Basketball

Eine Brücke in die Zukunft

Basketballer ziehen positive Bilanz des Quarantäne-Turniers.

Im Garten seines Hauses unweit des Starnberger Sees war Stefan Holz in Eile. So kurz vor dem erfolgreichen Abschluss des Mammutprojektes Finalturnier hetzte der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga von Termin zu Termin. Viel ist noch zu erledigen, vor allem weil Holz auch schon die neue Saison planen muss. Und dennoch huschte ihm ein kleines Lächeln über die Lippen, als er von dem gelungenen Experiment erzählte, das vor Beginn durchaus angezweifelt wurde.

„Bis jetzt könnte es nicht besser sein“, berichtete er vor dem finalen Wochenende des Turniers in München: „Das Wichtigste war, dass wir keine Infektionsfälle und keine schwerwiegenden Verletzungen hatten. Wir hatten spannende, enge Spiele, und nicht zuletzt ist die mediale Resonanz sehr hoch.“ Den krönenden Abschluss bildet das Finalrückspiel am Sonntag (15 Uhr/ Sport 1) zwischen Alba Berlin und Ludwigsburg.

Danach ist alles vorbei. Drei Wochen wohnten zehn der 17 Bundesligisten in einem Quarantäne-Hotel, um den deutschen Meister in Corona-Zeiten auszuspielen. Davor hatte noch all der Planungsstress gelegen. Es hat sich gelohnt: Selten hat die Basketball-Bundesliga vorher ähnlich viel Aufmerksamkeit erhalten. Das zeigt der Blick auf die TV-Quoten beispielsweise beim Pay-TV-Kanal Magentasport, der alle Spiele live übertrug.

„Die sind deutlich höher als im normalen Spielbetrieb. Das ist ein Vielfaches, wirklich signifikant“, sagte Holz. Schon im Turnierverlauf sprach Magenta selbst von signifikanten Steigerungen „mit bis zu 100 000 Zuschauern“ bei Topspielen. Auch die Zahlen von Sport 1 im Free-TV von bis zu 170 000 seien „für uns auch sehr viel“, wie er weiter ausführte. Ein weiteres Turnier nach Münchner Vorbild werde es aber nicht geben.

„Es ist für diese Situation das richtige Format, aber nur für diese Situation“, sagte Holz. Man habe sich in der Krise in den Wind gestellt und für die Sportart gekämpft, lobte derweil Marco Baldi, Geschäftsführer von Alba Berlin. „Das ist keine Situation, die schön ist und dennoch haben wir gezeigt, dass wir als Liga und Klubs in schwierigsten Zeiten in der Lage sind, Dinge zu kreieren und mit Optimismus eine Brücke in die Zukunft zu bauen.“

Für die kommende Saison hofft Holz auf eine andere Lage: Auf einen Spielbetrieb ohne Geisterspiele und dafür mit einigen Fans auf den Rängen. Dafür arbeitet er aktuell mit der Handball-Bundesliga und der Deutschen Eishockey-Liga an einem Konzept, vor einem langfristigen Szenario ohne Fans warnt Holz eindringlich. „Ein dauerhafter Betrieb ohne Zuschauer oder auch über eine längere Zeit ist für uns keine Option“, sagte er: „Das funktioniert wirtschaftlich für die Klubs nicht.“

Für einen derartigen GAU brachte Holz staatliche Hilfen ins Spiel. Denn die finanziellen Einbußen wären erheblich. „Das würde eine Basketball-Bundesliga zurückwerfen auf den Stand von vor 15 Jahren“, sagte er. Dann wäre der Effekt des gelungenen Finalturniers verpufft. (sid)

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