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Starb mit 44 Jahren: Trainer Sascha Lewandowski.

Bundesliga-Trainer

Der Tod eines Bessermachers

Der ehemalige Trainer von Union Berlin, Sascha Lewandowski, ist tot. Anfang März hatte Lewandowski seine Tätigkeit wegen eines Burnouts in Berlin beendet.

Von Jan Christian Müller

Im vergangenen Sommer, als Eintracht Frankfurt sich nach der Trennung von Thomas Schaaf auf Trainersuche befand, machten einige Namen die Runde. Ganz oben stand in der öffentlichen Wahrnehmung im Mai 2015: Sascha Lewandowski. Im Juni 2016 ist Sascha Lewandowski tot. Gestorben im Alter von nur 44 Jahren. Er wurde leblos in seiner Bochumer Wohnung aufgefunden, Hinweise auf Fremdverschulden fand die Polizei nicht. Die Leiche soll obduziert werden.

Die Eintracht und Lewandowski, der bereits seit seinem 16. Lebensjahr Fußballmannschaften trainierte, waren vor einem Jahr nicht zusammengekommen. Es hatte Gespräche mit seinem Berater gegeben, aber die waren nicht mehr weiterverfolgt worden, wohl auch, weil bei der Eintracht keine Einigkeit über den Kandidaten herrschte. Am Tag vor dem Pokalfinale in Berlin sickerte durch, Lewandowski habe die Eintracht abgehakt.

Im September wurde er Trainer beim Zweitligisten Union Berlin, im Februar teilte der Klub mit, Lewandowski benötige eine Pause, im März wurde der Vertrag wegen eines akuten Erschöpfungssyndroms aufgelöst; ein Burnout, der auch funktionale Herzbeschwerden auslöste. Die Ärzte rieten dem ehrgeizigen Fußballlehrer, Einserabsolvent der Hennes-Weisweiler-Akademie, dringend davon ab, in den aufreibenden Trainerjob zurückzukehren. Und er selbst hatte auch gar nicht die nötige Kraft dazu. Aus der Reha ließ er verlauten: „Nach Einschätzung meiner Ärzte wird es noch Monate dauern, bis ich wieder der Alte bin. Dieser Zustand ist untragbar für Mannschaft und Klub.“

Zwischen 2007 und 2017 war Sascha Lewandowski in mehreren Funktionen für Bayer Leverkusen tätig, zuvor hatte er die A-Jugend des VfL Bochum zweimal ins Finale um die Deutsche Meisterschaft geführt. Nebenbei schrieb er Zeitungsartikel und studierte Pädagogik. Überregional bekannt wurde der Workaholic, als er 2012 an der Seite von Sami Hyypiä die Bundesligamannschaft von Bayer Leverkusen sehr erfolgreich betreute und in die Champions League führte, sich aber vorzeitig auf eigene Bitte zurück in den Nachwuchsbereich versetzen ließ, ehe er sich nach Hyypiäs Rauswurf kurzzeitig als Interimstrainer zur Verfügung stellte und die Aufgabe souverän löste. Auch danach trat er zurück ins zweite Glied, wieder ein sehr ungewöhnlicher Schritt im Verdrängungswettbewerb Profifußball.

„Aktiv und lebensfroh“

Besonders langjährige Weggefährten in Leverkusen sind nun tief erschüttert. Geschäftsführer Michael Schade sagte: „Sascha war immer da, wenn Not am Mann war.“ Schades Vorgänger Wolfgang Holzhäuser sagte dem Kölner „Express“ unter Tränen: „Er war nicht nur ein toller Trainer, sondern auch ein großartiger Mensch.“ Sportchef Rudi Völler sagte: „Er war ein toller Mensch, der all seine Kraft und Leidenschaft in seine Arbeit einbrachte.“ Stefan Reinartz, der ehemalige Leverkusener und Frankfurter Spieler, sagte: „Ich habe Sascha immer als aktiv und lebensfroh wahrgenommen. Man spürt jetzt, dass es viele wichtigere Dinge gibt im Leben als Fußball.“

Fußball hatte für Sascha Lewandowski, der seit vielen Jahren mit einer Redakteurin des Westdeutschen Rundfunks liiert war, immer eine zentrale Rolle in seinem Leben gespielt, wiewohl er es nicht annähernd zum Profispieler brachte. „Ich war kein ganz Blinder, habe sogar ein paarmal Westfalenauswahl gespielt“, sagte er einmal im FR-Interview, „aber diesen Traum vom Profifußball gab es bei mir schon deshalb nicht, weil ich über die Kategorie eines guten Mannschaftsspielers nie herausgekommen bin.“ Sascha Lewandowskis hohe Kunst bestand schon zu aktiven Zeiten darin, vor allem andere besser zu machen. Als Trainer hat er diese Kunst verfeinert.

Der Tod eines Menschen in so jungen Jahren ist umso mehr eine große Tragödie.

BERATUNG UND HILFE

Zur Vorbeugung und Behandlung von psychischen Erkrankungen im Leistungssport hat die Vereinigung der Vertragsfußballer (VDV) gemeinsam mit der Robert-Enke-Stiftung, der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft und der Deutschen Sporthochschule Köln die Initiative „Mental gestärkt“ gegründet. Interessierte Spieler, Klubs und Verbände können sich über die Angebote des Netzwerks auf der Website www.mentalgestaerkt.de informieren und sich telefonisch vertraulich an die Geschäftsstelle wenden.

Die Robert-Enke-Stiftung wurde auf Betreiben seiner Ehefrau Teresa Enke, nach dem Suizid des Nationaltorwarts im November 2009, gegründet. Teresa Enke engagiert sich seitdem mit viel Hingabe, das Thema Depression noch offener zu kommunizieren und über ihre Stiftung (www.robert-enke-stiftung.de) konkrete Hilfe anzubieten. (jcm)

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