+
Kein glücklicher Teufel: Benjamin Köhler

1. FC Kaiserslautern

Der einsame Kampf des Benjamin Köhler

  • schließen
  • Jörg Hanau
    Jörg Hanau
    schließen

Beim 1. FC Kaiserslautern schlägt sich der Ex-Eintrachtler mit alten Problemen herum: Pfiffe und Schmähungen der eigenen Fans - dabei liefert der Techniker gegen den FSV eine herausragende Leistung ab

Pfiffe von den eigenen Fans ist Benjamin Köhler gewohnt. Aber kann man sich auch daran gewöhnen? „Ach, wissen Sie“, sagt der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler des 1. FC Kaiserslautern, „ich habe jetzt ein gewisses Alter, eine gewisse Erfahrung. Ich weiß, dass gepfiffen wird, wenn es nicht so läuft. Es ist heute so und morgen so. Ich lege darauf nicht so viel Wert.“ Immerhin waren die Schmähungen der Lauterer Fans so weit vernehmbar, dass später sogar Trainer Franco Foda einschritt und beherzt dazwischengrätschte. „Ich habe mich sehr darüber geärgert, was da hinter der Trainerbank los war, als ich Benny eingewechselt habe. Es wird hier sehr kritisch mit diesem Spieler umgegangen. Das ist nicht korrekt. Benny ist ein Teil unserer Mannschaft.“

Pfiffe kennt Köhler

Eigentlich eine gut gemeinte, aber im Kern doch entlarvende Aussage. Denn Winterneuzugang Benjamin Köhler wirkt in der Pfalz noch immer wie ein Fremdkörper – so, als sei er nicht willkommen und so, als fühle er sich auch nicht besonders wohl in seiner Haut. Die Pfiffe der Fans schluckt Köhler mittlerweile locker runter. Er ist da ein gebranntes Kind, kennt das aus Frankfurter Zeiten. Da kämpfte er seit seinem ersten Tag um die Gunst und die Wertschätzung der eigenen Anhänger, die ihn nicht selten am Zaun übel beschimpften. Erst spät, ganz spät akzeptierten die Eintracht-Fans den kleinen Techniker. Eine Liebesbeziehung wurde es nie. Davon ist er auch am Betzenberg weit entfernt, dort schlägt ihm, dem ehemaligen Frankfurter, blanke Ablehnung entgegen.
Am Sonntag kam Köhler nach genau acht Minuten für den verletzten Mimoun Azaouagh ins Spiel, ein Murren und Raunen wehte durch den Betzenberg, bei jedem versprungenen Ball stöhnten und grummelten die Zuschauer vernehmlich. Köhler ist nicht wohlgelitten in der Pfalz. Wieso, weiß er selbst nicht.

Dabei spielte Benjamin Köhler gegen den FSV so, wie man es von ihm erwartet hatte, als die Lauterer den gebürtigen Berliner im Winter für 300000 Euro von Eintracht Frankfurt loseisten und ihn mit einem Vertrag bis 2014 ausstatteten. Doch Köhler konnte die in ihn gesteckten Erwartungen nie erfüllen, nicht an die Leistungen anknüpfen, die er in seinem letzten Zweitligajahr für die Eintracht gezeigt hatte. In 32 Spielen machte er dort neun Tore und bereitete elf Treffer vor, nie war er so wertvoll wie damals. Nach dem Aufstieg begann freilich sein Abstieg, das Frankfurter Spiel war einfach über Benjamin Köhler hinweggegangen, es war schlicht zu schnell und schnörkellos geworden für den klugen Fußballer, der das Spiel anders interpretiert, es auch gerne mal verschleppt.

"Mache mir keinen Druck mehr"

In Kaiserslautern hat er eine harte Zeit hinter sich, in den letzten sieben Spielen stand er nicht mehr in der Startformation, zuweilen schaffte er es nicht mal mehr ins Aufgebot. Köhler hat sich das alles ganz anders vorgestellt, nimmt die Zurücksetzung aber fast schon stoisch hin. „Ich mache mir keinen Druck mehr. Ich mache das für mich selbst. Man muss damit umgehen können und die Nerven bewahren.“ Das hat er geschafft, gegen den FSV zeigte er eine herausragende Vorstellung – obwohl seine ersten drei Pässe prompt in den Beinen des Gegners landeten.
Doch mit persönlichen Fehlleistungen hielt er sich noch nie lange auf, es zeichnete ihn stets aus, dass er sich nie ins Bockshorn jagen ließ und auch dann noch den Ball forderte, wenn er ihn zuvor dreimal verloren hatte. Köhler bereitete die Führung für den FCK mit einem feinen Pass in die Tiefe auf Mohamadou Idrissou vor, der wunderbar auf Albert Bunjaku querlegte. Es war der Türöffner für die Pfälzer.

Traumpaar Köhler/Idrissou

Köhler selbst trug sich ebenfalls zum ersten Mal in die Schützenliste ein, sein 3:0 bereitete Mo Idrissou perfekt vor. Überhaupt harmonierten die beiden Ex-Frankfurter prächtig, immer wieder war es Köhler, der den Kameruner mustergültig ins Spiel brachte. Idrissou, einst am Bornheimer Hang am Ball, hätte den FSV in der zweiten Hälfte alleine abschießen können. Tat er aber nicht. Beide wohnen übrigens noch immer in Frankfurt und fahren gemeinsam zu den Trainingseinheiten nach Kaiserslautern. Die Eintracht verfolgt Köhler noch höchst aufmerksam, war noch einige Male im Stadion. Als er von Alex Meiers Traumtor vom Samstag gegen Düsseldorf erzählt, leuchten seine Augen.
Mit dem FCK kann er übrigens erneut in die Bundesliga aufsteigen, es wäre sein dritter Aufstieg. Ein Garant dafür ist Mo Idrissou, der am Sonntag auffällig mannschaftsdienlich spielte, nachdem er seine Mitspieler nach der Niederlage in Cottbus in die Pfanne gehauen hatte. Und natürlich musste er erklären, wie genau seine Aussage zu deuten sei, dass er kein Schwuler sei und auch kein Schwuler werde. Er habe das alles nicht so gemeint, es sei ein Missverständnis gewesen. „Ich wollte niemanden beleidigen, ich bin es, der jede Woche Beleidigungen schlucken muss von Gegenspielern.“ Er habe viele schwule Freunde. „Und von denen versteht keiner, wieso daraus so ein Drama gemacht wurde.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion