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Das Khalifa International Stadion in Doha.

Kommentar

Eine WM der Extreme

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Es ist absurd: In Zeiten weltweiter Klimaschutzbemühungen findet eine Leichtathletik-WM in Doha statt. Und das Stadion wird klimatisiert. Ein Kommentar.

Man kennt das ja, jetzt, da sich die Urlaubszeit dem Ende zuneigt. Im Warmen, auch wenn in der Nähe ein Meer hektisch vor sich hinwellt, läuft alles langsamer ab. Angefangen beim entspannten, morgendlichen Gang zum Bäcker (oder Hotelbuffet), endend beim ausgedehnten, abendlichen Bauchvollschlagen. Nun hat die Nahrungsaufnahme wenig mit dem Folgenden zu tun, sehr wohl aber die für Menschen typische Verhaltensweise bei hohen Temperaturen. Denn ab heute wird sie im Wüstenstaat Katar, genauer in der Hauptstadt Doha, außer Kraft gesetzt, wenn die besten Leichtathleten der Welt um Medaillen rennen, springen oder werfen. Langsam zu machen, Hitze hin oder her, ist keine Option.

Das bringt manch einen schon beim Gedanken daran ins Schwitzen. „Es ist eine WM der Extreme, und da muss ich schauen, wie der Körper das wegsteckt“, sagt beispielsweise Gina Lückenkemper, eine der schnellsten deutschen Sprinterinnen. Im Fokus steht vor allem ihr Arbeitsplatz der nächsten zehn Tage, das Khalifa-Stadion, welches mit Hilfe von Klimaanlagen bis auf knapp 23 Grad heruntergekühlt werden soll. Sicher nett gemeint, doch einigermaßen absurd. Zum einen natürlich wegen des riesigen, kaum darstellbaren Energieaufwands in Zeiten weltweiter Klimaschutzbemühungen und „Friday for Future“-Demos, zum anderen wegen der Auswirkungen auf die Gesundheit. Lückenkemper erklärt: „Der Verband schickt uns absichtlich spät nach Doha, damit wir den extremen Temperaturunterschieden von 25 Grad im Hotelzimmer und Stadion zu den 40 Grad Außentemperatur nicht so lange ausgesetzt sind.“ Erkältungen sind dennoch programmiert, die Kluft zwischen drinnen und draußen nach Meinung fast aller Experten das größte Problem.

Besser wäre es gewesen, die Bedingungen anzunehmen. Zumal die meisten Wettkämpfe ohnehin erst in den Abendstunden stattfinden, da werden es vor dem Stadion 28 oder 29 sein, vielleicht mal 30 oder 31 Grad. Der Marathon ist erst für Mitternacht angesetzt. Die Temperaturen werden die Sportler also belasten, das schon, sie sind aber auch nicht höher als bei sommerlichen, in praller Mittagshitze durchgeführten Wettkämpfen in Rom oder Rabat.

Und mal nebenbei: Einen guten Ausweg aus dieser misslichen Lage deutete Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter an: „Im Oktober liegt jeder Athlet normalerweise am Strand und schlürft sein Bier.“ Was in Doha schwierig werden dürfte, der Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit ist verboten, auch am Strand.

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