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Paul Drux vom deutschen Handball-Team im Zweikampf mit Frankreichs Ludovic Fabregas.

Handball-WM

Eine Sekunde zu lang

Deutschland verpasst bei der Handball-WM einen Coup gegen Weltmeister Frankreich und verspielt in der Schlussphase erneut einen möglichen Sieg.

Kapitän Uwe Gensheimer trat vor Wut gegen den Pfosten, Torwart Andreas Wolff biss frustriert in sein Trikot: Trotz der besten Turnierleistung haben Deutschlands Handballer einen Sieg gegen Titelverteidiger Frankreich in letzter Sekunde verpasst. Durch das 25:25 (12:10) am Dienstagabend im Handball-Krimi von Berlin steht die DHB-Auswahl aber zumindest vorzeitig in der WM-Hauptrunde und hat im Kampf um das Halbfinale weiter alle Trümpfe in der Hand. Gensheimer, Martin Strobel und Fabian Wiede waren mit jeweils vier Treffern beste Werfer der DHB-Auswahl, die von den 13.500 begeisterten Fans mit „Deutschland, Deutschland“-Rufen frenetisch gefeiert wurde.

„Ich bin froh, dass ich mir den Fuß nicht gebrochen habe“, sagte Gensheimer im ZDF über seinen Frusttritt. „Wir haben so ein geiles Spiel abgeliefert. Wir hätten den Sieg verdient gehabt. Dann waren es wieder Kleinigkeiten. Wir haben uns für ein Superspiel nicht belohnt.“ Bundestrainer Christian Prokop war mehr zufrieden mit seinem Team als enttäuscht über das Ergebnis: „Die Art und Weise war heute begeisternd. Das war Wahnsinn bis zum Schluss. Ein dickes Kompliment an meine Mannschaft.“

Überragende Defensivleistung

Die hätte sich mit einem Erfolg ideale Voraussetzungen für die nächste Turnierphase schaffen können. Dennoch macht vor allem die überragende Defensivleistung Mut für den weiteren WM-Verlauf. Frankreichs bester Werfer Kentin Mahé (9 Tore) war auf jeden Fall beeindruckt: „Ich glaube, dass die deutsche Mannschaft von Spiel zu Spiel besser spielt.“ Deutschlands Rechtsaußen Patrick Groetzki war sich sicher: „Mit etwas Abstand werden wir uns sicher auch über einen Punkt gegen den Weltmeister freuen können.“

Vor dem Anpfiff hatten die deutschen Spieler im Teamhotel die Nachricht vom Sieg Brasiliens gegen Russland erhalten, durch den der Punktverlust vom 22:22 gegen die Russen mit großer Wahrscheinlichkeit keine Bedeutung für den weiteren Turnierverlauf hat. „Wir haben das Russland-Spiel ganz kurz analysiert und dann abgehakt“, berichtete DHB-Vizepräsident Bob Hanning vor dem Anpfiff und heizte die Stimmung in der Arena an: „Das ist das Spiel der Spiele für uns in Berlin.“ 

Dies schien die Prokop-Schützlinge zusätzlich zu beflügeln. Vor allem in der Abwehr beeindruckte die deutsche Mannschaft, die in den ersten zehn Minuten nur zwei Gegentore zuließ. Das lag auch an Torwart Andreas Wolff, der anders als im Russland-Spiel sofort auf Betriebstemperatur war.

Zu viele Chancen vergeben 

Dennoch konnte sich die DHB-Auswahl nicht absetzen, weil im Angriff zu viele Chancen vergeben wurden. Unter anderen scheiterte Kapitän Gensheimer erstmals im Turnier vom Siebenmeterstrich an Frankreichs Keeper Vincent Gerard.

Der Titelverteidiger, der weiter auf Superstar Nikola Karabatic verzichtete, ging in der 19. Minute beim 5:4 erstmals in Führung. Beeindrucken ließ sich die DHB-Auswahl davon nicht. Die Defensive stand felsenfest, wofür Patrick Wiencek sinnbildlich stand. Der Kreisläufer vom THW Kiel musste schon nach 20 Minuten sein zerschlissenes Trikot tauschen.

Mit einem 3:0-Lauf brachte sich der Gastgeber wieder in Vorderhand. Nun war endgültig Feuer unter dem Dach. Angetrieben von den Fans legten die Hausherren nun auch in der Offensive zu. Der Lohn war eine Zwei-Tore-Führung zur Pause.

Den besseren Start nach dem Wechsel erwischten die Franzosen, die in der 36. Minute beim 15:14 wieder die Führung übernahmen. Prokop reagierte und schickte nun Silvio Heinevetter zwischen die Pfosten. Der Torwart der Füchse Berlin konnte jedoch weitere Gegentore nicht verhindern. So lief die DHB-Auswahl erst einmal einem knappen Rückstand hinterher, ehe in doppelter Überzahl das 18:17 (44.) gelang. 

In der dramatischen Schlussphase hielt es die Zuschauer nicht mehr auf ihren Sitzen. Jede gelungene Aktion der deutschen Mannschaft wurde frenetisch bejubelt. Zehn Minuten vor Ultimo kam Wolff wieder auf das Parkett und meldete sich gleich mit einer Glanztat zurück. Doch am Ende dauerte die Partie genau eine Sekunde zu lang, mit dem letzten Wurf schafften die Franzosen noch den Ausgleich. (dpa) 

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