeländische Staatsbürgerschaft an und konnte in der Nationalmannschaft spielen.

Andreas Kaißer war über zehn Jahre bei Botany Swarm, kurz auch in Australien, er trainierte Nachwuchsmannschaften, das neuseeländische Nationalteam. Jetzt ist er Co-Trainer unter dem Ukrainer Anatoly Khorozow, man bereitet sich vor auf die Weltmeisterschaft der Division II, Gruppe B, das ist sozusagen die fünfte Liga im Welt-Eishockey, wird dafür sogar ein Trainingslager in Vail, Colorado beziehen. Aber das gibt es nicht geschenkt. Jeder Spieler wird 3500 US-Dollar beitragen müssen.

0:58 gegen Australien 

Eishockey ist in Neuseeland kein Sport, mit dem man Geld verdient. Es ist ein Sport, für den man bezahlt. „Staatliche Förderung“, sagt Kaißer, „gibt es keine“. Mangels irgendwelcher Aussichten auf Ruhm, Ehre, Medaillen. Stars sind andere: die Rugbyspieler, die Ruderer, die Reiter, die Feldhockey- und Cricket-Spieler. Kaißer ist auch General Manager der Liga, der New Zealand Ice Hockey League. Fünf Klubs. Ihre Saison ist überschaubar, von Ende Mai bis August, wenn auf der südlichen Erdhalbkugel Winter ist. Man spielt viermal gegen jeden anderen Verein, macht 16 Partien. Zweiter und Dritter tragen gegeneinander ein Playoff aus, der Sieger kommt ins Finale gegen den Ersten. Best of Three.

Ein Kuriosum: Nicht alle Eisflächen sind gleich groß. Eine hat die kompakten NHL-Maße, eine die olympische Norm wie in Europa. Die anderen liegen dazwischen. Die Zuschauerzahlen: In Auckland 300 bis 400 im Schnitt, das sind wenige für eine Stadt mit 1,4 Millionen Einwohnern. In Queenstown kommen 500, und das ist ordentlich. Queenstown ist eine Gemeinde wie Grafing.

Ja, es gibt Ausländer in der NZIHL. Kanadier, Europäer. „Doch sie kriegen kein Geld“, versichert Kaißer. Die Vereine übernehmen die Kosten für den Flug und die Transfergebühr, die der Weltverband IIHF erhebt. Er verschafft den Spielern auch Kontakte zu örtlichen Geschäftsleuten, die einen Job zu vergeben haben. „Aber wer ein Dach überm Kopf haben will, muss arbeiten.“

Im Grunde läuft es mit den Trainern so ähnlich. Es gibt Kooperationen mit dem schwedischen Verband, mit Hockey Canada oder den Amerikanern. Die schicken ihre Leute, bezahlen sie im Idealfall sogar. Der Deal für die Trainer ist: Sie verbinden die Arbeit mit dem Job, sie genießen die prächtige Natur, die tatsächlich aussieht wie Mittelerde in den „Herr der Ringe“-Filmen, allesamt hier abgedreht. Dazu den Lifestyle. Neuseeland ist bedingungslos multikulti – der Anschlag von Christchurch traf das Land in seiner Seele.

Beim Eishockey sind die 4,5 Millionen Einwohner eine Referenzgröße. Das ist wie Finnland. Oder die 1700 registrierten Eishockeyspieler(innen). Wie Litauen oder Estland. Trotzdem wird sich Neuseeland nie mit ihnen messen können. Estland als schwächste dieser Nationen spielt zwei WM-Klassen höher und hat Neuseeland bei der letzten Gelegenheit ein 19:0 verpasst. Die schlimmsten Zeiten liegen aber hinter den Neuseeländern. 1987 verloren sie ein Länderspiel gegen Australien 0:58.

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