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Sprangen vom Drei-Meter-Brett auf Rang vier: Patrick Hausding (links) und Lars Rüdiger.

Wassersport

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Wasserspringer Patrick Hausding schnuppert zweimal an WM-Bronze.

Zwei Olympia-Tickets im Freiwasser, drei Finalplätze für die Wasserspringer – der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) ist auch ohne die von Patrick Hausding zweimal nur knapp verpasste Medaille hoffnungsvoll in die WM gestartet. Kurz vor dem Start von Goldkandidat Florian Wellbrock und dem ersehnten WM-Comeback der Wasserballer schnupperte Rekordeuropameister Hausding zusammen mit Lars Rüdiger und im Einzel in Gwangju zweimal an Bronze. Freudentränen gab es am Sonntag in Südkorea nach dem Rennen der Langstreckenschwimmerinnen Finnia Wunram und Leonie Beck und der gemeisterten Olympia-Qualifikation.

Wellbrock schaute sich den Freiwasserkrimi im Hafen des sonnigen Expo Ocean Parks in Yeosu noch lässig durch seine coole Sonnenbrille an. Vor allem der 21-Jährige soll dafür sorgen, dass die noch zwei Wochen dauernden Weltmeisterschaft für den DSV glanzvoll enden. Ihm und Teamkollege Rob Muffels vermittelte das wilde Gegeneinander bei den Frauen schon einmal einen ersten Eindruck, wie hart es bei 75 Teilnehmern am Dienstag (1 Uhr/MESZ) im Männer-Wettbewerb beim Run auf zehn Tokio-Tickets zugehen dürfte.

„Wenn die Jungs das als Motivation ansehen, und da bin ich überzeugt von, dann war das wirklich ganz, ganz toll“, sagte Bundestrainer Stefan Lurz nach dem erreichten „Riesenziel“ mit den Plätzen acht für Wunram und neun für Beck. Letztere musste gar 20 Minuten warten, ehe es nach dem intensiven Videostudium der Jury das erlösende „Ja“ für Olympia gab. „Diese 20 Minuten waren fast aufregender als das Rennen“, sagte Lurz. Weinend vor Glück fiel Beck dem Trainer und ihrem Papa, einem Teamarzt, in die Arme.

Sehr eng ging es auch im anderthalb Stunden entfernten Nambu University Aquatics Center zu. Hausding und Rüdiger fehlte auf Rang vier im Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett nicht viel zu Bronze und dem Olympia-Ticket. Die Qualifikation wollen die beiden Berliner Klubkollegen im nächsten Jahr beim Weltcup in Tokio nachholen. Noch in Südkorea will sich Hausding im Kunstspringen vom Drei-Meter-Brett das Startrecht für Olympia sichern. Und vielleicht geht es nach den Plätzen fünf und vier nun in der olympischen Disziplin noch ein Stück weiter nach vorne.

„Keine Ahnung“, sagte der nach dem WM-Start erleichterte Hausding, der in dieser Saison nach einem schweren Trainingssturz erst langsam in Schwung kam. „Mein Primärziel ist es, dass ich ins Finale komme. Ich hoffe, dass ich die Form vom Synchron und vom Ein-Meter-Brett auch vom Drei-Meter-Brett zeigen kann.“

Im nicht-olympischen Wettbewerb vom Ein-Meter-Brett auf Rang fünf nicht viel zu Bronze. „Der vierte Sprung hat mich aus dem Rennen gerissen, da war ich ein bisschen übermotiviert. Hätte ich den wie im Vorkampf gemacht, hätte es gereicht“, sagte der 30-Jährige, der die Konkurrenz am Sonntag zwischenzeitlich angeführt hatte.

„Ich gehe in meinem Kopf mit so einer Scheiß-drauf- oder Mach-einfach-Stimmung auf das Brett und in den Sprung. Diesmal habe ich vielleicht ein bisschen zu viel Kraft reingesetzt“, sagte Hausding zu seinem verunglückten zweieinhalbfachen Salto rückwärts. „Klar ist noch Luft nach oben, aber Luft nach oben ist immer. Wenn keine wäre, würde man ja jedes Mal Weltmeister werden.“

Den dritten Finalplatz verbuchten Tina Punzel und Christina Wassen im Synchronspringen vom Turm. „Wir haben eine gute Stimmung in der Mannschaft. Die Ausgangsposition im Wasserspringen ist erstmal sehr schön“, sagte Wassersprung-Bundestrainer Lutz Buschkow, der das Ausbleiben von Livebildern im deutschen TV bedauerte.

Viermal Gold ging in vier Sprung-Wettbewerben an China, das durch Xin Xin auch das Freiwasserrennen über zehn Kilometer gewann und aktuell die beste WM-Nation ist. (dpa)

Wasserballer vor WM-Rückkehr

Die deutschen Wasserballer mussten sechs Jahre lang auf ein WM-Spiel warten – jetzt ist es wieder soweit. „Der Auftakt gegen Japan am Montag (13.30 Uhr/MESZ) kann schon entscheidend für die Entwicklung der WM sein“, sagt Bundestrainer Hagen Stamm, der im südkoreanischen Gwangju auf die „sensationelle Rückkehr“ seines Teams unter die Top acht hofft. „Das ist ein anderer Wasserball, den die spielen und an den Wasserball muss man sich gewöhnen“, sagte der 59-Jährige und greift zu einem Vergleich aus der Tierwelt, um zu erklären, was er meint: „Die sind wie so kleine Bienen, die Nonstop um einen herumschwirren.“

Vor dem richtungweisenden Auftaktspiel drückte allerdings die spartanische Ausstattung im Athletendorf auf die Stimmung. Keine Duschvorhänge, keine Fernseher, kein Wasser in der Küche, in Plastik eingeschweißte Matratzen. „Gemütlich wie ein Nagelbrett“, sagte Stamm, „äußerst puristisch“.

Unter anderem Julian Real soll verhindern, dass sich die Japaner in der Offensive entfalten können. „Er ist das Bollwerk in der Verteidigung“, sagt Stamm über seinen Kapitän, der neben Trainersohn Marko Stamm und Torhüter Moritz Schenkel zu den Schlüsselspielern zählt. Der gebürtiger Oberhausener Real betont den Stellenwert der WM: „ Sobald man den Adler auf der Brust hat, ist das noch einmal etwas Anderes. Dann steckt noch einmal viel mehr Herz dahinter.“

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