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Nutzlos in Nürnberg: Ruud van Nistelrooy war nicht der einzige Hamburger ohne Biss.

Schwacher HSV

Eine gute Idee im Bett

So schlecht wie beim Auswärtsspiel in Nürnberg hat der Hamburger SV in dieser Saison wohl überhaupt noch nicht gespielt. Die richtige Einstellung zeigten die Hamburger jedenfalls erst nach dem 0:2. Beim Club machte in Markus Mendler erneut ein Teenager auf sich aufmerksam.

Von Christoph Ruf

Man kennt den Mechanismus aus dem Innenleben gut geführter Kloster. Auch dort fällt die Selbstkasteiung umso heftiger aus, je schwerer die Verfehlungen des Sünders waren. Und der HSV hatte am späten Samstagnachmittag nach einem lustlosen Auftritt im Fränkischen einigen Grund zur Buße. „Das war ganz schwach, die ganze Mannschaft hat nicht gut gespielt“, sagte deshalb aufrichtig angesäuert Coach Armin Veh, dem sein Abwehrchef Heiko Westermann an Bußfertigkeit nicht nachstehen wollte: „Das war wohl unser schlechtestes Spiel in dieser Saison.“

Schlechter als in Nürnberg kann der HSV in dieser Saison noch nie gespielt haben

Das einzige, was an der tätigen Reue des Nationalspielers irritierte, war das Wörtchen „wohl“, denn schlechter als in Nürnberg kann der HSV in dieser Saison einfach noch nie gespielt haben. Weshalb Veh auch noch einmal die Peitsche herausholte: „Man hat keinen psychologischen Vorteil für uns gesehen. Ich dachte, dass wir 200 Minuten in den Knochen haben.“

Dass es stattdessen der gerade erst im Pokal ausgeschiedene Club war, der am Dienstagabend beim 2:3 nach Verlängerung auf Schalke zwei Zusatzstunden absolviert hatte, war dabei noch nicht einmal das einzige Handicap des 1. FC Nürnberg. Schließlich fehlten den Gastgebern, die das fünfte Spiel in 15 Tagen absolvierten, Mehmet Ekici und Ilkay Gündogan, die zuletzt das ganz zu Recht gelobte kreative Zentrum der Franken gebildet hatten. Nürnberg versuchte deshalb, die individuell stärkeren Gäste in Zweikämpfe zu verwickeln und läuferisch das zu kompensieren, was spielerisch nicht zu leisten war. Und das gelang nach einer ereignisarmen ersten Hälfte vor allem deshalb so frappierend gut, weil der HSV in beiden Disziplinen nicht einmal Anfängerkenntnisse vorzuweisen vermochte. „Wir haben genau das vermissen lassen, was uns zuletzt stark gemacht hat“, sagte Mittelfeldrenner David Jarolim.

Außer Keeper Frank Rost hatten alleine der Tscheche und dessen Nebenmann Ze Roberto überhaupt die Köpfe oben, der Rest im Hamburger Ensemble wollte lieber nicht angespielt werden und trottete stattdessen übers Spielfeld, als sei man bei einem Prominentenspiel auf Föhr. Dem bedauernswerten Veh blieb deshalb nichts anderes übrig, als in aller Öffentlichkeit mit einem Nachhilfekurs für Fußballfremde aufzuwarten. „Diese Niederlage muss uns eine Lehre sein, dass wir in jedem Spiel hart arbeiten müssen. Wenn wir das tun, sind wir schwer zu schlagen. Wenn nicht, schlägt uns jeder.“

Eine Erklärung für diesen lahmen Auftritt hatte kein Hamburger. Nach zwei Siegen zum Rückrundenstart hatte man sich eigentlich auf dem Weg der Besserung geglaubt. Veh ist es allerdings mittlerweile gewohnt, dass sein launisches Team immer dann 90 Minuten lang durchhängt, wenn es sich zuvor eine gute Ausgangslage für einen Sprung nach vorne in der Tabelle erarbeitet hat. In Nürnberg spielten aber gleich alle Feldspieler des HSV so, als hätte man ihnen im Winter die Freigabe für einen Wechsel zu Real Madrid verweigert. Einen einzigen Schuss der Gäste aufs Tor verzeichnete die Matchstatistik nach dem Spiel.

Der gerade erst 18 gewordene Markus Mendler ärgerte die HSV-Deckung immer wieder

Nach den Treffern von Timmy Simons (59.) und Almog Cohen (70.) ist der FCN hingegen schon beruhigende sieben Punkte vom Relegationsplatz entfernt. Und an fast jedem Spieltag macht ein anderer junger Spieler auf sich aufmerksam. Diesmal war es der gerade erst 18 Jahre altgewordene Markus Mendler, der die HSV-Deckung immer wieder ärgerte. „Um ehrlich zu sein, habe ich mich erst heute Morgen entschieden, ihn von Beginn an zu bringen,“ sagte sein Trainer Dieter Hecking. „Manchmal hat man eben im Bett die besten Einfälle.“

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