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Der Weg einer Legende

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Von: Jakob Böllhoff

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Der Wimbledon-Sieg war Federers 19. Grand-Slam-Erfolg.
Der Wimbledon-Sieg war Federers 19. Grand-Slam-Erfolg. © dpa

Roger Federer hat 2017 ein Comeback geschafft, das ihm niemand zutraute nach seiner Verletzungspause. Mit 35 Jahren ist der Schweizer der älteste Wimbledon-Champion aller Zeiten. Ein Kommentar.

Roger Federer also, der Mann, der ziemlich gut Tennis spielen kann. Besser womöglich als irgend ein Mensch vor ihm und nach ihm auf diesem unseren Planeten. Und den Planeten, auf dem es ein Wesen gibt, das besser im Tennis ist als Roger Federer, würde man dann doch gerne mal kennenlernen. Das Wesen müsste vier Arme haben und vier Beine, mindestens, und außerdem sollte es eine schnellere Auffassungsgabe als der modernste Supercomputer. Aber gut: An einem Punkt, an dem einem nur noch komische Vergleiche mit Außerirdischen einfallen, gilt es, das Feld schnell den Zahlen zu überlassen.

Federer hat das Tennisturnier in Wimbledon am Sonntag zum achten Mal gewonnen, häufiger als jeder andere Spieler. Es war sein 19. Grand-Slam-Titel, Rekord, er ist außerdem mit 35 Jahren und 342 Tagen der älteste Wimbledon-Champ in der Geschichte des Profitennis. Andere Statistiken, welche die Zahlen 70, 91, und 102 enthalten, könnte man hier nur auch noch anführen, aber es tut halt nichts zur Sache. Federer gehört zu jenen Sportlern, deren Wirken weit über die nackten Karrierezahlen hinausgehen. Zurück zum Wort also.

Anfangs ohne Konkurrenz

Der Schriftsteller und Essayist David Foster Wallace bezeichnete es schon 2006 als „religiöse Erfahrung“, Federer beim Spielen zuzusehen, die Grazie der Bewegungen, die kraftvolle Leichtigkeit der Schläge, die Improvisationsgabe, sich auch aus kniffligsten Situationen zu befreien. Federer war damals 25, und es gab keinen Gegner, der seine Dominanz gefährden konnte, nicht Safin, nicht Roddick, nicht Hewitt, auch nicht der späte Agassi. Erst als der Spanier Rafael Nadal, fünf Jahre jünger, mit ärmellosen Hemden, etwas zu engen Dreiviertelhosen und furchterregender Matadorenmentalität auf die Tour stürmte und Federer mit nie gesehenen Topspin-Schlägen quälte, bekam der Schweizer jene würdige Konkurrenz, ohne die kein Sportler zur Legende wird. Andy Murray und Novak Djokovic folgten, die „Big Four“ waren geboren.

Federer hat 2017 ein Comeback geschafft, das ihm niemand zutraute nach halbjähriger Verletzungspause, und natürlich profitiert er selbst in Wimbledon von den Verletzungen Murrays und Djokovics, die beide länger ausfallen werden, und davon, dass Nadal dann doch nicht mehr ganz der alte ist, trotz des neuerlichen French-Open-Sieges. Die Geschichte hat Federer eine letzte Nische geschenkt, seine Legende weiter zu vergrößern.

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