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Britta Steffen reiht sich in die Schlange der Kritiker ein.
Britta Steffen reiht sich in die Schlange der Kritiker ein. © dapd

Britta Steffen, Paul Biedermann und Marco di Carli reihen sich in die Schlange der DSV-Kritiker ein.

Dass sich deutsche Spitzenathleten mit Kritik am Deutschen Schwimm-Verband (DSV) zu Wort melden, das gab es in den vergangenen Jahren häufig. Erste Adressatin wiederholter Anschuldigen war DSV-Präsidentin Christa Thiel. Nach den Olympischen Spielen 2004 in Athen zum Beispiel, beschwerte sich die fünfmalige Weltmeisterin Hannah Stockbauer: „Beim DSV geht das Geld oft an die falschen Orte und Personen.“ Thomas Rupprath pflichtete ihr bei und prangerte „Vergeudung von Geld und Energie“ an. Als Antwort bekamen sie eine Abmahnung vom DSV.

Die Beschwerden gingen weiter. 2005 sagte Antje Buschschulte: „Wir brauchen eine bessere Kommunikation.“ Helge Meeuw fasste 2008 die Attitüde der DSV-Führung so zusammen: „Es hapert daran, eigene Fehler zu erkennen und zu benennen.“ In all den Jahren meldete sich regelmäßig Franziska van Almsick kritisch zu Wort. Ebenso Mark Warnecke, der zuletzt – nach den medaillenlosen Sommerspielen 2012 – konstatierte: „Bei uns werden Fördergelder verballert.“ Und: „Der Trainingsaufbau stimmt nicht.“

Nun haben sich am Rande der Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Wuppertal auch Britta Steffen, Paul Biedermann und Marco di Carli in die Schlange der Kritiker eingereiht. Jahr für Jahr geht es um die gleichen Missstände. „Im Verband weiß A nicht, was B macht“, sagte di Carli. Britta Steffen holte gar vehement zum Frontalangriff auf Christa Thiel aus: „Meine Intention ist, jemand an die Spitze zu setzen, der Leidenschaft für den Schwimmsport hat.“

Wieder kollidieren Termine

Die Leidenschaft spricht sie der ehemaligen Turniertänzerin ab. Tatsächlich hat Christa Thiel in der Vergangenheit meist nach dem Funktionärsmotto gehandelt, das da lautet: „Tue nichts und rede darüber.“ Diese Taktik befördert durchaus die eigene Karriere – nicht umsonst wird Thiel als Nachfolgerin von DOSB-Präsident Thomas Bach gehandelt – der Entwicklung des eigenen Verbandes dient sie nicht. Das haben zuletzt auch die DSV-Mitglieder bemerkt, von denen nur 57 Prozent Thiel beim Verbandstag im Präsidentenamt bestätigten wollten.

Aktueller Anlass der geballten Athletenkritik sind wie schon so oft Terminkollisionen (parallel zur DM in Wuppertal findet die Kurzbahn-EM in Frankreich statt). Vor allem aber konterkariert die Verlegung der deutschen Langbahnmeisterschaften im April 2013 um ganze drei Wochen alle Trainingsplanungen der Athleten. Offenbar fehlt dem DSV erneut die Stärke, eigene Konzepte durchzusetzen, wenn es um Terminabsprachen mit Fernsehsendern geht.

Auf Athletenkritik hat Thiel bisher meist mit Unverständnis, Druck, Abmahnungen oder juristischen Klagen reagiert. Bei der Aufarbeitung der Olympiamisere spielt sie auf Zeit, wo Eile geboten wäre. Dass die Juristin aus Wiesbaden dennoch seit Jahren unbeirrt durch die Schwimmhallen stöckelt, liegt auch daran, dass es niemand anderen gibt, der sich um das Amt des DSV-Präsidenten bewirbt. Bei der Wahl vor zwei Wochen fand sich jedenfalls kein Gegenkandidat.

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