Wintersport

Ein Jahr voller Zweifel

Der Rodler Felix Loch geht sieglos in die Heim-WM.

Kein Zweifel, das da vorne ist Felix Loch. Mit starrer Miene wuchtet der große Mann seinen Schlitten in die Winterberger Bahn, rückt den Helm zurecht und holt sich den letzten Schliff für die Heim-WM. Was er dann allerdings über seine Chancen an diesem Wochenende erzählt, das klingt so gar nicht nach dem Dominator des vergangenen Jahrzehnts. „Es ist alles etwas schwierig zu erklären“, sagt Loch, „aber ich habe das Rodeln nicht verlernt. Ich kann immer noch schnell sein. Ich hoffe wieder auf mehr Glück.“

Der zweimalige Einzel-Olympiasieger, der fünfmalige Weltmeister, der vielleicht beste Rodler der Geschichte – hofft bei den Heim-WM am Wochenende also auf Glück. Und das hat einen guten Grund. Seit knapp einem Jahr hat Loch kein Rennen mehr gewonnen. Dafür, sagt Loch, gebe es verschiedene Gründe. Der vermeintlich offensichtliche gehöre aber nicht dazu. Lochs brutaler Absturz bei den Winterspielen in Pyeongchang liegt nun etwa elf Monate zurück, im vierten und letzten Lauf verschenkte er damals das fast sichere Olympia-Gold durch einen Fahrfehler. „Das spielt aber keine Rolle mehr“, beteuert er. Vielmehr habe er zu Beginn der Saison „die Abstimmung am Schlitten“ nicht gefunden.

Das Rennen am Sonntag (11.05 Uhr) ist nun Chance und Risiko zugleich. Holt Loch den Titel, dann ist er zum sechsten Mal Weltmeister, stellt den bisherigen Rekord von Armin Zöggeler ein und wischt die Zweifel vorerst weg. Fährt er aber auch auf der Heimbahn hinterher, dann stellt sich allmählich wirklich die Frage, ob seine besten Tage als Rodler hinter ihm liegen.

Deutschlands andere Rodelgröße gibt dagegen weiter keinen Anlass zu Sorgen. Natalie Geisenberger war und ist die beste Rodlerin der Welt: Vier Siege und drei zweite Plätze in acht Rennen – wenn Geisenberger am Samstag (14.20 Uhr) Konkurrenz hat, dann wohl aus dem eigenen Lager. „Die Spitze ist breit aufgestellt“, sagt sie, „alle deutschen Frauen können gewinnen.“ Da wären Rekordweltmeisterin Tatjana Hüfner und die Olympiazweite Dajana Eitberger, vor allem eine Senkrechtstarterin wackelt in diesem Winter aber an Geisenbergers Status: Julia Taubitz gewann zwei Rennen, die 22-Jährige hat im Sommer den Stützpunkt gewechselt, nutzt einen neuen Schlitten und präsentiert sich seither wie verwandelt.

Eine Titelgarantie hat Deutschland wohl auch bei den Doppelsitzern, das Rennen am Samstag (11.10 Uhr) dürfte zum Duell zwischen den Weltmeistern Toni Eggert/Sascha Benecken und den Olympiasiegern Tobias Wendl/Tobias Arlt werden. Am Freitag werden die Titel im Sprint vergeben. (sid)

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