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Vettel verlässt Ferrari am Saisonende.

Vettel und Ferrari

Die einstige Traum-Ehe endet

Sebastian Vettel wird Ferrari nach der Saison 2020 verlassen. Der viermalige Weltmeister droht die Scuderia ohne WM-Titel mit den Roten als Unvollendeter zu verlassen.

Das Ende der einstigen Traum-Ehe der Formel 1 verkündeten Sebastian Vettel und Ferrari mit kühlen Belegen für die zerrüttete Beziehung. Von fehlender "Harmonie" und dem richtigen Zeitpunkt für einen Schlussstrich war die Rede in einer Mitteilung, die am Dienstag die spektakuläre Trennung offiziell machte und die Königsklasse erschütterte.

Der viermalige Weltmeister und die stolze Scuderia - was 2015 als vermeintlich perfektes Match seinen Anfang nahm, wird nach der Saison 2020 enden. "Das Team und ich sind zu der Erkenntnis gekommen, dass der gemeinsame Wunsch, über die Saison hinaus weiter zusammenzuarbeiten, nicht mehr besteht", sagte Vettel.

Beide Seiten wurden sich bei den Gesprächen über eine Verlängerung des auslaufenden Vertrages nicht einig. Am Geld, betonte Vettel, scheiterte der Deal nicht. Neben der deutlichen Gehaltsreduzierung dürfte Vettel vor allem die kurze Laufzeit von ein bis zwei Jahren, die ihm Ferrari geboten haben soll, nicht gepasst haben.

Die Differenzen zwischen dem Deutschen und dem Team, in dem ihm im Vorjahr vom aufstrebenden Monegassen Charles Leclerc der Rang abgelaufen war, sind zu groß geworden. Nach 103 Grand Prix und 14 Siegen für die Roten fehlte Vettel offenbar die Anerkennung.

Vettel dankte dem Ferrari-Team in einer Mitteilung zwar, ließ seine Frustration aber zwischen den Zeilen durchblicken. „Um in diesem Sport das bestmögliche Ergebnis einzufahren, ist es für alle Parteien wichtig, in perfekter Harmonie zu funktionieren“, sagte er.

Scuderia-Teamchef Mattia Binotto betonte, es habe keinen spezifischen Grund für die Trennung gegeben, außer dem gemeinsamen Glauben, „dass die Zeit gekommen ist, getrennte Wege zu gehen, um unsere jeweiligen Ziele zu erreichen.“

Völlig unerwartet kommt Vettels Abschied nicht. Der 32-Jährige, zuvor viermal Weltmeister mit Red Bull, war nach Maranello gekommen, um den darbenden Rennstall wieder zum Titel zu führen. Gegen Mercedes und Lewis Hamilton gelang das bislang nicht. Vettels Wunsch, wie sein Idol Michael Schumacher beim berühmtesten aller Rennställe den WM-Thron zu besteigen, blieb in fünf Jahren unerfüllt.

Dies, die vielen Patzer im Vorjahr und die starken Auftritte des jungen Teamkollegen Leclerc haben seine Stellung im Team geschwächt. Italiens Presse zeigte sich wenig überrascht. "Zwischen Vettel und Ferrari herrschte schon seit längerer Zeit eisiger Wind", urteilte der Corriere della Sera. Der Corriere dello Sport schrieb: „Sebastian Vettel zahlt einen hohen Preis für die vielen Fehler, die er bei Ferrari begangen hat.“

Es ist ein Abschied mit Ansage. Ist es auch ein Abschied für immer? Wie es ab 2021 mit Vettel weitergeht, ist völlig unklar. Dem Renault-Werksteam wird ebenso wie McLaren Interesse am Deutschen nachgesagt, allerdings scheint auch ein Abschied aus der Formel 1 nicht unmöglich.

Er werde sich nun Zeit nehmen, um über seine Zukunft nachzudenken. Auch die Auswirkungen der Coronakrise dürften dabei eine Rolle spielen. Die Priorität in der nahen Zukunft liegt bei Vettel auf der Saison 2020, die wegen der Corona-Pandemie noch immer nicht gestartet ist und Anfang Juli ohne Zuschauer beginnen soll. Dann beginnt Vettels Ferrari-Abschiedstour - und die letzte Chance auf den ersehnten Titel mit den Italienern.

Mit Vettels Abschieds-Ankündigung nimmt derweil das Fahrer-Karussell Fahrt auf. Zur Saison 2021 wird das neben Mercedes begehrteste Cockpit der Formel 1 frei. Die Spekulationen reichen von Daniel Ricciardo über Carlos Sainz bis Lewis Hamilton. Für Mick Schumacher, dem Sohn von Vettels Idol, ist im Jahr des Formel-1-Umbruchs derweil noch kein Platz bei Ferrari. (sid)

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