Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Seiko Hashimoto. Foto: afp
+
Seiko Hashimoto.

KOMMENTAR

Eine Chefin mit Makeln

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
    schließen

Seiko Hashimoto soll als OK-Vorsitzende die Spiele in Japan retten. Ihrer Ernennung haftet ein Geschmäckle an: Sie soll übergriffig gewesen sein. Ein Kommentar.

Seiko Hashimoto soll die Olympischen Spiele in Tokio also in diesem Sommer über die Bühne bringen, „um jeden Preis“, wie sie selbst vor einigen Wochen formuliert hat. Damals, Ende Januar, war sie noch die japanische Olympiaministerin, ein wichtiger Posten allemal, seit gestern aber hat Hashimoto den Vorsitz des Organisationskomitees übernommen. Heißt: Ab sofort ist sie die Chefin der Spiele, eine, die mit ihrem mitreißenden Naturell mehr Akzeptanz für das Großevent in Pandemie-Zeiten bei den skeptischen Japanerinnen und Japanern schaffen könnte, die sich in die Nöte der Sportler:innen hineinversetzen kann, weil sie selbst mal eine herausragende Akteurin war, dazu auf politischer Bühne keine Unbekannte mehr. Die „perfekte Wahl“, verkündete IOC-Präsident Thomas Bach frohgemut. Doch es gibt auch Makel. Dazu später mehr.

Die Vorgeschichte: Hashimoto tritt die Nachfolge von Yoshiro Mori an. Der 83-Jährige, „der Wutmacher“, wie ihn die FR unlängst betitelte, hatte sich mit frauenverachtenden Aussagen quasi selbst aus dem Amt befördert, zu Recht wohlgemerkt, sein (erzwungener) Rücktritt war unumgänglich. Hashimoto soll daher nicht nur die Spiele bestmöglich organisieren, sondern sich gleichzeitig für eine stärkere Gleichstellung der Geschlechter einsetzen und landesweit als Vorbild dienen. Kann das klappen? Zweifel sind angebracht.

Von 1984 bis 1996 nahm Hashimoto an sieben Olympischen Spielen teil, Rekord für japanische Sportlerinnen. Viermal trat sie als Eisschnellläuferin, dreimal als Radfahrerin an. Nach der aktiven Karriere startete sie alsbald eine sportpolitische. Sie diente in mehreren Positionen der konservativen LDP und der Regierung, Sie gilt als Pionierin in der männerdominierten Politiklandschaft Japans, das im Ranking des Weltwirtschaftsforums zur Gleichberechtigung lediglich auf Platz 121 von 153 liegt – hinter Benin und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Der Preis von Olympia

Auch sorgte Hashimoto, mittlerweile 56, für Aufsehen, als sie nach der Geburt ihres Kindes nicht aus der Politik ausschied. Stattdessen wurde auf ihr Betreiben hin erstmals Mutterschaftsurlaub für Parlamentarierinnen gestattet, ebenso wie eine dauerhafte Kinderbetreuung. Kleine Fortschritte in der großen Männerdomäne. Einerseits.

Anderseits gehört die konservative Frau jener innerparteilichen Machtelite an, die einst von Mori geleitet wurde. Sie gilt als Vertraute ihres Vorgängers, die sich kaum am chauvinistischen Auftreten ihres einstigen Intimus gestört hat - zumindest öffentlich nicht. Zudem haftet der Ex-Chefin des Eislaufverbands der Vorwurf an, am Rande der Sotschi-Spiele 2014 den Eiskunstläufer Daisuke Takahashi sexuell belästigt zu haben. Fotos von Umarmungen, Küssen und einem abweisenden Athleten legen diesen Schluss nahe, was Hoshimoto zwar Ärger einbrachte, aber zu keinen Konsequenzen für sie führte, weil Takahashi sich nie öffentlich äußerte. Das Geschmäckle aber blieb.

So dürfte der Aufstieg zur Chefin der Spiele einen weiteren Grund haben. Die Alternativkandidatin Kaori Yamaguchi, ehemalige Judoka und beim Nationalen Olympischen Komitee angestellt, war zuletzt durch eher skeptische Wortmeldungen bezüglich der Olympia-Austragung in Corona-Zeiten aufgefallen. Sie fiel durchs Raster – und Seiko Hashimoto blieb darin hängen. Zur Erinnerung: Sie wolle die Spiele „um jeden Preis“ über die Bühne bringen. Hat sie so gesagt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare