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Zerstreuung an der Dartscheibe: Philipp Weber (links) und Silvio Heinevetter.

Handball-EM

Mit einem Sieg ins Halbfinale

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Das deutsche Handball-Team schöpft aus der Erinnerung an das gewonnene EM-Endspiel gegen Spanien Mut.

Natürlich hätten sich die deutschen Handballer eine bessere Ausgangslage vor dem finalen Duell in der Hauptrunde bei der Europameisterschaft in Kroatien gewünscht. Gestern herrschte noch Unklarheit darüber, ob es ein Endspiel ums Halbfinale gibt, wenn die Mannschaft von Christian Prokop heute (20.30 Uhr, live im ZDF) auf Spanien trifft. Beeinflussen lassen, das war das klare Signal des Bundestrainers, dürfen sich seine Spieler und er davon aber nicht. Der Fokus liegt voll auf der Partie gegen die Iberer, damit durch einen Sieg ein Turnier schön werden kann, das lange nicht schön war. Helfen sollen dabei die Erinnerungen an den 31. Januar 2016.

Neun Spieler, die heute auf dem Spielberichtsbogen stehen werden, waren vor knapp zwei Jahren dabei, als die Deutschen mit einem imposanten 24:17-Finalerfolg gegen Spanien eine wunderbare Reise mit einem Triumph beendeten. Deutschland wurde völlig überraschend Europameister und ein Stück weit ist der Titel von 2016 ein Teil der Problematik bei der EM in Kroatien. Die Erwartungen sind größer geworden und damit die Berichterstattung kritischer. Der Druck ist ein spürbar anderer, der auf den deutschen Handballern lastet. Das war ein Grund für die durchwachsenen Leistungen der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) in der ersten Turnierphase. Ein anderer war der Kennenlernprozess von Prokop und der Mannschaft in Stresssituationen.

Mit der deutlichen Steigerung trotz der 25:26-Niederlage gegen Dänemark soll der Teamspirit, so die Hoffnung der DHB-Verantwortlichen, ein Stück größer geworden sein, so dass gegen die Spanier ein erneuter Leistungssprung erfolgen kann. „Wir müssen noch besser spielen als gegen die Dänen“, sagt Julius Kühn vor dem erhofften Finale um das Halbfinale. Der Halblinke von der MT Melsungen zeigte gegen Dänemark sein bestes Match bei der EM, traf sechs Mal und soll gegen die Spanier erneut mit einfachen Toren aus dem Rückraum Akzente setzen.

Auch Kühn war beim EM-Triumph vor zwei Jahren dabei und er ahnt, dass sich daraus ein psychologischer Vorteil für die eigene Mannschaft ableiten lässt. Die Niederlage und vor allem ihre Deutlichkeit hat Spuren bei den Spaniern hinterlassen, die als Favorit ins Endspiel von Krakau gegangen waren. „Das hat und sehr weh getan“, sagt Gedeon Guardiola, der Abwehrchef der Iberer. Die Deutschen verbinden mit den 60 Minuten hingegen positive Emotionen, die „Bad Boys“ waren durch sie zu Sporthelden geworden.

Prokop befasst sich mit dieser Thematik nur am Rande. Der Bundestrainer war damals Coach beim SC DHfK Leipzig und ist ohnehin kein Mensch, der seinen Job in erster Linie über Emotionen erledigen möchte. Der 39-Jährige hat sich analytisch auf den Gegner vorbereitet, der vor allem beim 31:20 gegen Mazedonien gezeigt hat, dass er immer noch zur europäischen Spitze zählt. Im Team der Spanier stehen viele erfahrene Akteure, das Durchschnittsalter ist deutlich höher als das der Deutschen. Veraltet und träge ist das Spiel der Iberer aber nicht angelegt.

„Wir brauchen alle zusammen morgen eine Bestleistung“, sagt Prokop. Der Coach versprüht dabei die Überzeugung, dass dies gelingen kann. „Wir haben uns gut auf die spanischen Abwehrsysteme vorbereitet. Sie verteidigen sehr intelligent und deshalb müssen wir clever agieren“, fügt Prokop an. Durch die zwei freien Tage nach dem Dänemark-Match wähnt er sich gut auf den Showdown vorbereitet.

Zu einem Vorteil könnte sich der Spielplan entwickeln, denn die Spanier waren gestern Abend noch gegen Slowenien gefordert und haben nur 24 Stunden Zeit, um sich auf den Showdown gegen die DHB-Auswahl vorzubereiten. „Es ist ganz klar ein Vorteil, dass wir nicht am Dienstag spielen müssen“, räumt Bob Hanning ein. Der greift allerdings nur, schiebt der DHB-Vizepräsident nach, wenn die Leidenschaft groß genug ist.

Durch die Unruhe, die in den zurückliegenden 14 Tagen herrschte, wird der Ausgang der Partie gegen die Spanier entscheidend sein, wie über den Trainer und seine Arbeit während des ersten Turniers geurteilt wird. Scheitern die Deutschen am Ziel Halbfinale, wird die Kritik an vielen Entscheidungen Prokops wieder aufflammen, auch wenn der die meisten Fehler inzwischen revidiert hat. Nicht nur für den deutschen Handball steht heute Abend einiges auf dem Spiel, auch für den Bundestrainer.

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