Handball-WM

Druck als Ansporn für Showdown

Die deutschen Handballerinnen wollen zur Weltmeisterschaft.

Der Druck ist Henk Groener zumindest äußerlich nicht anzumerken – dabei lastet er vor dem WM-Showdown der deutschen Handballerinnen schwer auf den Schultern des Bundestrainers. Mit leiser Stimme spricht der Niederländer über das entscheidende Playoffspiel gegen Kroatien, von dem die Teilnahme an gleich zwei großen Turnieren abhängt. Und damit auch der Reifeprozess seiner jungen Mannschaft. „Klar, es hängt viel von diesem Spiel ab“, sagte Groener, „aber wenn man anfängt, über die Bedeutung des Spiels nachzudenken, brauchen wir erst gar nicht aufzulaufen.“

Nur ein Sieg im Rückspiel am Mittwoch (18.45 Uhr/Sport1) in Hamm/Westfalen garantiert das Ticket für die WM im Dezember in Japan und hält den Traum von den Olympischen Spielen 2020 am Leben. Diese riskante Ausgangslage hat sich seine Mannschaft am Sonntag im Hinspiel in Koprivnica selbst eingebrockt. Zu viele technische Fehler hatte das Groener-Team gemacht, am Ende sprang trotz einer Drei-Tore-Führung kurz vor Schluss nur ein Unentschieden (24:24) heraus. „Wir haben nicht das gespielt, was wir wollten“, sagte der 58 Jahre alte Coach. Aber: „Das Spiel war ein Weckruf. Ich spüre jetzt einen richtigen Willen, es besser zu machen.“ Die Enttäuschung ist der Entschlossenheit gewichen – das sieht auch Meike Schmelzer so. Der Kreisläuferin macht die Drucksituation nichts – im Gegenteil. „Mich persönlich spornt das Hinspiel eher an. Das motiviert schon sehr“, sagte die 25-Jährige vom Pokalsieger Thüringer HC.

Seit der späten Rückkehr nach Deutschland am Montagabend bereitet sich die Auswahl in der Sportschule Kamen-Kaiserau auf die Partie gegen Kroatien vor. Nach einer Krafteinheit am Dienstagmorgen folgte am Nachmittag das Abschlusstraining in der Arena in Hamm, wo am Mittwoch rund 2000 Zuschauer den letzten Push für die Qualifikation geben sollen. „Es geht um unglaublich viel für den Frauenhandball, weil gerade dort viel über öffentliche Förderung funktioniert. Wir als Verband verspüren da sicherlich einen ganz großen Druck“, sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer

Das gilt auch für die rein sportliche Perspektive. Nach dem ordentlichen neunten Platz bei der EM 2018 hatte Groener unlängst betont, mit seiner Mannschaft den Sprung unter die besten Teams der Welt schaffen zu wollen. Dafür braucht es jedoch Spiele auf allerhöchstem Niveau – und die gibt es nur bei der WM in Japan oder bei den Sommerspielen ein Jahr später an gleicher Stelle. „Bei Olympia gucken alle hin“, sagte der frühere Weltklassetorwart Andreas Thiel, seit einem Jahr Vorsitzender der Handball-Bundesliga der Frauen der „Handballwoche“. (sid)

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