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Goldene Zeiten: Johannes Rydzek will die Nordischen Kombinierer wieder zu Erfolgen führen.

Nordische Kombination

Drei Raketen am Start

Nordische Kombinierer haben viel vor - allen voran Johannes Rydzek.

Am Montag hat die Saison für die Nordischen Kombinierer schon begonnen, die beiden zu absolvierenden Disziplinen hießen da jedoch noch nicht Skispringen und Langlaufen, sondern zunächst Kofferpacken und ins Flugzeug steigen. Von München ging es über Helsinki ins finnische Skisportzentrum Ruka bei Kuusamo, 60 Kilometer südlich des Polarkreises. Sprünge mit Landungen auf Schnee wollte Bundestrainer Hermann Weinbuch mit seiner Delegation einüben, was bisher in der Heimat noch nicht möglich war – deshalb die frühe Anreise, denn die ersten beiden Weltcup-Wettkämpfe der Kombinierer steigen erst am Wochenende. Doch auch in Nordpolnähe fehlte es an der klassischen Winterzutat. Immerhin wird sie nun von Schneekanonen ausgespuckt, die Wettkämpfe sind nicht gefährdet.

Und Weinbuch schickt eine Formation ins Rennen, von der er viel hält: „Ich habe drei Raketen dabei, die alle um den Sieg kämpfen können.“ Team-Olympiasieger Fabian Rießle (27) aus dem Schwarzwald ist eine von ihnen; der Erzgebirgler Eric Frenzel, seit Mittwoch 30 Jahre alt, ist Weinbuchs zweites vielversprechendes Flug- und Laufobjekt, auch er gewann Gold mit der Mannschaft in Pyeongchang im Februar, zudem noch im Einzel von der kleinen Schanze. Und da ist auch noch Johannes Rydzek aus Oberstdorf, 27 Jahre alt mittlerweile, ein weiterer Hochbegabter, international enorm mit Titeln versorgt, sechsmal Weltmeister, das hat noch niemand geschafft, zudem Doppel-Olympiasieger von Pyeongchang – „damit habe ich mir einen Traum erfüllt“, sagt Rydzek.

Für diese Saison hat er sich wieder viel vorgenommen. Höhepunkt ist die nordische Ski-Weltmeisterschaft im Frühjahr 2019 in Seefeld (Österreich), dort ist Rydzek in allen vier Disziplinen Titelverteidiger. Aufhören ist derzeit noch keine Option für ihn. Die Titelkämpfe 2021 in seiner Heimat Oberstdorf möchte er dringend als Aktiver erleben: „Und dann ist es ja nur noch ein Jahr bis zu den Olympischen Spielen in Peking“, mit denen Rydzek offenbar auch noch plant. „Als Kind hat mich die Kombination schon total fasziniert. Und dieses Feuer brennt immer noch in mir“, sagt er.

„Zu sehr gestresst“

Aber schon jetzt erhält der Allgäuer angesichts seiner Erfolge von Weinbuch einen Ehrentitel: „Johannes Rydzek ist einer der größten Kombinierer aller Zeiten.“ Und das schätzt Weinbuch an Rydzek: „Er ist sehr schnellkräftig, ausgestattet auch mit einer sehr guten Ausdauerfähigkeit und mit einem großen Willen, so dass er auch im Endspurt über seine Grenzen gehen kann.“ Die Folge: Rydzek gehört seit fast zehn Jahren zur Weltspitze. In jungen Jahren jedoch hat er sich oft selbst zu sehr unter Druck gesetzt: enormer Ehrgeiz, dringender Wille, möglichst schnell möglichst viel zu erreichen, schwer zufriedenzustellen – „da hat er sich selbst zu sehr gestresst“, sagt Weinbuch. Nun ist Rydzek ruhiger, gewiss auch, weil er alles mögliche erreicht hat in seinem Sport, außer dem Gewinn des Gesamt-Weltcups. Allerdings hat Weinbuch seinem Athleten dringend geraten, seinem Naturell eine Spur Gelassenheit hinzuzufügen, was der auch umsetzte: „Das war entscheidend für seinen Durchbruch.“

Rydzek ist ein kluger Gesprächspartner, und er weiß, dass er nun wegen seiner Erfolge im Mittelpunkt steht. Doch dazu sagt er: „Ich muss niemandem mehr etwas beweisen.“ Durch den Sommer ist er ohne Blessuren und Krankheiten gekommen, Weinbuch verlangte zuletzt deutlich mehr Sprungtraining, weil es in diesem Bereich mit dem Norweger Jarl-Magnus Riiber einen überragenden Flieger gibt, der die Maßstäbe setzt. Rydzek sagte das Training zu.

Im Sommer hat er neben dem Training sein Studium des Wirtschaftsingenieurswesens in Kempten weiter forciert, Berufswunsch offen. Und er hat seine Freundin Lissi geheiratet. „Die Hochzeit war der Startschuss für etwas, das deutlich länger anhält als meine sportliche Karriere“, sagt er. Noch so eine Kombination also, Sport und Ehe diesmal.

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