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Hypnotisch: Shinji Kagawa, Dortmunds Doppel-Torschütze gegen Hoffenheim.

Hoffenheim unterliegt Dortmund

BVB ist eine andere Kragenweite

Hoffenheims Verantwortliche nehmen die Niederlage in Dortmund gelassen - weil sie gegen brillante BVB-Gastgeber auch höher hätte ausfallen können.

Von Christoph Ruf

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Holger Stanislawski hatte die Dinge nicht anders gesehen als die 79.500 Borussenfans unter den 80.500 Zuschauern. „Dortmund hat ein enormes Tempo an den Tag gelegt. Der BVB ist im Moment einfach eine Klasse zu stark für uns.“ Der Hoffenheimer Coach wirkte nach der 1:3-Niederlage seiner Elf nicht sonderlich schlecht gelaunt. Schließlich hätte die auch höher ausfallen können.

Allein Dortmunds Stürmer Robert Lewandowski prüfte Keeper Tom Starke in den ersten zehn Minuten dreimal.

Naive Hoffenheimer Defensive

Umso bitterer für den besten Hoffenheimer, dass ihm seine Vorgesetzten nach dem Spiel eine Mitschuld am Dortmunder Führungstreffer gaben: Einen vom Keeper in die Spielfeldmitte geschlagenen Ball auf Sebastian Rudy erkämpfte sich Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl, dessen Pass Shinji Kagawa zum 1:0 (16.) nutzte.

„Wir haben uns in der ersten Halbzeit zu blöden Fehlern verleiten lassen“, fand Manager Ernst Tanner. Und auch Stanislawski war eher auf seinen Keeper sauer – „ich hatte vor sorglosen Bälle ins Zentrum gewarnt“ – als auf Rudy, der sich den Ball arg naiv hatte abnehmen lassen.

Eine Viertelstunde später war die Partie so gut wie entschieden: Nach Flanke von Jakub Blaszczykowski vollstreckte Kevin Großkreutz (31.), der im Fünfmeterraum völlig freistand – nicht das einzige Beispiel naiver Hoffenheimer Defensivarbeit.

Als Schiedsrichter Knut Kircher zur Halbzeit pfiff, konnte der Gast deshalb froh sein, dass er nicht deutlicher unter die Räder gekommen war.

BVB mit Hochgeschwindigkeitsfußball

„Zwischenzeitlich“, sagte Tanner, „konnte man glauben, dass es noch schlimmer kommen könnte.“

Tatsächlich wirkte das Spiel der Hoffenheimer, die ohne den nach Stuttgart transferierten Vedad Ibisevic auskommen mussten, im Vergleich zum Dortmunder Hochgeschwindigkeitsfußball behäbig und träge.

Selten gelangen Zuspiele über mehr als zwei Stationen, meist wurde der Hoffenheimer Ballbesitz kurz hinter der Mittellinie unterbunden.

Das gefürchtete Pressing der Dortmunder konnte mit derart pomadigem Spiel natürlich nicht unterbunden werden.

Das war umso fataler, als die schnellen Zuspiele in die Spitze die Defizite im Hoffenheimer Spiel brutal offenlegten.

Weder Jannick Vestergaard noch dem gelernten „Sechser“ Daniel Williams gelang es in der Innenverteidigung, die ständig rochierenden BVB-Offensivkräfte in den Griff zu bekommen.

Braafheid in Not

Auf der linken Außenbahn hatte Edson Braafheid zudem große Schwierigkeiten. Nach seinem Stockfehler und einem traumhaftem Zuspiel von Großkreutz erzielte Kagawa das 3:0 (55.).

Wenn die Hoffenheimer Verantwortlichen das Geschehen nach dem Schlusspfiff dennoch halbwegs gut gelaunt analysierten, lag das an der Leistungssteigerung im zweiten Durchgang, der mit dem Anschlusstreffer durch Fabian Johnson (63.) belohnt wurde und nicht nur Vestergaard zur Feststellung brachte, man habe „den Kopf wieder hochgekriegt“. Das fand auch BVB-Coach Jürgen Klopp, der die gerechtfertigten Komplimente über das Spiel seiner Mannschaft gelassen entgegennahm, aber auch dem Gegner nicht den Respekt versagte. Es sei schließlich nicht selbstverständlich, dass ein Team nach 0:3-Rückstand noch mal offensiv nach vorne spiele. „Man hat gesehen, wie das Spiel auch hätte ausgehen können, wenn wir nicht so viel Gas gegeben hätten.“

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